Katholische Kirche Emeritierter Weihbischof vergleicht Segnung Homosexueller mit Segen für KZs

Der ehemalige Salzburger Weihbischof Andreas Laun im Jahr 2009.

(Foto: imago stock&people)
  • Mit Aussagen über Homosexuelle und die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare hat der emeritierte Salzburger Weihbischof für Empörung gesorgt.
  • Andreas Laun hat sich gegen die Anregung einiger deutscher Bischöfe ausgesprochen, homosexuelle Paare in Einzelfällen den Segen zu erteilen - und dafür drastische Vergleiche gewählt.
  • Seine Glaubensbrüder distanzieren sich von ihm.
Von Max Sprick

Andreas Laun ist für seine kontroversen Aussagen bekannt, doch seine jüngsten Äußerungen sorgen für Empörung. Der ehemalige Weihbischof von Salzburg vergleicht in einem Beitrag für das Portal kath.net den Segen für homosexuelle Partnerschaften mit dem Segen für Konzentrationslager.

Man könne zwar eine Bergsteigerausrüstung segnen, ein Feuerwehrauto oder ein Musikinstrument, schreibt der 75-Jährige. Aber: "Den Segen Gottes kann man für Sünder, aber nicht für die Sünde erbitten. Also könnte man kein Bordell einweihen, kein KZ oder Waffen segnen, die nicht ausschließlich zur Jagd oder zur legitimen Verteidigung bestimmt sind."

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Darum sei klar, dass man auch nicht eine Verbindung segnen dürfe, "die sündhaft ist". Nicht "die Mafia, keinen Segen für Vereinigungen oder Einrichtungen geben, die Abtreibung fördern und durchführen oder glaubensfeindliche Ideologien verbreiten". Und weiter: Zwei Männer oder zwei Frauen, die homosexuell sind, könne man schon segnen - schließlich hoffe die Kirche dabei, "dass sie sich unter dem Einfluss der Gnade Gottes bekehren werden".

Des weiteren schreibt Laun: "Wenn man auf ein Glas mit sauren Gurken ein Etikette "Honig" klebt, bleiben die Gurken sauer!" Mit "sauren Gurken" meint er eine homosexuelle Partnerschaft, mit dem "Etikette 'Honig'" den kirchlichen Segen.

Mit seinem Beitrag reagiert Laun auf die Äußerungen des Münchner Kardinals Reinhard Marx, der dem Bayerischen Rundfunk gesagt hatte, eine Segnung homosexueller Paare solle - im Einzelfall - möglich sein. "Ich sehe da eigentlich keine Probleme", hatte Marx gesagt. Zuvor hatte der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode der Neuen Osnabrücker Zeitung gesagt, die Ehe für alle sei "nun politische Realität", auch wenn sie sich "eindeutig vom Eheverständnis der Kirche unterscheidet". Launs Reaktion darauf: "Lieber Kardinal Marx und lieber Bischof Bode, es gibt nur eine katholische Antwort: Nein!"

Launs Aussagen sorgen für heftige Kritik. Es verbiete sich, "den Wert gleichgeschlechtlicher Beziehungen in einem Atemzug mit der Mafia oder KZs zu nennen, wie dies leider gerade geschehen ist", sagte der Wiener Kardinal Christoph Schönborn, der der Österreichischen Bischofskonferenz vorsitzt. "Diese Dinge sind nicht vergleichbar. So zu reden ist inakzeptabel."

Der Salzburger Erzbischof Franz Lackner fügte hinzu: "Die Äußerung des emeritierten Weihbischofs Laun macht betroffen. Wortwahl und Vergleich sind gänzlich unangemessen." Es sei unverständlich, "wie man systematische Verbrechen gegen die Menschheit in irgendeiner Weise in Zusammenhang mit gleichgeschlechtlichen Lebensformen bringen kann".

Laun selbst rechtfertigt sich gegenüber Spiegel Online: "Ich missachte keinen Menschen, der homosexuelle Neigungen hat. Diese Menschen können ja auch die Heilige Messe besuchen und gesegnet werden." Er sei aber gegen die "Segnung der Sünde der homosexuellen Partnerschaft". Zwar tue es ihm leid, wenn er jemanden mit seinen Äußerungen verletzt habe, aber: "In der Sache haben mir Kardinal Schönborn und Bischof Lackner mit keinem Wort widersprochen, oder?"

Laun bereut seine Worte nicht. "Ich habe drastische Vergleiche gewählt, ja. Die hysterische Reaktion ist mir aber unverständlich."

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