Katholische Kirche Britischer Kardinal fordert Ende des Zölibats

Er ist der ranghöchste Katholik Schottlands, bald wird er den neuen Papst mitwählen: Jetzt hat Kardinal Keith O'Brien gefordert, das Eheverbot für katholische Priester zu überdenken. Für mehr Rechte für Homosexuelle reicht sein Reformeifer jedoch nicht aus.

Von Jakob Schulz

Mit lästigen Personaldebatten befassen sich Führungskräfte nicht allzu gern. Dreht sich etwa die Diskussion bei Parteien mal etwas länger um Posten und deren Besetzung, heißt es oft bald: "Es geht nicht um Ämter, sondern um Inhalte." Im Vatikan in Rom geht es dieser Tage vor allem um einen Posten; 117 Kardinäle werden im päpstlichen Konklave bald unter sich ausmachen, wer mächtigster Katholik der Welt wird.

Auch der schottische Kardinal Keith O'Brien wird im März seine Heimat in Richtung Sixtinischer Kapelle verlassen, um seinen neuen Chef zu wählen. Um die lästige Personalfrage kommt der Erzbischof von Saint Andrews und Edinburgh bis dahin nicht herum - fürs Erste hat er aber zumindest erfolgreich davon abgelenkt.

Der oberste schottische Katholik hat sich dafür ausgesprochen, das Heiratsverbot für katholische Priester zu überdenken. "Ich würde es begrüßen, wenn folgende Priestergenerationen die Wahl hätten" ,sagte O'Brien am Freitag in einem BBC-Interview. Ihm sei klar geworden, dass es vielen Priestern sehr schwer falle, mit dem Zölibat zu leben. Sie fühlten, dass sie einen Begleiter brauchen, eine Frau, die sie heiraten könnten und eine Familie mit ihr gründen könnten, sagte er.

Keine göttliche Grundlage

O'Brien unterschied im Gespräch mit BBC-Reporter Glenn Campbell zwischen gottgebenen Ansichten - und Einstellungen, die nicht göttlicher Herkunft seien. Themen wie Abtreibung und Euthanasie kann die Kirche demnach nie akzeptieren, da sie sie wegen grundlegender dogmatischer Ansichten ablehne. Anders sieht es dem Kardinal zufolge mit dem Zölibat aus. "Es gab Zeiten, in denen Priester heiraten durften. In anderen Kirchen dürfen Priester heiraten", erklärte er. Das Gebot der Ehelosigkeit für Priester habe offensichtlich keine göttliche Grundlage und könne vom nächsten Papst diskutiert werden.

Der 74-jährige O'Brien selbst will nie allzu viel über eine Beziehung nachgedacht haben. "Ich war zu beschäftigt", erklärte er. Als er ein kleiner Junge gewesen war, hatten Priester einfach nicht geheiratet.

O'Briens für katholische Verhältnisse fortschrittlichen Einstellungen stoßen allerdings an Grenzen. 2012 bezeichnete er gleichgeschlechtliche Ehen als moralisch so verwerflich wie Sklaverei und nannte die Reform des Eherechts "Wahnsinn". Homosexuellen-Organisationen verliehen ihm daraufhin den Titel "Bigot of the year" - was so viel bedeutet wie Fanatiker oder Eiferer.

Zweite Papstwahl für O'Brien

O'Brien darf als Kardinal schon zum zweiten Mal im Konklave einen neuen Pontifex bestimmen. Im BBC-Interview signalisierte er Offenheit für einen Papst aus Afrika, Amerika oder Asien. "Wir hatten jahrhundertelang europäische Päpste", sagte O'Brien, und es gebe exzellente Kardinäle aus anderen Regionen der Welt. Er beklagte, dass der christliche Glaube in Europa nicht mehr so lebendig sei, wie er früher einmal war. In anderen Regionen der Welt dagegen wachse der katholische Glaube. "Von diesen Ländern könnte Europa jetzt lernen".

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