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Vakantes Papstamt:Wer Benedikt XVI. nachfolgen könnte

Der angesehene Kardinal aus Ghana, der junge Erzbischof aus Brasilien oder doch der Ratzinger-Schüler aus Wien? Seitdem Papst Benedikt XVI. seinen Rücktritt angekündigt hat, häufen sich Spekulationen über seine Nachfolge. Mögliche Kandidaten im Überblick.

Von Andrea Bachstein, Rom

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Vakantes Papstamt:Peter Turkson

Mögliche Papst-Nachfolger: Kardinal Peter Turkson

Quelle: dpa

Der angesehene Kardinal aus Ghana, der junge Erzbischof aus Brasilien oder doch der Ratzinger-Schüler aus Wien? Seitdem Papst Benedikt XVI. seinen Rücktritt angekündig hat, häufen sich Spekulationen über seine Nachfolge. Mögliche Kandidaten im Überblick.

"Afrika ist sicher ein wichtiger Kontinent für den katholischen Glauben, aber das ist zum Beispiel auch Asien", hat Peter Kodwo Appiah Turkson dieser Tage gesagt. Dass es an der Zeit wäre für einen Papst aus Afrika, wird auch vor diesem Konklave wieder spekuliert. Dann wäre Turkson, 64, der frühere Erzbischof von Cape Coast, der wohl aussichtsreichste Kandidat. Denn kein Kardinal seines Kontinents ist international - und vor allem in Rom - bekannter als der Präsident des Päpstlichen Rats für Gerechtigkeit und Frieden. Den Mann aus Ghana hat Benedikt im Oktober 2009 in sein jetziges Amt geholt, seitdem hat Turkson viel Ansehen gewinnen können - einiges davon aber wieder aufs Spiel gesetzt bei der Generalsversammlung der Bischofssynode im vergangenen Jahr in Rom. Da ließ Turkson den Bischöfen aus aller Welt einen Film vorführen, in dem drastisch als "Gefahr" beschworen wurde, dass in Europa bald die Muslime in der Mehrheit seien. Viele Bischöfe hielten das nicht für die angemessene Art der Auseinandersetzung mit dem Islam.

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Vakantes Papstamt:Odilo Scherer

Archbishop of Sao Paulo Dom Odilo Pedro Scherer leads Ash Wednesday mass at Se Cathedral in Sao Paulo

Quelle: REUTERS

Schon die schiere Macht der Zahlen gibt Odilo Scherer, dem Mann aus Brasilien, Gewicht. 137 Millionen Menschen zählt die katholische Landeskirche in seinem Heimatland. Und rund 80 Prozent der 500 Millionen Lateinamerikaner sind katholisch; somit stellt der Kontinent fast 42 Prozent der Katholiken weltweit. Seit dem Jahr 2007 ist Scherer, der in Rio Grande do Sul als Nachfahre deutscher Immigranten geboren wurde, Erzbischof einer der Mega-Metropolen der Welt: der Elf-Millionen-Stadt Sao Paolo. Er fungiert zudem als Vorsitzender der brasilianischen Bischofskonferenz. Dass ein Kardinal aus Südamerika Papst werden könnte und sollte, ist seit Jahrzehnten ein Thema in der katholischen Kirche. Dieses Mal sind viele Konklave-Teilnehmer, die von dem Kontinent stammen, sehr nahe an der Altersgrenze. Scherer ist mit 63 Jahren einer der Jüngsten, und er ist schon lange auch in Roms Kurie bestens eingeführt als Angehöriger von sechs Räten respektive Kongregationen. Sein Ruf in Rom ist, so weit man hören kann, untadelig.

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Vakantes Papstamt:Marc Ouellet

Mögliche Past-Nachfolger: Kardinal Marc Ouellet

Quelle: dpa

Der Name des Franco-Kanadiers Marc Ouellet macht seit einigen Jahren immer mehr die Runde. 2010 wurde der frühere Erzbischof von Quebec in der römischen Kurie Präfekt der Bischofskongregation. Das bringt mit sich, dass er mit Bischöfen auf allen Kontinenten in Kontakt steht, über die Situation der Kirche unterrichtet ist - und dass Kirchenleute weltweit ihn kennen. Weil Ouellet zugleich Präsident der päpstlichen Kommission für Lateinamerika ist, könnte er auch als Nordamerikaner im Konklave auf Stimmen aus Südamerika hoffen. Ouellet wäre wirklich ein Repräsentant der Weltkirche und hat mit 68 Jahren ein perfektes Alter. Die kritischen Aufgaben, die Benedikt ihm 2012 anvertraute, konnte Ouellet lösen: Er war es, der während der großen Missbrauchs-Konferenz an der päpstlichen Universität Gregoriana den viel beachteten Reue-Gottesdienst zelebrierte. Und in Irland, das von einem gewaltigen Missbrauchsskandal erschüttert war, vertrat er den Papst beim Eucharistischen Kongress und sprach auch mit Missbrauchsopfern.

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Vakantes Papstamt:Christoph Schönborn

Mögliche Papst-Nachfolger - Wiener Erzbischof Schönborn

Quelle: dpa

Im Grunde spricht gegen ihn nur, dass er aus globaler Sicht fast wieder ein deutscher Papst wäre. Der Wiener Erzbischof Christoph Schönborn bringt ansonsten nach Ansicht italienischer Vatikanspezialisten viel mit, das ihn qualifizieren könnte - mit 68 Jahren auch das passende Alter und große Erfahrung; seit 13 Jahren leitet er die Erzdiözese Wien. Den Benedikt-Treuen im Konklave dürfte gefallen, dass der österreichische Kardinal, der auch selbst als Professor Moraltheologie lehrte, ein Ratzinger-Schüler war - und geblieben ist. Er gilt als einer, der öffentlich gut auftreten kann. Er ist ein Garant dafür, dass das Thema der Missbrauchsbekämpfung einen hohen Stellenwert behält. Schönborn gehört drei Kongregationen und drei päpstlichen Räten an, darunter dem für Neu-Evangelisierung. Er gilt im Vatikan also als Mann, der Wege in die Zukunft zeigen kann. Lobend wird in Rom auch erwähnt, dass dieser Kardinal gekleidet wie ein einfacher Priester mit dem Zug am Bahnhof Termini ankam und seinen Rollkoffer selbst zum Taxi zog.

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Vakantes Papstamt:Angelo Scola

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Quelle: AFP

Ein Erzbischof von Mailand ist als Patriarch der mit fünf Millionen Katholiken zahlenmäßig größten Diözese der Welt fast per se "papabile". Angelo Scola ist seit Juni 2011 im Amt, und dass Benedikt ihn trotz seiner damals schon fast 70 Jahre ernannte, drückt die päpstliche Wertschätzung für ihn aus. Scola gehörte zu seinen Beratern, und es heißt, er sei ein Geistlicher, in dem Benedikt sich wiedererkenne. Aber auch die Mailänder haben ihren neuen Kardinal schnell schätzen gelernt. Scola ist als Theologe und Intellektueller profiliert - er war unter anderem Rektor der Lateranuniversität -, gilt zudem als einer, der sich lebensnah zu äußern weiß. "Jesus vermitteln unter allen Bedingungen des Menschseins" hat der Sohn eines Lkw-Fahrers aus der Lombardei als seinen Leitsatz formuliert. Eher konservativ, aber nicht reaktionär, steht er der großen Laienbewegung Comunione e Liberazione nah. Auf die Stimmen der italienischen Kardinal-Bischöfe kann Scola hoffen. International hat er sich einen Namen als Protagonist des Dialogs mit dem Islam gemacht.

© SZ vom 16. und 17.02.2013/feko
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