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Kampf gegen Ölpest im Golf von Mexiko:Ein Wal, der Öl frisst

340 Meter lang, zehn Stockwerke hoch: Im Golf von Mexiko ist der Supertanker "A Whale" im Einsatz. Doch noch weiß keiner, ob das weltgrößte Skimmer-Schiff wirklich hält, was sein Eigner verspricht.

Reymer Klüver

Nach dem Durchzug eines Hurrikans hat BP die Bemühungen zur Eindämmung der Ölpest wieder verstärkt: Nun wird geklotzt statt gekleckert. Jedenfalls versuchen sie es. Seit dem Wochenende ist ein Supertanker im Golf von Mexiko im Einsatz, um Öl in großem Stil aus dem Meer zu holen. A Whale, so heißt der umgebaute Tanker, soll bis zu 75 Millionen Liter ölverdrecktes Wasser pro Tag reinigen können. Der Haken an der Geschichte: Noch weiß keiner, ob das weltgrößte Skimmer-Schiff wirklich hält, was sein Eigner, eine Firma aus Taiwan, verspricht.

Ölpest - Supertanker soll Meerwasser reinigen

340 Meter lang und so hoch wie ein zehnstöckiges Haus: "A Whale" soll das Öl aus dem Wasser schlürfen.

(Foto: dpa)

A Whale werde durch den Ölteppich im Golf pflügen wie "ein Rasenmäher durch Gras", hatte Nobu Su, der Gründer von Taiwan Maritime Transport (TMT), vor ein paar Tagen getönt und die amerikanischen Behörden mit der Mitteilung überrascht, dass er sein Riesenschiff bereits in den Golf beordert habe. Die Behörden wussten bis dahin offenkundig gar nichts von der Existenz des 340 Meter langen und zehn Stockwerke hohen Giganten. Su hatte den Tanker in den vergangenen Wochen auf einer Werft in Portugal eilends zum Super- Skimmer umbauen lassen, als klar wurde, dass BP das defekte Bohrloch im Golf so schnell nicht wird stopfen können.

Im Prinzip funktioniert alles ganz einfach: Das Schiff nimmt Wasser durch zwölf eigens installierte Ansaugstutzen in seinem Rumpf auf. In den Tanks im Inneren werden Wasser und Öl getrennt. Anschließend wird das gereinigte Wasser wieder ins Meer zurückgepumpt. A Whale - auf Deutsch: Ein Wal - heißt der schwimmende Gigant natürlich nicht zufällig. Wale nehmen Wasser auf und drücken es durch die borstenähnlichen Barten in ihrem Maul wieder hinaus; dabei filtern sie das Futter heraus. Soweit die Theorie.

Ob das alles indes in der Praxis auch so klappt, muss sich erst noch zeigen. Die US-Küstenwache beorderte das Tankschiff am Wochenende in die Gewässer über dem Bohrloch - dorthin, wo die Ölsuppe am dicksten ist. Seit Samstag wird nun getestet, ob das Schiff tatsächlich die versprochene Kapazität hat. Die US-Umweltbehörde EPA prüft zudem die Qualität des gereinigten Wassers. TMT hat zugesichert, das Öl bis auf minimale Reste herausfiltern zu können.

Und dann ist da noch eine Kleinigkeit zu klären. TMT hat die Anwaltskanzlei des früheren New Yorker Bürgermeisters Rudy Giuliani mit der Vertretung ihrer Interessen in den USA beauftragt. Deren Sprecher hat schon vor der Testfahrt am Wochenende die Küstenwache wissen lassen, dass TMT keine gemeinnützige Organisation, sondern ein profitorientiertes Unternehmen sei: "Herr Nobu hat das Schiff um die halbe Welt geschickt und es auf eigene Kosten umbauen lassen", sagte Frank Maisano dem vielgelesenen Weblog Huffington Post. "Ich bin mir sicher, dass er zumindest seine Unkosten wieder heraushaben will."

© SZ vom 05.07.2010/segi
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