Italien:Erdbeben erschüttern Mittelitalien

  • Mittelitalien wurde erneut von zwei Erdbeben heimgesucht.
  • Das Zentrum der Erdstöße, die bis in die Hauptstadt Rom zu spüren waren, lag in einem Dorf in der Region Marken.
  • Mehrere Menschen seien verletzt, teilte der Zivilschutz mit. Schwere Verletzungen seien aber nicht bekannt.
  • Noch vor Tagesanbruch gab es zwei kleinere Nachbeben mit einer Stärke von mehr als 4,0.

Von Oliver Meiler, Rom

Zwei Monate nach dem verheerenden Unglück von Amatrice, Accumoli und Arquata del Tronto hat am Mittwochabend in Italien erneut die Erde gebebt. Kurz nach 19 Uhr kam es zu so starken Beben, dass man das Zittern in einem Umkreis von 200 Kilometern spüren konnte. So auch in Rom, wo viele Menschen aus Sorge ihre Häuser verließen.

Nach offiziellen Angaben starb ein Mann, weil er wohl infolge der Beben einen Herzinfarkt erlitten hatte. Mehrere Dutzend Menschen seien mit leichten Verletzungen oder Schocksymptomen behandelt worden, teilte der Zivilschutz in der Nacht mit. Das italienische Vulkanologiezentrum meldete, dass es am Morgen zwei kleinere Nachbeben mit einer Stärke von mehr als 4,0 registriert habe. Deren Zentrum habe nahe der Stadt Macerata in der Region Marken gelegen. Dutzende weitere Erdstöße mit einer geringeren Stärke seien in der Nacht gemessen worden.

Die Geräte des Nationalen Instituts für Geophysik und Vulkanologie maßen beim ersten Beben eine Stärke von 5,4, beim zweiten 5,9. Die Experten des Instituts gehen davon aus, dass es sich um Nachbeben handelte, wenn auch um besonders starke. Das Phänomen der Schwarmbeben könne noch mehrere Monate andauern.

Stromzufuhr unterbrochen

Das Epizentrum des ersten Bebens lag unter Castelsantangelo sul Nera. Das ist ein kleines Dorf in den Marken mit nur 320 Einwohnern, nur einige Dutzend Kilometer entfernt von den Ortschaften, die am 24. August getroffen worden waren.

Der Bürgermeister der Gemeinde, Mauro Falcucci, erzählte Journalisten, dass der Erdstoß die Stromzufuhr unterbrochen habe. Er ging von einzelnen eingestürzten Häusern aus.

Aus dem etwas größeren Ort Visso zeigten die Fernsehsender den Platz einer Kirche, auf dem Trümmer lagen. Die Kirche selbst stand noch. Wie groß das Ausmaß der Schäden in Mittelitalien insgesamt ist, sei noch unklar.

Bürgermeister: "Eine apokalyptische Situation"

In der italienischen Gemeinde Ussita, nahe dem Zentrum des starken zweiten Bebens, herrscht nach Aussage des Bürgermeisters eine Weltuntergangsstimmung. "Die Gegend um unseren Ort ist erledigt. Es ist eine apokalyptische Situation", sagte Marco Rinaldi dem Fernsehsender Sky TG24.

Es sei das stärkste Beben gewesen, das er jemals erlebt habe. "Es gibt keinen Strom mehr. Es gibt sicher Einstürze, das ist wirklich hart", sagte der Bürgermeister des 300-Einwohner-Dorfes Castelsantangelo sul Nera, Mauro Falcucci.

Auch in Amatrice und Arquata war das Beben dermaßen stark, dass einige bereits beschädigte Häuser zusätzlich zerstört wurden. Getroffen wurden Gebäude in der sogenannten "Zona rossa", die seit dem Hauptbeben größtenteils evakuiert ist.

Premierminister kehrt zum Regierungssitz zurück

Viele Bewohner der getroffenen Dörfer haben mittlerweile die Zeltlager verlassen, die nach dem Beben erstellt worden waren, und wohnen nun bei Verwandten oder in Hotels und Wohnungen, die ihnen der italienische Staat zur Verfügung stellt. In einigen Monaten sollen die Fertighäuser stehen, die für die Zeit des Wiederaufbaus als Unterkünfte dienen werden.

Premierminister Matteo Renzi kehrte zum Regierungssitz zurück: Er war in einer TV-Talkshow erwartet worden. Auf den Nachrichtensendern wurden Ratschläge des Roten Kreuzes eingeblendet, wie man sich im Falle von Erdbeben verhalten solle. Aus Vorsicht wurden Straßen in der Region des Bebens gesperrt, nachdem auf der SS 4/Via Salaria Steinquader auf die Fahrspur gefallen waren.

© SZ.de/fie
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