Instagram Mr. Pokees Ende

Mr. Pokee, der Weißbauchigel, unterhielt vier Jahre lang seine Fans auf Instagram.

(Foto: Instagram)
  • Mit dem Tod eines bekannten Social-Media-Haustiers bricht für die Besitzer ein Geschäft ein.
  • Als Geldquelle kann ein erfolgreicher Account aber noch weiter dienen: zum Beispiel durch einen Verkauf.
Von Regina Steffens

Viereinhalb Wochen ist der stachelige Influencer nun tot. Mit geschlossenen Augen lag er da, eingehüllt in eine Wollmütze. Mr. Pokee, der Weißbauchigel, der durch die clevere Inszenierung einer Studentin in den vergangenen Jahren zum Instagram-Phänomen geworden war, starb an den Folgen einer Zahn-OP. Auf seinen Stacheln steckte eine rote Blume. "Mein Herz ist gebrochen", schrieb Talitha Girnus, Pokees Besitzerin, in der Abschieds-Story auf Instagram.

Über eine Million Menschen hatten jahrelang beobachtet, wie Pokee seine Beinchen in die Luft, und seinen Kopf aus Teetassen gestreckt hatte. Jetzt: weinende Smileys. "Ruhe in Frieden, kleiner Engel."

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Der Igel, als Haustier angeschafft, verdiente in dem sozialen Netzwerk Geld durch Werbung - ein Phänomen, das bisher eher von Menschen bekannt ist. Influencer werden von Firmen dafür bezahlt, dass sie ihren Followern Fotos mit gesponserten Produkten zeigen. Mr. Pokee bewies: Das können auch Tiere, die sogenannten "Petfluencer".

Mr. Pokees Besitzerin Talitha Girnus, 26, Studentin aus Wiesbaden, setzte das Tier geschickt in Szene. Sie legte Pokee unter den Weihnachtsbaum, eingebettet in bezahlte Schokoladenschachteln. Oder sie hielt ihn so vor sich, dass ihre Werbe-Armbanduhr nicht zu übersehen war. Zusätzlich verkaufte sie Fotokalender, Leinwanddrucke und Norwegerpullover mit Pokee-Aufdruck. Pokee hatte eine Fangemeinde von 1,3 Millionen Followern, damit gehörte er zu der oberen Liga der Influencer.

Hund tot, Geschäft tot

Wer es über die 150 000 Follower-Grenze schafft, könne mindestens 1500 Euro für ein Foto verlangen, sagt Benedikt Ess von der Plattform Reachbird. Ess und sein Team analysieren Daten von Influencern und Unternehmen und wissen: Je mehr Follower, desto mehr finanzieller Verhandlungsspielraum. Ein Business, das nach dem Tod des Tiers vorbei ist?

Bei der Amerikanerin Loni Edwards, 34, und ihrer Bulldogge Chloe war das 2017 so. "Chloe the Mini Frenchie" war mit 180 000 Instagram-Followern gut im Geschäft, bewarb Luxusbettwäsche oder ein Smartphone. Mit den Sponsoringfirmen habe es nach dem Tod nichts mehr zu besprechen gegeben, erzählt Edwards am Telefon. Dogge tot, Geldquelle weg.

Die New Yorkerin Loni Edwards betreut mit ihrer "Dog Agency" rund 160 Petfluencer.

(Foto: OH Privat)

Nach der Todesmeldung passierte ein Jahr lang gar nichts auf dem Account. Heute ist er eine digitale Gedenkstätte für den Hund. Fast alle Follower sind geblieben. Edwards nutzt die Erinnerungsfotos, um auf ihr Geschäft aufmerksam zu machen: ein Ratgeber-Blog für Haustierbesitzer. Mit ihrem Unternehmen "Dog Agency" organisiert sie außerdem Haustier-Messen und Kooperationen für 160 Petfluencer.

Eine Strategie, wie man mit dem Tod des Instagram-Tiers umgeht, hat sie nicht. Viele ihrer Kunden vermarkten neben dem Tier auch sich selbst und ihre Kinder oder andere Tiere. Stirbt ein Tier, läuft das Geschäft mit den bezahlten Postings, salopp gesagt, problemlos weiter. Ein Beispiel: die Hunde Boo und Buddy, die aussahen wie Kuscheltiere und vor allem in den USA sehr beliebt waren. Sie sind tot, leben aber auf Fotos bei Instagram weiter. Die Hundeeltern aus San Francisco bespielen den Account zusätzlich mit zwei neuen Hunden.

Und was ist mit dem Account von Mr. Pokee, dem Igel? Auf einem neu geposteten Foto erfährt man: Pokees Name ist jetzt auf Talitha Girnus' Handgelenkt tätowiert.

Geld verdienen könnte Pokees Besitzerin vielleicht noch immer: durch einen Verkauf des Accounts. Das käme auch schon mal bei menschlichen Influencern vor, wenn sie aus dem Beruf aussteigen wollten, erzählt Social-Media-Analyst Ess. Er schätzt den Verkaufswert eines so reichweitenstarken Accounts wie Mr. Pokee auf über 100 000 Euro.

Leicht werde man einen bekannten Account aber nicht los. Unternehmen, die sich neu auf Social Media platzieren wollten, könnten damit wenig anfangen - zu auffällig wäre die schlagartig hohe Followerzahl. Ein Kauf käme nur für größere Management-Agenturen in Frage, die bereits viele Accounts besitzen. "Die könnten mit einem anderen Tierchen ähnlich weitermachen und darüber ihre vielen anderen Accounts bewerben", sagt Ess.

Ob Mr. Pokee irgendwann auch mal das Schicksal droht, einfach ersetzt zu werden? Besitzerin Girnus hat erst mal einen von früheren Fotos schon bekannten Ersatz für Pokee mit auf ihre Reise nach Neuseeland genommen: Pokees Freund, den Stofftier-Igel.

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