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Hundeführerschein:"Vom Mops geht keine Gefahr aus"

Prozess gegen Hundezüchter

Wenig Faltenbildung? Dieser Mops entspricht zwar nicht allen Regeln des Mops-Klubs, einen Führerschein für ihn könnte man dennoch bald brauchen.

(Foto: Matthias Balk/dpa)

Die Landesregierung von Baden-Württemberg plant einen Hundeführerschein - auch für Halter bisher als harmlos geltender Tiere. Ein Gespräch mit einer Mops-Züchterin über die Bissigkeit von Schoßhunden.

Von Martin Zips

Bisher mussten in Baden-Württemberg nur Halter von sogenannten Kampfhunden Kenntnisse zur Führung von Tieren nachweisen. Nun haben sich Grüne und CDU in Stuttgart darauf verständigt, einen solchen "Sachkunde-Nachweis" künftig für Halter aller Hunderassen vorzuschreiben. Ein Gespräch mit Katja Ries-Scherf von der Mopszucht vom Mägdebrunnen in Wehr.

SZ: Frau Ries-Scherf, sind Sie jemals von einem Mops gebissen worden?

Ries-Scherf: Um Gottes willen: nein. Möpse sind sehr friedliebende Tiere. Vom Mops geht überhaupt keine Gefahr aus.

Der Mops ist eine 2000 Jahre alte Rasse. Ursprünglich, so heißt es, durfte nur der chinesische Kaiser mit ihm schmusen.

Noch nicht mal einen richtigen Jagdtrieb hat der Mops. Er ist ideal als Therapiehund für ältere Menschen, aber auch für Kinder.

Dennoch plant Ihre Landesregierung einen Hundeführerschein, der auch für Möpse und andere kleine Rassen gelten soll.

Ja, da jubeln die Hundeschulen. Denn die dürfen dann so ein Papier gegen Gebühr ausstellen.

Im Stuttgarter Koalitionsvertrag ist offenbar von einer zweiteiligen Prüfung die Rede. Theorie und Praxis.

Ehrlich gesagt: Beim Wort "Hundeschule" krieg ich Pickel. Es gibt sicher einige gute, aber im Grunde kann jeder, der will, so eine Schule aufmachen.

Katja Ries-Scherf, 61, aus dem südbadischen Wehr ist die Präsidentin des "Clubs für den Mops". Im geplanten Hundeführerschein für alle Rassen wittert sie eine Gefahr für den Mops. Zum Beispiel wegen der Terrier-Präsenz in den Hundeschulen.

(Foto: privat)

Geht vom Mops nicht doch irgendeine Gefahr aus?

Eher geht von der Hundeschule eine Gefahr aus. Denn dort könnte der Mops von einem Terrier gebissen werden.

Ah, von einem Terrier!

Es ist auch schon vorgekommen, dass eine viel größere Hunderasse einem kleinen Mops auf den Rücken getreten ist. Nein, nein. Ein Hundeführerschein für eine so friedvolle Rasse wie den Mops, das ist doch unsinnig. Da sind andere Dinge viel wichtiger.

Welche Dinge?

Strenge Zuchtkriterien. Wer heute noch röchelnde Möpse mit Glupschaugen züchtet, der hat den Knall nicht gehört. Einen Mops, wie ihn Loriot einst zeichnete, den züchten wir heute nicht mehr.

Wie schade.

Nein, das ist nicht schade. In unserem Klub züchten wir Möpse mit guter Atmung, einem schlanken Körper ohne übermäßige Faltenbildung und großen Nasenlöchern.

Haben Ihre Möpse auch einen Hals?

Ja, ein ausreichender Hals beim Mops ist uns ausgesprochen wichtig. Bei den Loriot-Möpsen saß der Kopf noch direkt am Körper. Aber mit einem kurzen Hals bekommt ein Mops nicht genügend Luft.

Werden die auch von Goethe, Ernst Jandl und Wilhelm Busch verehrten Möpse eigentlich immer teurer während der Pandemie?

Einen Mops für unter 2000 Euro, den finden Sie fast nicht mehr. Und trotzdem kaufen die Leute Hunde derzeit wie wahnsinnig. Weil ihnen im Home-Office offenbar langweilig ist.

Da wäre so ein Hundeführerschein doch gar nicht schlecht?

Für wen oder was denn bitte? Der Hundeschule kann ein Käufer doch alles Mögliche erzählen, damit er seinen Führerschein kriegt.

© SZ/nas
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