Grafiken zur Höhle in Thailand Warum die Rettung der Jugendlichen so gefährlich ist

Der Tod eines Tauchers zeigt, wie kompliziert die Rettung der zwölf Jugendlichen und ihres Trainers in dem weit verzweigten Höhlensystem werden könnte. Zumal starker Regen erwartet wird.

Von Anna Fischhaber, Melanie Raidl und Julia Kraus (Grafiken)

Seit 13 Tagen sitzen zwölf Jugendliche und ihr Trainer in einer Höhle in Thailand fest. 13 Tage, in denen sie nicht viel mehr tun können, als in der Dunkelheit auf ihre Rettung zu warten. Nach heftigem Regen waren die Ausgänge überschwemmt worden. Neun Tage dauerte es allein, bis Retter die Jugendlichen im Alter zwischen elf und 16 Jahren in der Tham-Luang-Höhle im Norden des Landes entdeckten. Inzwischen sind ein Arzt und Taucher bei den Jungen, auch Essen haben sie offenbar genug. Doch das heißt noch nicht, dass sie gerettet sind.

Neue Niederschläge könnten die Aktion erschweren. Bei den Rettungsarbeiten kam am Freitag zudem ein Taucher ums Leben. Grafiken veranschaulichen, wie schwierig die Rettung in dem verzweigten und wenig erforschten Höhlensystem werden könnte. Es erstreckt sich über mehr als zehn Kilometer im Norden der Provinz Chian Rai. Etwa 4,7 Kilometer sind es vom Höhleneingang bis zu der Kammer, in der die Jugendlichen festsitzen. An einigen Stellen ist die Höhle nur 40 Zentimeter hoch, an anderen sind es mehr als vier Meter.

Einige Streckenabschnitte könnten die Kinder schwimmen, auf vier größeren Passagen ist jedoch das Tauchen notwendig. Die Einsatzkräfte versuchen derzeit, so viel Flutwasser wie möglich aus der Höhle zu pumpen, um das Risiko zu verringern. Hunderte Pumpen hätten das Wasser in der Höhle in den vergangenen Tagen bereits um 40 Prozent reduziert, berichtet der Guardian. Somit sind die ersten eineinhalb Kilometer vom Haupteingang aus bereits freigemacht worden. Nun konzentrieren sich die Retter auf die dritte Kammer, die etwa 2,5 Kilometer vom Eingang entfernt ist.

Gary Mitchell vom British Cave Rescue Council teilte mit, dass die Kinder insgesamt etwa einen Kilometer tauchen müssten. Die Jungs sollen offenbar nicht selbst die Zwölf-Liter-Sauerstoffflaschen tragen, sondern werden von Profi-Tauchern begleitet, die ihnen auch die Luft bereitstellen. Etwa fünf Stunden würde der Weg in die Freiheit dauern. Die Jugendlichen üben derzeit mit erfahrenen Höhlentauchern und Thai Navy Seals, die Rettungsaktion ist jedoch sehr gefährlich. Wie gefährlich, zeigte am Freitag der Tod eines freiwilligen Helfers. Ein Ex-Soldat der Navy Seals ertrank bei dem Einsatz. Seine Aufgabe war es, Sauerstoff in die Höhle zu bringen. Auf dem Rückweg aus der Höhle hatte der 37-Jährige dann selbst nicht mehr genug Sauerstoff. Die genauen Todesumstände waren allerdings zunächst unklar. Möglich ist, dass seine Druckflasche beschädigt war oder ihm die Atemluft ausging.

Retter wollen nun Sauerstoff in die Höhle leiten, in der die Jugendfußballer und ihr Trainer eingeschlossen sind. "Unsere Hauptaufgabe heute ist es, ein Rohr in die Kammer zu legen, damit die Gruppe mehr Luft zum Atmen bekommt", sagte Armeegeneral Chalongchai Chaiyakam. Der Sauerstoffgehalt in der Kammer liege aktuell bei etwa 15 Prozent. Normalerweise beträgt der Sauerstoffgehalt in der Luft rund 20 Prozent. Wie lange die Eingeschlossenen noch ohne zusätzlichen Sauerstoff in der Höhle ausharren können, ließ der Armeegeneral offen. Auch sagte er nicht, wie lange die Einrichtung der Leitung dauern soll.

Klar ist nur: Die Rettung muss offenbar schneller gehen als zunächst angenommen: "Wir dachten zunächst, wir könnten die Kinder eine lange Zeit dort am Leben halten, wo sie jetzt sind", sagte Kommandeur Arpakorn Yookongkaew. "Doch jetzt haben sich viele Dinge geändert. Wir haben nur noch einen begrenzten Zeitraum." Er räumte damit offiziell ein, dass die Jungen nicht das Ende der Monsunzeit abwarten können. Da es in den vergangenen Tagen einige regenfreie Tage gab, hatten die Retter es leichter, Wasser abzupumpen.

Am Wochenende soll es aber wieder regnen. An den regenreichsten Tagen könnte die Niederschlagsmenge bis zu 52 Millimeter betragen. Dann wird auch das Wasser in der Grotte wieder steigen. Im Falle höherer Wasserpegel könnte es für die Jungen schwierig bis unmöglich werden, bestimmte Stellen in der Höhle zu passieren.

Als Alternative ziehen die Helfer eine Bohrung von der Oberfläche in Betracht. Derzeit wird nach dem geeignetsten Ort, über dem Bereich an dem sich die Kinder befinden, gesucht. Sie sitzen etwa einen Kilometer unter der Erde fest.

(Mit Material der Agenturen)

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