Hochzeit von George Clooney und Amal Alamuddin:Was sagen die Venezianer dazu?

Amal Alamuddin hat natürlich die schönsten Kleider, mit schwarz-weißen Streifen oder ganz in Rot. Am Ende sind es, mit den jeweiligen Eltern und Verwandten, vielleicht 120 oder 140 Menschen. Zusammen bilden sie, das erkennt man an ihrem Selbstbewusstsein, eine Großmacht: In dieser Gruppe befinden sich nicht nur die beliebtesten, sondern die auch am meisten bewunderten Menschen der Welt. Es hat schon etwas Befremdliches, dass es diese Menschen überhaupt gibt, und noch mehr, dass sie lachen und, wie vor allem George Clooney, lustig sein können.

Was die Venezianer dazu sagen? Wenig, denn es gibt nicht mehr viele von ihnen. Einer bemerkt, man habe jenes Restaurant gegenüber von "La Fenice" ganz vergessen. Früher sei es einmal ein Lokal für amerikanische Touristen gewesen. Ein anderer sagt, es hätte etwas mehr Sorgfalt bei der Auswahl des Wassertaxis für das Brautpaar walten können. Dieses heiße zwar "Amore", lasse aber das Tonnenheck vermissen, das die wirklich guten Boote auszeichne. Ein dritter meint bitter, es sei ja eigentlich ein Affront für Venedig, dass ausgerechnet Walter Veltroni, der ehemalige Bürgermeister von Rom, die Eheschließung abnehme. Aber Venedig hat gegenwärtig keinen Bürgermeister, nachdem Giorgio Orsoni im Sommer nach einer Korruptionsaffäre zurücktreten musste.

Dann gehen die letzten Venezianer leise grummelnd davon, während sich Venedig, eine sehr alte italienische Stadt, in eine Außenstelle von Hollywood verwandelt, mit europäisch gesonnenen Amerikanern, vielleicht sogar mit eigenen Vorbehalten gegen die Vereinigten Staaten - Amal Amaluddin ist als Anwältin Expertin für Verletzungen des Menschenrechts und hat für Julian Assange gearbeitet. Aber doch als Repräsentanz eines gelobten Landes, das eigentlich aus einem universalen Traum besteht. "Wie sieht das aus?", wird die Frage sein, die innerhalb der Hochzeitsgesellschaft am häufigsten gestellt wurde.

Der Saal brüllte

Tatsächlich geheiratet wurde dann auch, am Samstagabend um kurz nach acht Uhr, in einer privaten Zeremonie im Palazzo Papadopoli am Canal Grande. Zum Einzug spielte ein italienisches Trio "Io che amo solo te", einen herzerweichenden Schlager aus den Sechzigerjahren. Die Eheschließung wurde unter einem Kranz von Tausenden weißer Rosen besiegelt. Nach dem "Ja" soll der ganze Saal in dröhnendes Gebrüll ausgebrochen sein.

Das Ereignis war etwas überraschend gekommen, denn eigentlich hatte man, einiger Absperrungen am Rathaus wegen, mit der Zeremonie erst für Montag gerechnet. Doch das war eine kleine Finte, und am Montag werden dort nur die Urkunden unterschrieben.

Vor ein paar Jahren wurde der Palazzo Papadopoli, ein Bau aus dem sechzehnten Jahrhundert, restauriert. Seitdem residiert das Hotel Aman darin, das mit deutlichem Abstand beste Hotel der Stadt. Dort schliefen Amal Alamuddin und George Clooney die erste Nacht als Eheleute, unter einem Deckenfresko, das Giambattista Tiepolo um die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts malte. Wer wissen will, wie es dort aussieht, findet nicht nur Hotel und Zimmer leicht im Internet, sondern auch den Preis: Es kostet gegenwärtig 3650 Euro für eine Nacht. So öffentlich ist diese Hochzeit.

© SZ vom 29.09.2014/mkoh
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