Süddeutsche Zeitung

Hochzeit von George Clooney und Amal Alamuddin:Ein Wassertaxi namens "Amore"

Venedig als Außenposten von Hollywood: Die Hochzeit von George Clooney und Amal Alamuddin wurde beinahe so öffentlich inszeniert, als handele es sich um ein königliches Paar. Was sagen eigentlich die Venezianer dazu?

Von Thomas Steinfeld, Venedig

Diese Hochzeit trägt ein Logo. Es ziert die kleinen dreieckigen Wimpel, die an den vielleicht dreißig Wassertaxis flattern, die für die Hochzeit von Amal Alamuddin und George Clooney in Venedig gemietet wurden. Es prangt auf der großen weißen Hutschachtel, die Amal Alamuddin bei ihrer Ankunft in Venedig trug, über der Zeile "Venezia 2014". Es dürfte der Hochzeitsgesellschaft bei jeder Gelegenheit gegenwärtig sein: das zart geschwungene, ornamental ausholende "A", das sich an ein großes, rundes und sehr sachliches "G" schmiegt. Das Logo gehört in die Welt der Markenartikel. Dass eine Hochzeit unter einem solchen Zeichen arrangiert wird, wie ein Corporate Event, ist etwas Neues. Aber es passt zu dieser Hochzeit, die beinahe so öffentlich inszeniert wird, als handele es sich dabei um die Eheschließung eines königlichen Paares.

Das war so von dem Augenblick an, als das Brautpaar am vergangenen Freitag in Venedig einzog und den prominentesten Weg nahm, auf dem man in die Stadt hineinkommen kann: mit einem Wassertaxi durch den Canal Grande. Oben, auf der Rialtobrücke und dem Ponte dell'Accademia standen die Touristen in dichten Trauben und riefen begeistert "George, George", unten zog die kleine Flotte mit einer winkenden Hochzeitgesellschaft vorbei, umkreist von vielleicht zwanzig kleineren Booten, auf denen frenetisch fotografierende Journalisten standen. Das war so am Freitagabend, als George Clooney sich mit seinen engsten Freunden in ein kleines Restaurant gegenüber dem Opernhaus "La Fenice" zurückzog.

Was sie aßen? Es ist bekannt: Heuschreckenkrebse, Kürbisblüten, Taschenkrebse, Feigen, Garnelen, Risotto mit Pilzen, Pasta mit Trüffeln - eine Knolle von 450 Gramm Gewicht sei gründlich beschnuppert worden, berichtete der Wirt der Lokalpresse. Ferner ging dahin: eine Magnumflasche Sassicaia, einer der teuersten italienischen Weine. Niemand aus der Hochzeitsgesellschaft, und schon gar kein Kellner, Wirt, Bootsführer oder Kofferträger durfte fotografieren. Aber Kameras waren selbstverständlich dabei, gehalten von den Angestellten von Clooneys eigener Produktionsgesellschaft. Die Bilder sind angeblich an die amerikanische Vogue verkauft, der Erlös wird gespendet.

In Venedig ist Spätsommer. Es wird nicht mehr heiß, aber man kann abends noch knapp im Freien sitzen. Die Sonne scheint, aber ihr Licht ist milchig. Venedig ist eine öffentliche Stadt, denn alle bequemen Wege führen über das Wasser. Und so konnte man einziehen sehen: die Freunde, von Rande Gerber und Cindy Crawford bis Matt Damon und Luciana Barroso, von Bill Murray bis Ellen Barkin, von Bono bis Anna Wintour, die Chefredakteurin der amerikanischen Ausgabe der Zeitschrift Vogue. Nur Angelina Jolie und Brad Pitt wurden nicht gesichtet.

Eine Hochzeitsgesellschaft als Großmacht: die 140 am meisten bewunderten Menschen der Welt

Die Gäste stehen, meist paarweise, in Wassertaxis, sehen auch als ältere Menschen beeindruckend gut aus und sind sehr, sehr teuer gekleidet, mit Ausnahme von Steve Lukather, dem Gitarristen der amerikanischen Rockband Toto, der herbeischlurft, als wäre er ein vergessenes Kapitel aus dem Hinterhof des Rock 'n' Roll. Überhaupt scheinen in der Musik die größten Unsicherheiten zu herrschen: Lana del Rey mag ja noch angehen. Aber Bono? Und Andrea Bocelli?

Was sagen die Venezianer dazu?

Amal Alamuddin hat natürlich die schönsten Kleider, mit schwarz-weißen Streifen oder ganz in Rot. Am Ende sind es, mit den jeweiligen Eltern und Verwandten, vielleicht 120 oder 140 Menschen. Zusammen bilden sie, das erkennt man an ihrem Selbstbewusstsein, eine Großmacht: In dieser Gruppe befinden sich nicht nur die beliebtesten, sondern die auch am meisten bewunderten Menschen der Welt. Es hat schon etwas Befremdliches, dass es diese Menschen überhaupt gibt, und noch mehr, dass sie lachen und, wie vor allem George Clooney, lustig sein können.

Was die Venezianer dazu sagen? Wenig, denn es gibt nicht mehr viele von ihnen. Einer bemerkt, man habe jenes Restaurant gegenüber von "La Fenice" ganz vergessen. Früher sei es einmal ein Lokal für amerikanische Touristen gewesen. Ein anderer sagt, es hätte etwas mehr Sorgfalt bei der Auswahl des Wassertaxis für das Brautpaar walten können. Dieses heiße zwar "Amore", lasse aber das Tonnenheck vermissen, das die wirklich guten Boote auszeichne. Ein dritter meint bitter, es sei ja eigentlich ein Affront für Venedig, dass ausgerechnet Walter Veltroni, der ehemalige Bürgermeister von Rom, die Eheschließung abnehme. Aber Venedig hat gegenwärtig keinen Bürgermeister, nachdem Giorgio Orsoni im Sommer nach einer Korruptionsaffäre zurücktreten musste.

Dann gehen die letzten Venezianer leise grummelnd davon, während sich Venedig, eine sehr alte italienische Stadt, in eine Außenstelle von Hollywood verwandelt, mit europäisch gesonnenen Amerikanern, vielleicht sogar mit eigenen Vorbehalten gegen die Vereinigten Staaten - Amal Amaluddin ist als Anwältin Expertin für Verletzungen des Menschenrechts und hat für Julian Assange gearbeitet. Aber doch als Repräsentanz eines gelobten Landes, das eigentlich aus einem universalen Traum besteht. "Wie sieht das aus?", wird die Frage sein, die innerhalb der Hochzeitsgesellschaft am häufigsten gestellt wurde.

Der Saal brüllte

Tatsächlich geheiratet wurde dann auch, am Samstagabend um kurz nach acht Uhr, in einer privaten Zeremonie im Palazzo Papadopoli am Canal Grande. Zum Einzug spielte ein italienisches Trio "Io che amo solo te", einen herzerweichenden Schlager aus den Sechzigerjahren. Die Eheschließung wurde unter einem Kranz von Tausenden weißer Rosen besiegelt. Nach dem "Ja" soll der ganze Saal in dröhnendes Gebrüll ausgebrochen sein.

Das Ereignis war etwas überraschend gekommen, denn eigentlich hatte man, einiger Absperrungen am Rathaus wegen, mit der Zeremonie erst für Montag gerechnet. Doch das war eine kleine Finte, und am Montag werden dort nur die Urkunden unterschrieben.

Vor ein paar Jahren wurde der Palazzo Papadopoli, ein Bau aus dem sechzehnten Jahrhundert, restauriert. Seitdem residiert das Hotel Aman darin, das mit deutlichem Abstand beste Hotel der Stadt. Dort schliefen Amal Alamuddin und George Clooney die erste Nacht als Eheleute, unter einem Deckenfresko, das Giambattista Tiepolo um die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts malte. Wer wissen will, wie es dort aussieht, findet nicht nur Hotel und Zimmer leicht im Internet, sondern auch den Preis: Es kostet gegenwärtig 3650 Euro für eine Nacht. So öffentlich ist diese Hochzeit.

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Quelle:
SZ vom 29.09.2014/mkoh
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