bedeckt München 27°

Hochwasser in Deutschland:Magdeburg bringt 23.000 Einwohner in Sicherheit

Magdeburg Hochwasser

Freiwillige Helfer schichten in Magdeburg Sandsäcke auf: Besonders die östlichen Stadtteile sind vom Rekordhochwasser bedroht.

(Foto: Getty Images)

Das Rekordhochwasser der Elbe trifft Magdeburg stärker als erwartet. Mehrere Stadtteile im Norden und Osten mussten geräumt werden. Auch die Stromversorgung ist bedroht. Der Druck auf die Deiche wird immer größer.

Das Hochwasser der Elbe hat Magdeburg noch wesentlich stärker getroffen als befürchtet und überflutete allmählich Teile der Stadt. Die Pegel stiegen am Sonntag auf historische Rekordstände. Die Bundeswehr versuchte mit 700 Soldaten, das Umspannwerk im Stadtteil Rothensee und damit die Stromversorgung in Betrieb zu halten. Rund 23.000 Bewohner in östlichen Stadtteilen wurden am Sonntagnachmittag aufgefordert, vorsorglich ihre Wohnungen zu verlassen. Betroffen sind rund zehn Prozent der Bevölkerung Magdeburgs.

Am Sonntag lag der Pegelstand an der Strombrücke in der Innenstadt von Magdeburg bei rund 7,45 Meter. Das sind 25 Zentimeter mehr als erwartet und rund 70 Zentimeter höher als beim Jahrhunderthochwasser 2002. Experten gingen von einem weiteren Anstieg um fünf bis zehn Zentimeter bis zum Abend aus.

Der Stadtteil Rothensee war zuvor bereits wegen des eindringenden Wassers geräumt worden. Davon waren 3000 Bewohner betroffen. Die Bundeswehr brachte einige Menschen noch mit Transportpanzern in Sicherheit und errichtete rund um das Umspannwerk einen Deich. Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) bat die Bürger, den Aufforderungen zur Räumung von einzelnen Stadtteilen Folge zu leisten. "Wir müssen auf alles gefasst sein", schrieb er in einem offenen Brief. Auch der Stadtteil Werder, der auf einer Insel in der Elbe liegt, war schwer von dem Hochwasser getroffen. Die Pumpen liefen dort auf Hochtouren.

In den Stadtteilen im Osten der Stadt hofften die Menschen, dass Deiche an einem Umflutungskanal halten und das Hochwasser nicht über die Kanalisation eindringt. Die Stadt richtete Notquartiere ein, zahlreiche Straßen waren gesperrt, Straßenbahnlinien eingestellt.

Am Sonntagnachmittag drohten Unbekannte zudem Anschläge auf Deiche an. Der Krisenstab der Landesregierung in Sachsen-Anhalt bestätigte die Existenz entsprechender Schreiben. Darin werde angekündigt, Dämme und Deiche in Sachsen-Anhalt mit dem Ziel beschädigen zu wollen, bundesweit Menschen zu schaden. "Wir nehmen das in der jetzigen Situation ernst", sagte Landesinnenminister Holger Stahlknecht im MDR. Die Deiche würden aus der Luft und am Boden stärker überwacht. Die Drohung stammt demnach von einer Gruppe, die sich "Germanophobe Flutbrigade" nennt.

Flut rollt in Richtung Norden

Die gewaltige Flutwelle rollt nun auf Brandenburg und Norddeutschland zu. An mehreren Orten entlang der Elbe in Niedersachsen bereiten sich die Einsatzkräfte auf die für Dienstag und Mittwoch erwarteten Rekordwasserstände vor, nachdem die Wassermassen in der Nacht stärker zugenommen hatten als erwartet. Zur Entlastung der Hochwasserregion rund um Wittenberge in Nordbrandenburg werden Polder an der Havel geflutet. Stück für Stück werden die Wehre ähnlich wie Garagentore heruntergelassen, dadurch fließe das Wasser der höher liegenden Elbe in die Havel, erläuterte Kurt Augustin, Abteilungsleiter Wasser beim Landesumweltministerium. Die Flächen liegen etwa 30 Kilometer vor Wittenberge bei Neuwerben.

In Lauenburg an der Elbe haben die Bewohner der hochwassergefährdeten Unterstadt ihre Häuser verlassen. Einsatzteams aus Polizei, Deutschem Roten Kreuz (DRK) und Seelsorgern gingen von Haus zu Haus, um Hilfe anzubieten. Ältere oder gehbehinderte Bürger wurden mit Pendelbussen zu einer Sporthalle gebracht. Von den gut 400 betroffenen Bewohnern hätten viele jedoch den gefährdeten Bereich bereits verlassen, sagte der für die Evakuierung zuständige Abschnittsleiter des DRK, Stefan Behrens. Der Krisenstab hatte am Sonnabend beschlossen, die Menschen in Sicherheit zu bringen.