HitzesommerEin Sommer wie dieser

Schwedens höchster Berg schrumpft zusammen, und in Spanien spenden sich Schafe ihren eigenen Schatten. SZ-Autoren erzählen kuriose und traurige Hitzegeschichten aus Europa.

Nättraby/Schweden

Nie war ein Juli in Schweden so heiß wie dieser. Jedenfalls nicht in den 260 Jahren, seit denen schwedische Temperaturen aufgezeichnet werden. Riesige Waldflächen brannten ab. Zugschienen verbogen sich in der Hitze. Der Gletscher auf Schwedens höchstem Gipfel ist so schnell geschmolzen, dass er nun nicht mehr Schwedens höchster Gipfel ist. Und im ganzen Land, so scheint es, sind alle Ventilatoren ausverkauft. Im ganzen Land? Nein. Im kleinen Ort Nättraby stolperte ein findiger Tankstellenbesitzer über ein letztes, verstaubtes Exemplar. Jahrelang war der kleine weiße Tischventilator ein Ladenhüter gewesen. Selbst zum halben Preis - für sieben Euro - wollte ihn niemand haben. Schwedens Rekordsommer machte ihn nun zum Luxusgut. Der Tankstellenbesitzer versteigerte ihn aus Jux öffentlichkeitswirksam als letzten Ventilator Schwedens. Er bekam 145 Euro dafür. Hat er für einen guten Zweck gespendet.

(Silke Bigalke)

Bild: Marc Herold 12. August 2018, 13:152018-08-12 13:15:19 © SZ.de/saul