Hitler-Leibwächter Misch gestorben Der letzte Augenzeuge

Er bewachte Adolf Hitler fünf Jahre lang und blieb bis zum Suizid des Tyrannen bei ihm im Führerbunker. Nun ist Rochus Misch gestorben. Bis ins hohe Alter gab sich der ehemalige SS-Mann redefreudig - und zeigte Mitleid mit dem Diktator.

Von Oliver Das Gupta

Rochus Misch im Jahre 2006

(Foto: dpa)

Rochus Misch, der ehemalige Leibwächter von Adolf Hitler, ist tot. Der frühere SS-Oberscharführer war der wohl letzte lebende Zeuge von Hitlers Suizid am 30. April 1945 im Berliner "Führerbunker". Dort arbeitete der gebürtige Schlesier auch als Telefonist.

Misch war nach dem Kriegsende von den Sowjets aufgegriffen und identifiziert worden. Sie vermuteten, dass Hitler den Krieg überlebt habe und untergetaucht sei. Deshalb folterten sie Misch in der Moskauer Geheimdienstzentrale Lubjanka, in der Hoffnung, mehr Informationen über Hitlers Verbleib herauszufinden. Misch ist wohl einer der wenigen Gefangenen, der die Lubjanka lebend verlassen hat.

Verheiratet mit SPD-Politikerin

Nach acht Jahren in Gefangenschaft kehrte Misch Mitte der fünfziger Jahre nach Berlin zurück und arbeitete als Maler. Seine vor ihm verstorbene Frau war SPD-Abgeordnete im Westberliner Abgeordnetenhaus. Offensichtlich hatte sie jüdische Wurzeln.

Rochus Misch behauptete, dass die Berliner SPD von seiner Vergangenheit gewusst habe, auch der frühere Regierende Bürgermeister Willy Brandt. Über seine fünf Jahre an Hitlers Seite veröffentlichte Misch im Jahr 2009 das Buch "Der letzte Zeuge".

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Bereits im April 2005 hatte er in einem SZ.de-Interview ausführlich über die letzten Tage des Diktators berichtet. (Hier die Links zum ersten Teil und dem zweiten Teil des Gesprächs.)

Misch erklärte damals, er habe sich zur Waffen-SS nur deshalb gemeldet, weil er hoffte, nach zwei Jahren Beamter zu werden. Sein Ziel sei gewesen, Zugbegleiter bei der Reichsbahn zu werden. Misch betonte, niemals Mitglied in der NSDAP gewesen zu sein. Klar distanziert vom Nationalsozialismus hat er sich nicht. Hitler beschrieb er als freundlich. Zuletzt habe er Mitleid mit dem Diktator gehabt, sagte Misch und nannte Hitler eine "arme Kreatur".

Die einzige Tochter brach den Kontakt ab

Die Eheleute Misch hatten eine Tochter, die einen Israeli geheiratet hat. "Sie hat leider den Kontakt abgebrochen", berichtete Misch 2005. Warum sie das tat, hat der Vater nie verstanden.

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Misch soll am Donnerstag an den Folgen eines Herzinfarkts gestorben sein. Er wurde 96 Jahre alt.