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Herausforderungen für den neuen Papst:Die Macht der Kirche wird schwinden

Glaube und Moderne: Auf der Bischofssynode in Rom im vergangenen Oktober berichteten viele Bischöfe von zunehmender Säkularisierung und Individualisierung in den Gesellschaften ihrer Heimatländer. Im Vatikan hatte man bislang gerne die These vertreten, dies sei ein Minderheitenproblem der Westeuropäer. Die Macht der Kirche als Institution, die sagt, wo es lang geht, wird schwinden. Es wird zunehmend darauf ankommen, was sie an Gedanken, Hoffnungen, glaubwürdigen Personen anzubieten hat. Sie wird ihre Positionen zum Anfang und Ende des Lebens, zur Stammzellforschung und zur Sterbehilfe immer wieder neu begründen und bestimmen müssen. Sie wird immer wieder klären müssen, wie viel Distanz zu den Entwicklungen der Moderne und wie viel Anpassung notwendig ist. Papst Benedikt XVI. war hier Skeptiker und manchmal auch Pessimist: Er forderte 2011 in Freiburg von der Kirche "Entweltlichung".

Neuer Papst gewählt

So jubelt Rom

Ökumene: Die Zeit der spektakulären Fortschritte ist vorbei, das dürfte sich auch unter Franziskus nicht ändern. Katholiken und Protestanten trennt vor allem das unterschiedliche Kirchenverständnis, und solange das so ist, kann es für die katholische Kirche kein gemeinsames Abendmahl geben. Trotzdem müssen die Konfessionen verstärkt zusammenarbeiten, wollen sie mit ihren gemeinsamen Anliegen gehört werden - den Stand des Erreichten wird ein neuer Papst deshalb wohl auch nicht antasten. Es wird sehr darauf ankommen, welche Worte er für den Stillstand findet, zum Beispiel zum Reformationsjubiläum 2017. Bewegung könnte in die Gespräche der katholischen zur orthodoxen Kirche kommen. Benedikt XVI. hatte zu Beginn seines Pontifikats Hoffnungen bei orthodoxen Kirchenvertretern geweckt, inzwischen aber sind die gegenseitigen Enttäuschungen groß.

Andere Religionen: Johannes Paul II. legte großen Wert auf den interreligiösen Dialog, nicht immer zur Freude der Kurie. Benedikt XVI. hat mit der Regensburger Rede 2006 die Muslime verärgert - und mit der Aufhebung der Exkommunikation für den Traditionalistenbischof Richard Williamson 2009 auch die Juden. Sein Nachfolger wird die Worte wägen müssen. Viele Konflikte der Welt sind religiös aufgeladen, ob im Nahen Osten oder in der Auseinandersetzung der westlich-christlichen Welt mit dem islamistischen Terror.

Piusbrüder: Die Frage, ob die katholische Kirche den Traditionalisten, die Teile des Zweiten Vatikanischen Konzils ablehnen, einen Platz bieten soll, spielte bei den Kardinälen praktisch keine Rolle. Es war ein großer Wunsch von Papst Benedikt, die endgültige Trennung der Priesterbruderschaft Pius X. von der Kirche zu verhindern. Franziskus muss entscheiden, ob weiterhin das Angebot besteht, dass die Piusbrüder einen verhältnismäßig eigenständigen Platz in der Kirche bekommen, wenn sie sich im Gegenzug den wichtigen Beschlüssen des Konzils verpflichten.

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