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Gefährlicher Keim in Bremer Klinik:Möglicherweise sechs tote Frühchen

Von drei Todesfällen war bislang die Rede - doch nach jüngsten Erkenntnissen könnten dem gefährlichen Keim in der Bremer Kinderklinik drei weitere Säuglinge zum Opfer gefallen sein. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft konzentrieren sich inzwischen auf den entlassenen Chef des Krankenhauses.

Drei Fälle waren bisher bekannt, doch möglicherweise sind an dem gefährlichen Erreger in der Bremer Kinderklinik insgesamt sechs Frühchen gestorben. "Es gibt Hinweise auf weitere an dem Keim verstorbene Kinder", sagte Staatsanwaltschaftssprecher Frank Passade. Ein Fall stamme aus dem vergangenen Jahr.

Bislang hatte die Justiz nur wegen drei toter Frühchen ermittelt - gegen unbekannt. Nun ist jedoch der frühere Chefarzt der Kinderklinik in den Fokus der Staatsanwaltschaft gerückt. Die Vorwürfe lauten auf sechsfache fahrlässige Tötung sowie fahrlässige Körperverletzung in einer unbekannten Anzahl von Fällen. Passade schloss nicht aus, dass gegen weitere Verantwortliche ermittelt wird.

Der Anfangsverdacht hat sich einem Bericht von Radio Bremen zufolge durch die Auswertung von beschlagnahmten Unterlagen ergeben. Demnach durchsuchten Ermittler am Vormittag das Büro des früheren Chefarztes auf dem Klinikgelände und beschlagnahmten umfangreiches Aktenmaterial.

Der Sender berichtet mit Verweis auf eine Klinik-internen E-Mail weiter, der Verdächtige habe sich Anfang September dagegen ausgesprochen, das Bremer Gesundheitsamt über die Keime zu informieren.

Der Chefarzt war nach seinem schon erfolgten Rücktritt von seinem Posten Mitte November entlassen worden. Er war für die Hygiene in der Klinik verantwortlich und hat nach Meinung des Betreibers Klinikverbund Nord das Problem nicht rechtzeitig erkannt.

Hygiene-Experten aus Freiburg haben damit begonnen, in der Klinik zu ermitteln. Ein Untersuchungsausschuss der Bremischen Bürgerschaft beschäftigt sich ebenfalls mit den fatalen Infektionen. Die Suche nach der exakten Herkunft des Keims schätzt der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin, Egbert Herting, allerdings als sehr schwierig ein. "Die Chance, die Quelle zu finden, liegt bei unter 50 Prozent", sagte Herting.

Seit April hatten sich immer wieder frühgeborene Babys auf der Frühchen-Intensivstation des Klinikums Bremen-Mitte mit dem Darmkeim Klebsiella pneumoniae infiziert, den allerdings viele Menschen in sich tragen. Bei 23 Babys wurde der multiresistente Erreger festgestellt, neun von ihnen erkrankten daran. Das Gesundheitsamt und die Gesundheitssenatorin erfuhren erst im September und Anfang November von den Vorfällen.