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Nach Frühchen-Tod in Bremen:Chefarzt von Kinderklinik entlassen

Drei Babys im Bremer Klinikum-Mitte starben bereits an Infektionen, mehrere Frühchen sind erkrankt. Jetzt wurde der Chef der Kinderklinik fristlos entlassen - er war für die Hygiene in dem Krankenhaus verantwortlich. Ihm werden schwere Versäumnisse vorgeworfen.

Nach dem Tod von drei frühgeborenen Babys im Bremer Klinikum-Mitte ist der Chefarzt der betroffenen Kinderklinik, Hans-Iko Huppertz, entlassen worden. Das bestätigte die Sprecherin des Klinikverbundes Nord, Karen Matiszick, am Dienstag. Radio Bremen zitierte den Chef des Klinikverbundes Nord, Diethelm Hansen: "Als zuständiger Chefarzt trägt er die Verantwortung." Er habe das Problem nicht rechtzeitig erkannt und nicht hinreichend dafür gesorgt, dass die Keime eingedämmt wurden, berichtete der Sender. Der Arzt war für die Hygiene im gesamten Klinikum verantwortlich. Von dieser Position war er bereits in der vergangenen Woche zurückgetreten.

Hygienegesetz muss umgesetzt werden

Auf der Station für Frühgeburten steckten sich im Bremer Klinikum mehrere Frühchen mit gefährlichen Keimen an, drei Babys starben an den Folgen.

(Foto: dpa)

Unterdessen beauftragte der Bremer Senat den Justizstaatsrat Matthias Stauch mit einer Untersuchung der tödlichen Infektion von Frühchen im Klinikum. Der Senat habe ein Interesse an schneller Aufklärung, teilte Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) mit. Deshalb solle Stauch einen Bericht erstellen. "So kann der Senat sich möglichst noch in diesem Jahr eine umfassende Analyse der Vorgänge und der Kommunikationswege verschaffen."

Böhrnsen versicherte, der Senat werde alles tun, um die Staatsanwaltschaft und den parlamentarischen Untersuchungsausschuss, der am Freitag eingesetzt werden soll, zu unterstützen. "Die Mitglieder des Senats drücken den Eltern und Angehörigen der Kinder ihre tiefe Anteilnahme aus."

Seit April hatten sich immer wieder frühgeborene Babys auf der Intensivstation des Klinikums Bremen-Mitte mit einem multiresistenten Keim infiziert. Bei 23 Babys wurde der Keim festgestellt, neun von ihnen erkrankten daran. Im August und Oktober starben drei Frühchen nach einer Infektion. Das Gesundheitsamt und die Gesundheitssenatorin erfuhren erst im September und Anfang November von den Vorfällen.

Auf Antrag der CDU-Fraktion will die Bürgerschaft die Vorgänge in der Frühchen-Station mit einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss aufklären. Die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen sowie die oppositionelle Linksfraktion wollen zustimmen. Dabei geht es nicht nur um Hygienemängel in der Klinik. Offensichtlich hatte die Klinikleitung von April bis Juli nicht bemerkt, dass immer wieder der gleiche resistente Darmkeim auftrat, der dann drei Todesfälle verursachte.

Bei einer Pressekonferenz Anfang November hatte die Klinikleitung die ersten Infektionen auf Ende Juli datiert. Der Chef des Klinikverbundes Nord, Diethelm Hansen, musste einräumen, dass ein Frühwarnsystem in der Klinik nicht funktionierte und schwere Fehler gemacht wurden. Auch ein dreiköpfiges Krisenteam des Robert-Koch-Instituts konnte die Quelle der Verkeimung bislang nicht identifizieren. Die Intensivstation wurde geschlossen, ausgeräumt und komplett desinfiziert.