Gardasee-Prozess:"Ein kurzes aber sehr gut hörbares Geräusch"

Nach dem Unfall begutachtete die Spurensicherung den Schaden an dem Holzboot des jungen Paares. (Foto: Gabriele Strada/dpa)

Einer der beiden Deutschen, die einen tödlichen Unfall auf dem Gardasee verursacht haben sollen, hat vor Gericht ausgesagt - und geschildert, was aus seiner Sicht in der Nacht passierte.

Im Prozess um den tödlichen Motorboot-Unfall auf dem Gardasee ist einer der beiden deutschen Angeklagten befragt worden und hat um Entschuldigung gebeten. "Ich habe diesen Unfall nicht als solchen bemerkt. Es tut mir unglaublich leid", sagte der 52-Jährige vor Gericht in Brescia. Er steuerte nach eigener Aussage im Moment des Aufpralls das Riva-Motorboot.

"Ich habe aus heiterem Himmel ein Geräusch gehört, ein kurzes aber sehr gut hörbares Geräusch, und gleichzeitig eine Vibration in den Füßen gespürt", erklärte er bei der rund dreistündigen Befragung. Er und sein gleichaltriger Mitfahrer hätten jedoch in der Dunkelheit kein Hindernis sehen können, sagte der Angeklagte weiter. Deshalb hätten sie angenommen, ein treibendes Holzstück getroffen zu haben.

Weil Wasser in ihr Boot eindrang, wollten die beiden Münchener außerdem schnellstmöglich ihren Zielhafen am Westufer erreichen. "Dieser kurze Aufprall war so schwach, dass ich im Leben nicht davon ausgehen konnte, dass wir etwas Großes wie ein Boot getroffen hatten."

Die Bayern müssen sich mitunter wegen fahrlässiger Tötung und unterlassener Hilfeleistung verantworten. In der Nacht des 19. Juni 2021 sollen sie auf dem Gardasee mit ihrem Luxus-Motorboot ein Holzboot überfahren haben. Das junge italienische Paar an Bord kam bei dem Unfall ums Leben.

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