Feuer in den USA Die Wucht der Teufelswinde

Mutter und Tochter Arm in Arm, nachdem ihr Haus im kalifornischen Paradise niederbrannte.

(Foto: AP)

Bei verheehrenden Waldbränden kommen in Kalifornien mindestens 44 Menschen ums Leben, mehr als 200 werden noch vermisst. Aufmerksamkeit erregen aber vor allem abgebrannte Prominenten-Anwesen in Malibu.

Von Martin Anetzberger, Philipp von Nathusius und Malte Conradi, San Francisco

Es waren ungewöhnlich schöne Wochen zuletzt im Norden Kaliforniens - sommerliche Temperaturen, blauer Himmel und ein goldener Sonnenschein. Doch das angenehme Wetter trug zumindest einen großen Teil zu einer Katastrophe bei: 29 Menschen kamen bei dem Waldbrand Camp nördlich der kalifornischen Hauptstadt Sacramento ums Leben. Rechnet man den Brand Woolsey nahe Los Angeles hinzu, forderten die derzeitigen Waldbrände bereits 44 Todesopfer. Und diese Zahl dürfte noch steigen, mehr als 200 Menschen werden noch vermisst. Es ist unklar, wie viele von ihnen sich retten konnten, denn die Lage ist unübersichtlich, mehr als 300 000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen.

Die Brände Woolsey im Süden und Camp im Norden des Bundesstaates sind nicht die ersten in diesem Jahr, zwischen Januar und August brannten 3880 Quadratkilometer Fläche ab. Im August wuchsen zwei Brände nahe dem Ort Mendocino zusammen, 40 Menschen starben, es entstand ein geschätzter Schaden von mehr als zehn Milliarden Dollar. Doch Woolsey und Camp sind nun noch heftiger. Das Camp-Fire ist eines der verheerendsten in der kalifornischen Geschichte.

Der britische Schauspieler Gerard Butler steht vor der Asche seiner Villa und seinem ausgebrannten Auto in Malibu.

(Foto: instagram.com/gerardbutler)

Es hat eine enorme Zerstörungswucht entfaltet. Knapp 7000 Gebäude sind dort niedergebrannt, die 27 000-Einwohner-Stadt Paradise offenbar ausgelöscht. 4000 Feuerwehrleute sind in der Region im Einsatz, darunter Dutzende, die ihr eigenes Haus an die Flammen verloren haben. Tausende weitere Einsatzkräfte sind aus anderen Bundesstaaten unterwegs, um zu helfen.

Thomas Gottschalk war gerade in München, als sein Haus brannte

Üblicherweise hätte es im Norden Kaliforniens schon vor zwei Wochen die ersten größeren Regenfälle geben müssen, in diesem Jahr aber sind sie immer noch nicht in Sicht. Beim Woolsey-Feuer rund um Malibu im Süden des Bundesstaates sind es die Santa-Ana-Winde, die das Feuer anfachen und in rasender Geschwindigkeit vor sich hertreiben. Diese heißen Wüstenwinde werden auch Teufelswinde genannt, weil sie jedes Jahr im Herbst die Waldbrandgefahr erhöhen. Für die kommenden Tage erwarten Meteorologen hohe Windgeschwindigkeiten.

Einigen Unmut erregt im Norden Kaliforniens die Aufmerksamkeit, die Prominente in Malibu auf sich ziehen. Das Woolsey-Feuer hat schon einige Villen von Hollywood-Schauspielern und Musikern zerstört, viele weitere Prominente können nur aus der Ferne hoffen, dass ihre Anwesen verschont werden. Und an ihrem Schicksal lassen viele der betroffenen Stars ihre Follower über soziale Medien unmittelbar teilhaben. So wie der britische Schauspieler Gerard Butler. Butler postete ein Selfie auf Instagram, das ihn vor seinem Haus in Malibu zeigt, beziehungsweise vor dem, was einmal sein Haus war: Es ist nur noch eine Stahlträger-Konstruktion übrig geblieben. Vor dem Haus steht ein ausgebranntes Auto.

Die US-Sängerin Miley Cyrus meldete sich auf Twitter zu Wort: "Ich gehöre zu den Glücklichen." Ihre Tiere und die "Liebe ihres Lebens" seien sicher aus dem zerstörten Haus gekommen. "Und das ist alles, was zählt." Auch ihr Nachbar Thomas Gottschalk verlor sein Haus. Er war gerade in München, als die Flammen näher kamen. Seine Frau Thea sei mit den beiden Katzen geflohen, sagte Gottschalk der Bild-Zeitung.

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