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Fall Freddie Gray:Baltimore soll sicherste Großstadt der USA werden

Die Stadt hat ihr Problem durchaus erkannt. Im Jahr 2012 versprach Bürgermeisterin Stephanie Rawlings-Blake, Baltimore zur sichersten Großstadt der USA zu machen. Die größte Stadt des Bundesstaats Maryland war noch Mitte der Nullerjahre arm, die Mittelschicht hatte das Stadtzentrum verlassen, stattdessen herrschte dort Verwahrlosung, der Drogenhandel blühte. In den vergangenen Jahren ging es dann langsam aufwärts, immer mehr junge Leute zogen zu. Wem das nahegelegene Washington D.C. zu teuer ist, der lebt heute in Baltimore.

Doch in einer Stadt, in der sich manche Einwohner mehr vor der Polizei fürchten als vor Kriminellen aus dem Drogenmilieu, bedeutete Rawlings-Blakes Ankündigung auch, den Polizeiapparat aufräumen zu müssen.

Einer der ersten Schritte war das Engagement eines neuen Polizeibeauftragten. Die Bürgermeisterin holte Anthony W. Batts, einen Polizeichef aus Kalifornien. Batts hatte sich zuvor in Oakland und Long Beach einen Namen gemacht, wo er die Verbrechensrate beträchtlich senken und das Vertrauen der Bevölkerung in die Ordnungshüter steigern konnte.

In Baltimore löste Batts zunächst die Violent Crimes Impact Section auf. Der Name der 260 Mann starken Truppe war immer wieder mit Polizeigewalt in Zusammenhang gebracht worden. Die Mitglieder der Sektion waren hauptsächlich in Zivil unterwegs und für ihr hartes Durchgreifen bekannt. Im September 2012 zog das Team öffentliche Kritik auf sich, als ein Beamter den 46-jährigen Anthony Anderson während einer Drogenkontrolle zu Boden warf, wobei dieser einen Milzriss erlitt und kurze Zeit später im Krankenhaus verstarb. Batts verkleinerte die Truppe um die Hälfte, verteilte die Chefposten neu und verdonnerte die Beamten zum Tragen von Uniformen.

Langer Weg für Baltimore

Er gründete eine Abteilung, die sich nur um die Einhaltung professioneller Standards und anhängige Disziplinarverfahren gegen Polizisten kümmert. Seit Neuestem erfasst ein Computersystem sämtliche Prozesse, die es gegen Polizisten gegeben hat. Die Informationen werden mit einer Kartei abgeglichen, die Beschwerden gegen Beamte wegen übermäßiger Gewaltausübung festhält. Häufen sich die Fälle, können so schneller Maßnahmen ergriffen werden.

Die Fälle, für die Baltimore jetzt bezahlt, liegen meist mehrere Jahre zurück. Sie stammen aus der Zeit vor Batts' hartem Durchgreifen. Dass es noch ein langer Weg ist, bis Baltimore die sicherste Großstadt der USA ist - sicher vor Drogengewalt, aber auch vor Polizeigewalt - das zeigt der Fall des 25-jährigen Freddie Gray.

© Süddeutsche.de/feko/afis/jobr

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