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Baltimore:Mysteriöser Tod eines 25-jährigen Schwarzen - Stadt suspendiert Polizisten

  • Ein 25-jähriger Afroamerikaner in Baltimore stirbt an Rückenmarksverletzungen, nachdem er von der Polizei festgenommen worden war.
  • Sechs Polizisten werden daraufhin vom Dienst suspendiert. Die Bürgermeisterin kündigt eine umfangreiche Untersuchung an.
  • Vor einer Polizeiwache kommt es zu spontanen Protesten.

Ermittlungen nach Tod eines Schwarzen

Nach dem Tod eines jungen Schwarzen, der sich in Polizeigewahrsam befand, haben die Behörden in der US-Großstadt Baltimore erste Konsequenzen gezogen. Sechs Polizeibeamte seien suspendiert worden, berichtete der örtliche Fernsehsender WBAL. Baltimores Bürgermeisterin Stephanie Rawlings-Blake sagte eine umfangreiche Untersuchung zu.

Es geht um den Fall des 25-jährigen Freddie Grey, der am Sonntag an seinen schweren Rückenmarksverletzungen verstorben war. Wie genau er zu Tode kam, ist unklar. Die Polizei und der Anwalt von Greys Familie verbreiten verschiedene Versionen des Geschehens.

Die Version der Polizei

Er war am 12. April festgenommen worden, weil ihm dem Polizeibericht zufolge der Besitz eines Springmessers zur Last gelegt wurde. Ein Video zeigt, wie Beamte den Mann, dessen Hände mit Handschellen auf dem Rücken gefesselt waren, in einen Transporter zerren. Die Polizei sagt, dabei sei keine Gewalt angewendet worden. Während der Fahrt habe der Mann über Probleme beim Luftholen geklagt. Als er aus dem Wagen geholt wurde, habe er nicht mehr geatmet.

Vize-Polizeichef Jerry Rodriguez teilte nun mit, Gray habe nach seiner Festnahme nach seinem Inhalator verlangt. Während er in einem Polizeibus habe warten müssen, sei er in Wut geraten. Laut einem von der Polizei inzwischen rekonstruierten Ablauf wurden die Sanitäter allerdings erst 42 Minuten, nachdem Gray nach seinem Inhalator verlangt hatte, gerufen. Die Polizei bestätigte überdies, dass Gray medizinische Hilfe gefordert habe. Bis Freitag soll eine unabhängige Ermittlungskommission einen Bericht zu dem Fall vorlegen.

Die Version der Anwälte

William Murphy, der Anwalt von Grays Familie, stellt den Fall anders dar: Der 25-Jährige habe keine Straftat begangen. Es habe "keine Begründung" für seine Festnahme gegeben, "außer dass er ein rennender schwarzer Mann war", sagte der Verteidiger. Gray seien bei seiner Festnahme drei Wirbel gebrochen worden, zudem sei das Rückenmark im Nackenbereich zu 80 Prozent durchtrennt worden. Dem jungen Mann sei praktisch das Genick gebrochen worden, sagte der Anwalt.

Murphy wirft der Polizei in der Baltimore Sun einen Vertuschungsversuch vor. Sie halte die Todesumstände von Gray so lange geheim, "bis sie eine Version der Ereignisse entwickelt haben, die sie von jeder Verantwortung freispricht".

Spontane Protestaktion vor Polizeiwache

Etwa 100 Menschen kamen am Sonntag vor einer Polizeiwache in Baltimore zu einer spontanen Protestkundgebung zusammen und verlangten mehr Informationen über den Vorfall.

Gray ist das jüngste Opfer in einer Serie von Fällen tödlicher Polizeigewalt gegen unbewaffnete Schwarze. Erst Anfang April wurde in der Stadt North Charleston ein Polizist wegen Mordes angeklagt, weil er nach einer Verkehrskontrolle einem fliehenden Afroamerikaner in den Rücken schoss. Vor einer Woche wurde zudem bekannt, dass in Oklahoma ein 72-jähriger Hilfssheriff einen Schwarzen erschoss, obwohl dieser unbewaffnet war.

Bereits zuvor hatte eine Reihe von tödlichen Schüssen auf Schwarze eine Debatte über Rassismus und Polizeigewalt ausgelöst. Im August 2014 war in der Kleinstadt Ferguson im Bundesstaat Missouri der unbewaffnete schwarze Jugendliche Michael Brown von einem weißen Polizisten getötet worden. Wegen mangelnder Beweise wurde der Beamte aber nicht angeklagt. Die Vorgänge führten in Ferguson und anderen Städten zu teils gewaltsamen Protesten.

© SZ.de/AFP/dpa/cmy

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