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SZ-Kolumne "Bester Dinge":Die Boiler von Burnley

(Foto: Dephner, Imago)

Wie sich ein britischer Klempner so über die überteuerten Rechnungen seiner Kollegen ärgerte, dass er ehrenamtlich für ältere Menschen arbeitet.

Von Alexander Menden

70-Stunden-Wochen sind keine Seltenheit für James Anderson. Man könnte dem britischen Klempner dazu gratulieren, in einem so einträglichen Geschäft so viele Aufträge zu bekommen - wenn er denn Geld dafür nähme. Doch der 53-Jährige aus Burnley in der englischen Grafschaft Lancashire arbeitet schon seit 2017 großenteils ehrenamtlich.

Damals hatten ihn Nachrichten über Kollegen, die vor allem ältere Kunden mit horrend überteuerten Rechnungen über den Tisch zogen, derart erbost, dass er einen gemeinnützigen Verein gründete: Delpher, ein Klempner- und Heizungsnotdienst für Menschen mit Behinderung und Senioren und Seniorinnen, der sich über Spenden und einen Secondhandladen finanziert. Allein 2018 starben nach Angaben der Klimastiftung "E3G" etwa 3000 Briten, weil sie sich notwendige Reparaturen oder Heizkosten nicht leisten konnten. Für Menschen, die dieser Gefahr ausgesetzt sind, macht Anderson alle Reparaturen gratis und zahlt sogar ihre Heizrechnungen.

Seit vergangenem Frühjahr hat der Klempner sein Betätigungsfeld erweitert. Er sammelte auch Lebensmittel für Menschen, die durch die Pandemie in finanzielle Schwierigkeiten gekommen waren und Schutzkleidung für medizinisches Personal. Obwohl der Secondhandladen wegen des Lockdowns geschlossen bleiben musste, ist James Anderson entschlossen, weiter zu helfen. Eine Lokalzeitung hat nun eine Ehrung durch die Queen gefordert. Es wäre schön, wenn demnächst Sir James die Boiler in Burnley reparieren würde.

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© SZ/afis
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