bedeckt München

SZ-Kolumne "Bester Dinge":Liebe post mortem

Bester Dinge / Liebesbriefe
(Foto: David Bambrough)

Wie Liebesbriefe aus dem Ersten Weltkrieg die Verwandten eines englischen Soldaten auch heute noch glücklich machen.

Von Moritz Geier

Klar, genau weiß man es nie, aber es ist doch anzunehmen, dass George Fortune seine Frau Mary sehr glücklich machte, als er ihr damals, vor mehr als 100 Jahren, Liebesbriefe von der Front schickte. "Wir hatten hier neulich nachts ein bisschen Aufregung, als ein Flugzeug kam, das Triebwerkprobleme hatte und gezwungen war, in einem Kornfeld zu landen", schrieb er ihr, Fortune kämpfte im Ersten Weltkrieg für die englische Infanterie. "Love to you + baby I am your loving husband George xxxx. PS I hope you like the card."

Was auf der beiliegenden Karte zu sehen ist, ist nicht bekannt, aber womöglich hat Mary das Bild viel bedeutet, sie hat die Briefe aufbewahrt, auch nachdem George 1916 in der Schlacht an der Somme gefallen war. Irgendwann gingen sie dann in den Besitz von Marjorie über, Marys einziger Tochter, dem "baby", das George erwähnt. Als Marjorie 2003 kinderlos starb, verschwanden mit Marjories Hab und Gut auch die Briefe ihrer Eltern.

Bis heute. Wie die Nachrichtenagentur PA berichtet, hat der Besitzer eines Second-Hand-Ladens in Sunderland sie in der Schublade einer Kommode gefunden und eine Kampagne gestartet, um Marys Nachfahren zu finden. Hobby-Ahnenforscher machten David Bambrough, 53, ausfindig, Mary Fortune war die Schwester seines Urgroßvaters. Der Daily Mail sagte Bambrough, er freue sich riesig.

Mehr als 100 Jahre später haben die Liebesbriefe immer noch die Kraft, einen Menschen glücklich zu machen. Man kann es natürlich nicht wissen, aber es ist doch anzunehmen, dass das auch George Fortune gefallen hätte.

Mehr gute Nachrichten lesen Sie hier.

© SZ/afis
Zur SZ-Startseite

SZ-Kolumne "Bester Dinge"
:Schwarz ist die Hoffnung

Wie Berliner Schornsteinfeger Tiere glücklich machen und ihnen wieder ein Zuhause geben wollen.

Von Mareen Linnartz

Lesen Sie mehr zum Thema