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"Deutschland sucht den Superstar":Drücken Sie die Wolke-Taste!

DSDS, Staffel 18, Folge 2

Der Wendler als Wischiwaschiwolke - eine fast schon visionäre Erfindung von RTL.

(Foto: Screenshot RTL)

RTL lässt den geschassten Juror Michael Wendler bei "Deutschland sucht den Superstar" hinter einer Art Schleier verschwinden. Da gäbe es noch so einiges, was man gerne wegwolken würde. Ein Plädoyer für eine neue Taste auf der Fernbedienung.

Von Mareen Linnartz

Man hatte ja fast vergessen, dass Fernsehen zeitgemäß sein kann. Denn seit sich ein Verschwörungsgläubiger, der in vorpandemischen Zeiten in Mallorca vor Massen noch "Egal" gesungen hatte, in pandemischen Zeiten in wilden antisemitischen Abstrusitäten verfing, hat die TV-Unterhaltung eine neue Stufe genommen, die ungeahnte Möglichkeiten eröffnet.

Anders kann man nicht bezeichnen, was am vergangenen Samstag über die Bildschirme flimmerte und auch an diesem Dienstag wieder zu sehen ist, wenn die nächste Folge von "Deutschland sucht den Superstar" auf RTL ausgestrahlt wird: Eine Jury um Dieter Bohlen mit leicht crazy Frisuren und gerne sonnenbebrillt sitzt da an einem Tisch und beurteilt die Gesangskünste von Christians, Vanessas und wie sie alles heißen. Neben Bohlen ist Maite Kelly von der gleichnamigen Family mit von der Partie, und der Sänger Mike Singer, der offenbar tatsächlich diesen prophetischen Nachnamen trägt. Und eigentlich eben noch eine Vierter: Besagter "Egal"-Interpret, der sich in der vergangenen Woche so sehr verschwurbelte, dass RTL beschloss, zwar nicht gleich das ganze Casting-Format zu canceln, aber diesen Teil der Jury in den bereits aufgezeichneten Folgen auf eine besondere Weise zu tilgen. Ihn sieht und hört man nicht mehr.

DSDS, Staffel 18, Folge 2

Wenn die Wendler-Worte aus dramaturgischen Gründen unverzichtbar sind, werden sie als Sprechblase eingeblendet.

(Foto: Screenshot RTL)

Wenn er doch was sagen muss, übernehmen das Sprechblasen, sein Antlitz ist zu einem verschlierten Geist verformt. Eine undefinierbare Wolke, man weiß, wer da sitzt, muss es sich aber nicht anschauen.

Das ist in seiner Grobschlächtigkeit und Offensichtlichkeit ein natürlich geradezu visionärer Schritt. Sofort möchte man auf jeder Fernbedienung so eine Funktion haben, eine kleine Taste: Einmal gedrückt, lassen sich Bildschirmausschnitte, die man nicht sehen will, auf magische Weise wegwolken.

RTL sucht eine "elegantere Lösung" - och nö!

Was hätte einem diese Zaubertaste in der Vergangenheit alles erspart: den Anblick von gelbhaarigen Präsidenten in den USA, pöbelnden blonden rechten Politikerinnen im Bundestag, dramatisch reklamierenden Fußballern auf dem Feld. Und wie wegweisend so eine Taste für die Zukunft wäre, als Schutzmechanismus in einer Realität, die man nicht komplett ignorieren, aber manchmal wenigstens partiell mal wegwolken möchte!

RTL hat unterdessen angekündigt, für die restlichen Folgen eine "elegantere" Lösung zu suchen. Man möchte fast hoffen, dass diese nicht gefunden wird.

© SZ/nas
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DSDS, Staffel 18, Folge 2

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