Drogenbericht:Zahl der Drogentoten ist gestiegen

Auch 2020 sind wieder mehr Menschen durch den Konsum harter Drogen gestorben. Unter Jugendlichen ist Cannabis die Droge Nummer eins.

Von Henrike Roßbach, Berlin

Die Corona-Krise hat auf so ziemlich jedem politischen Feld Spuren hinterlassen - auch in der Drogenpolitik. Das zeigt der aktuelle Jahresbericht der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Daniela Ludwig. "Diese Pandemie war ein extremer Stresstest für das hiesige Suchthilfesystem", erklärte die CSU-Politikerin am Donnerstag. Für die suchtkranken Menschen selbst, aber auch für ihre Familien und Freunde. Der persönliche Kontakt zu Therapeuten und Beratungsstellen sei nahezu komplett weggebrochen.

Allerdings sei es gelungen, die Suchthilfe auf digitale Angebote umzustellen und die Versorgung schwerstabhängiger Menschen mit Ersatzmedikamenten aufrechtzuerhalten. Die Zahl derer, die solche Substitute bekommen, ist während des ersten Lockdowns, also zwischen März und Mai 2020, sogar gestiegen: von knapp 80 350 auf 81 250. Gestiegen ist im vergangenen Jahr allerdings auch die Zahl der Drogentoten: 1581 Menschen starben durch den Konsum harter Drogen wie Heroin oder Crack; 2019 waren es 1398 gewesen, 2018 1276. Insgesamt gibt es hierzulande 1300 Suchtberatungsstellen.

In dem Bericht geht es darum, was die Bundesregierung in den vergangenen zwölf Monaten in der Drogenpolitik unternommen hat. Zum Beispiel das Verbot von Tabak- und E-Zigarettenwerbung in Kinovorführungen für Kinder und Jugendliche, dem zum Jahreswechsel das Verbot von Tabakwerbung auf Plakaten folgen wird - gleichzeitig mit einer höheren Besteuerung von Tabakprodukten und E-Zigaretten. Dem Bericht nach rauchen hierzulande etwa ein Viertel der Erwachsenen, aber nur 5,6 Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen. Gut zehn Jahre zuvor sei der Anteil rauchender Jugendlichen noch fast drei Mal so hoch gewesen. Auch unter den jungen Erwachsenen sinkt der Anteil der Raucher. Allerdings sterben nach wie vor an keiner anderen Droge so viele Menschen wie an den Folgen des Rauchens: in Deutschland 127 000 im Jahr.

Während der Konsum von Alkohol und Tabak dem Regierungsbericht nach leicht rückläufig ist, steigt der Cannabiskonsum. "Die mit großem Abstand am weitesten verbreitete Droge unter Jugendlichen ist Cannabis", heißt es in dem Papier. Verwiesen wird auf eine Studie, die allerdings auf einer Erhebung von 2018 basiert. Damals gaben 7,1 Prozent der Befragten an, innerhalb der vergangenen zwölf Monate Cannabis konsumiert zu haben. In der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen war es knapp jeder Vierte. Auch der Anteil der Cannabis-Abhängigen ist in dieser Altersgruppe überdurchschnittlich. Der Umgang mit Cannabis könnte demnächst in der Bundespolitik eine größere Rolle spielen: Grüne und FDP, die derzeit mit der SPD über eine Ampel-Koalition verhandeln, wollen eine kontrollierte Freigabe durchsetzen.

© SZ/afis
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FILE PHOTO: Droplets of oil form on the surface of a Cannabis plant in a state-owned agricultural farm in Rovigo

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