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Dänemark:Peter Madsen, Tüftler unter Verdacht

Danish submarine owner and inventor Peter Madsen lands with the help of the Danish defence in Dragor Harbor south of Copenhagen

Peter Madsen in einem Hafen in der Nähe von Kopenhagen.

(Foto: REUTERS)

Der Däne baute das größte private U-Boot der Welt, in dem nun womöglich die Journalistin Kim Wall zu Tode kam. Sein Traum ist eine Do-it-yourself-Weltraumreise. Jetzt sitzt er in Untersuchungshaft.

Peter Madsens Sehnsucht gilt eigentlich nicht der See, sondern dem All. Er wollte sich selbst mit einer Rakete dorthin schießen - 100 Kilometer in die Höhe zur Kármán-Linie, wo die Raumfahrt beginnt. Es sieht so aus, als würde daraus nun nichts werden. Peter Madsen sitzt in Haft, weil er verdächtigt wird, die Journalistin Kim Wall getötet zu haben. Womöglich fahrlässige Tötung, hieß es bereits, als Kim Wall noch als vermisst galt. Nun hat die dänische Polizei die Leiche der 30-jährigen Schwedin stark verstümmelt aus der Ostsee gezogen.

Sie war nicht die erste Journalistin, die Peter Madsen interviewt hatte. Es gibt viele Geschichten über den dänischen Tüftler, auch in deutschen Medien: 46 Jahre, Sohn eines Zimmermanns aus Seeland, abgebrochenes Ingenieursstudium, verheiratet. Er soll angeblich jahrelang aus Einkaufstüten gelebt und auf einer Matratze unter seiner Werkbank geschlafen haben. Inzwischen verdiente er ganz gut mit Vorträgen über seine Projekte, in denen er anderen erklärte, was es heißt Visionen zu haben.

Kopenhagen

Der Fall Kim Wall

Sein erfolgreichstes Projekt bisher war die UC3 Nautilus, die als größtes privat gebautes U-Boot der Welt gilt und vor knapp zwei Wochen gesunken ist. 18 Meter ist die Nautilus lang, 38 Tonnen schwer, die Ermittler gehen davon aus, dass sie absichtlich versenkt wurde. Sie haben das U-Boot geborgen und Blut von Kim Wall an Bord gefunden.

Peter Madsen sei "nicht gewalttätig, er trinkt nicht, nimmt keine Drogen", sagte Thomas Djursing, der eine Biografie über Madsen geschrieben hat, der Boulevardzeitung BT, kurz nachdem das U-Boot gesunken war und man noch nicht absehen konnte, wie sich die Geschichte entwickeln würde. Er sei ein Mann mit gesunden Werten. Allerdings streite der Tauchboot-Bauer auch "mit Gott und jedermann".

Für Peter Madsen war die Nautilus die Grundlage seines Ruhms. Finanziert hatte er sie über Crowdfunding und 2008 vom Stapel gelassen. Madsen hat sie und zwei weitere, kleinere Tauchboote gemeinsam mit einer Gruppe von U-Boot-Enthusiasten gebaut, mit der er sich später zerstritt. 2015 übertrug der Verein ihm schließlich das Eigentumsrecht an der Nautilus.

"Man kann einfach abtauchen"

Das U-Boot bedeute Freiheit für ihn, erzählte er 2008 in einem Interview. "Man kann einfach abtauchen und ist weg von der Außenwelt", sagte er damals. Denn mit dem U-Boot könne man sich frei und unbemerkt bewegen.

Im selben Jahr noch begann Madsen damit, seine Rakete zu planen, denn von Raketen träumte er seit Kindertagen. Aus dem Kapitän der Nautilus wurde "Raketen-Madsen". Gemeinsam mit dem früheren Nasa-Mitarbeiter Kristian von Bengtson gründete er die "Copenhagen Suborbitals", die Madsen mit einer Rakete an den Rand des Weltraums und in einer Kapsel sicher wieder zurück auf die Erde bringen wollten.

Als die Gruppe 2010 eine Plattform für einen ersten Testraketenstart auf die Ostsee brachte, war es die Nautilus, die sie dorthin zog. 2013 gelang es dem Verein, eine Rakete 8,5 Kilometer in die Höhe zu schießen. 2014 allerdings zerstritt sich Peter Madsen mit den anderen Raketenbauern, stieg auch aus diesem Verein aus und gründete stattdessen das "Rocket Madsen Space Lab". Beide Gruppen konkurrieren nun um die erste Do-it-yourself-Weltraumreise. Womöglich muss Madsen aus diesem Rennen nun aussteigen.

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