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SZ-Kolumne "Bester Dinge":Die Rettung der "Titanic der Berge"

(Foto: Imago/Dunga)

Hoch oben in den Pyrenäen rottet ein imposanter Grenzbahnhof vor sich hin, über den einst die Nazis ihr Raubgold schmuggelten. Nun steht dem geschichtsträchtigen Ort eine schicke Zukunft bevor.

Von Oliver Das Gupta

Seitdem die Menschheit Großprojekte angeht, scheitert sie regelmäßig. Etwa die "Fossa Carolina" unter Karl dem Großen, eine vergebliche Kanalbuddelei zwischen den Flusssystemen der Donau und des Rheins. Oder die damals größte Schweden-Galeone Wasa, die 1628 nach nur einem zurückgelegten Ostsee-Kilometer ihren Konstruktionsfehlern erlag. Teils aber wendet sich das Scheitern auch ins Positive. Die Wasa hat längst ihr eigenes Museum in Stockholm und auch die irrwitzigen Summen, die Bayerns König Ludwig II. einst für seine Märchenschlösser raushaute, hat der Tourismus inzwischen zigfach eingespielt.

Eine Entwicklung zum Guten gibt es auch beim Grenzbahnhof Canfranc. Der wurde vor bald 100 Jahren hoch oben in den Pyrenäen als einer der größten Bahnhöfe Europas errichtet. Die prächtige Fassade misst 240 Meter, Grandezza auf der Strecke zwischen dem spanischen Saragossa und dem französischen Pau. Eröffnung 1928, doch es folgten kaum Reisende, dafür Wirtschaftskrise, Bürgerkrieg in Spanien, Weltkrieg. Die Nazis schmuggelten Raubgold über Canfranc, verfolgte Juden flüchteten über den Ort, nach dem Krieg Hitlers Schergen. Seit 1970 fährt kein französischer Zug nach Canfranc. Reisende nehmen längst eh lieber den Flieger, Güter rollen über die Straße. "Titanic der Berge" wird die rottende Anlage genannt.

Doch nun soll der Ort gerettet und belebt werden. Das historische Gebäude wird zum Hotel umgebaut, ein Eisenbahnmuseum und Geschäfte sollen entstehen. Jetzt muss nur noch Tom Cruise kommen und hier einen Film drehen oder Toni Garrn einen kleinen Instagram-Familienurlaub machen - schon müsste sich Canfranc womöglich Gedanken über Overtourism machen.

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© SZ/zip
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