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Britney Spears:"Ich bin so wütend"

Die US-Sängerin hatte sich im Streit über ihre Vormundschaft bislang kaum öffentlich geäußert. Nun erhebt sie vor Gericht schwere Vorwürfe gegen ihren Vater.

Popsängerin Britney Spears hat in einer Anhörung vor Gericht ein Ende der Vormundschaft über ihre Person und ihre Finanzen gefordert. "Ich bin nicht glücklich, ich kann nicht schlafen. Ich bin so wütend, das ist verrückt. Und ich bin deprimiert. Ich weine jeden Tag", sagte die 39-Jährige in einer emotionalen Telefonschalte, wie mehrere US-Medien berichteten.

Spears hatte ihre Karriere als Kinderstar im Mickey Mouse Club begonnen und war in den Neunzigerjahren eine der erfolgreichsten Popsängerinnen. Dann folgten öffentlich dokumentierte Saufgelage, Trennungen, ein Sorgerechtsstreit und ein Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik. 2008 wurde sie nach einem Eilantrag ihres Vaters von einem Gericht in Los Angeles entmündigt. Als Beweis dienten unter anderem zahlreiche Fotos aus der Klatschpresse.

Nun sprach die Sängerin, die lange geschwiegen hatte, vor Gericht von Missbrauch. Sie fühle sich von ihrer Familie und von Managern ausgenutzt, sie werde von allen kontrolliert und könne selbst nicht über ihr Leben bestimmen. Sie wünsche sich, dass nun die ganze Welt die Wahrheit erfahre. Ihren Eltern warf sie Ausbeutung vor. Sie würden von ihrem Geld profitieren und ihr Privatleben kontrollieren. Am liebsten würde sie ihre Familie verklagen, so Spears.

Zu der Anhörung vor Richterin Brenda Penny in Los Angeles waren unter anderem Spears' geschiedene Eltern, Jamie und Lynne Spears, sowie ihr Anwalt zugeschaltet. Die Musikerin hatte sich bislang kaum öffentlich über den Rechtsstreit um die Vormundschaft geäußert.

"Ich war nicht wieder vor Gericht, weil ich mich nicht gehört fühlte."

Seit fast 13 Jahren verwaltet James Spears inzwischen das Vermögen und andere Anliegen seiner Tochter. 2019 trat er aus gesundheitlichen Gründen kürzer, für Spears' persönliche Belange, darunter auch medizinische Entscheidungen, wurde Managerin Jodi Montgomery als Vormund eingesetzt. 2020 kam ein Finanztreuhänder dazu. Einwände von James Spears gegen dieses Modell waren im Februar abgewiesen worden.

Das Vermögen der Sängerin lag laut Gerichtsdokumenten Ende 2019 bei etwa 58 Millionen Dollar. Sie ließ über ihren Anwalt bekannt geben, dass sie nicht wieder auftreten werde, solange ihr Vater die Kontrolle über ihre Karriere und ihr Vermögen habe. Zuletzt hatte sich die Sängerin bemüht, diesen von seiner Vormundsrolle gänzlich zu entbinden. Bei der Anhörung am Mittwoch machte Spears nun erstmals die komplette Ablehnung der Vormundschaft deutlich.

Mehr als 20 Minuten berichtete sie in der Telefonschalte über ihr Leben. Sie flehte praktisch darum, befreit zu werden. "Es ist viel passiert, seit ich vor zwei Jahren das letzte Mal vor Gericht sprach. Ich war nicht wieder vor Gericht, weil ich mich nicht gehört fühlte", sagte Spears dem Sender CNN zufolge. Sie sei dazu gezwungen worden, Konzerte zu geben. Man habe sie zudem unter Druck gesetzt, das Medikament Lithium zu nehmen, obwohl sie sich danach schlecht gefühlt habe. Lithium wird zur Behandlung manischer Depressionen eingesetzt.

Besonders scharf greift Spears ihren Vater an

Auch in ihrem Privatleben dürfe sie keine eigenen Entscheidungen treffen, klagte die Sängerin. Sie würde gerne heiraten und ein weiteres Kind bekommen, doch ihr sei nicht erlaubt worden, einen Arzt aufzusuchen, um ihre Spirale zu entfernen. Seit 2016 ist Spears mit dem Tänzer und Fitnesstrainer Sam Asghari befreundet. Aus ihrer 2007 geschiedenen Ehe mit Kevin Federline hat sie zwei Söhne im Alter von 14 und 15 Jahren.

Sie habe sich lange Zeit mit der Situation nicht an die Öffentlichkeit gewandt, so die 39-Jährige. Sie habe befürchtet, die Menschen würden sie auslachen und ihr nicht glauben, Dinge sagen und denken wie "Sie lügt, sie hat doch alles, sie ist Britney Spears".

Besonders scharf griff die Sängerin ihren 68-jährigen Vater an. "Er liebte es" demnach, Macht über sie auszuüben. "Ich habe sieben Tage die Woche gearbeitet ... es war wie Sexhandel. Ich hatte keine Kreditkarte, kein Bargeld oder meinen Reisepass." Sie sei unter der Vormundschaft wie eine Sklavin behandelt worden. Alle daran Beteiligten gehörten ins Gefängnis.

Nach der Anhörung gab Jamie Spears über seine Anwältin Vivian Thoreen eine kurze Erklärung ab. "Es tut ihm leid zu sehen, dass seine Tochter leidet und Schmerzen hat", zitierte Variety aus der Mitteilung der Anwältin. "Mr. Spears liebt seine Tochter und vermisst sie sehr."

"Ich verdiene Veränderungen."

Bei Gerichtsterminen, in denen über Fragen der Vormundschaft verhandelt wird, demonstrieren regelmäßig Fans von Britney Spears für eine "Befreiung" der Popsängerin - so auch diesmal. Eine Anfang Februar veröffentlichte Dokumentation der New York Times über Spears' Leben unter der Vormundschaft ihres Vaters hatte die heftigen Diskussionen vor allem in den sozialen Netzwerken noch verstärkt. Viele Prominente, unter ihnen Miley Cyrus, Sarah Jessica Parker oder Komikerin Bette Midler, bekundeten unter dem Hashtag #FreeBritney ihre Unterstützung für die Sängerin.

Auch diesmal meldeten sich Prominente zu Wort: Mariah Carey schrieb: "Wir lieben dich Britney!!! Bleib stark." Auch die Sängerin Halsey äußerte sich auf Twitter: "Ich bewundere ihren Mut, heute für sich selbst zu sprechen." Sänger Justin Timberlake, ein Ex-Freund von Spears, hatte auf Twitter geschrieben, dass er und seine Frau Jessica Biel der Sängerin ihre Liebe und "volle Unterstützung" senden.

"Werde ich wieder auf der Bühne stehen? Ich habe keine Ahnung", sagte Spears vor wenigen Tagen selbst in einem Instagram-Video. Darin sagt sie jedoch auch: "Ich habe im Moment Spaß - für mich beginnt gerade ein neuer Lebensabschnitt, und ich genieße es."

Vor Gericht klang das nun ein wenig anders: "Als ich das letzte Mal mit Ihnen gesprochen habe, fühlte ich mich tot, als wäre ich egal. Als ob Sie dachten, ich würde lügen", sagte Spears an die Richterin gewandt. Sie lüge aber nicht und hoffe, dass das Gericht die Dringlichkeit des Anliegens verstehe. "Ich verdiene Veränderungen."

Die nächste Anhörung ist für Mitte Juli angesetzt. Zunächst wurde nicht bekannt, ob die Sängerin auch formell einen Antrag auf die Beendigung der Vormundschaft einreichen wollte.

© SZ/dpa/jael/afis/afis
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