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London:Strafverfahren gegen Boris Becker

Boris Becker erscheint vor dem Magistrates' Court von Westminster

Boris Becker erscheint vor dem Magistrates' Court von Westminster mit Motto-Mundschutz.

(Foto: Tolga Akmen/AFP)

Der ehemalige Tennisspieler soll vor dem Insolvenzgericht Einnahmen verschwiegen haben. Nun drohen ihm bis zu sieben Jahre Haft.

"Stronger Together" verspricht der Werbeslogan auf Boris Beckers schwarzem Mundschutz, unter dem Motto "Zusammen stärker" also betrat der dreimalige Wimbledon-Sieger und frühere Tennis-Großheld den Magistrates' Court von Westminster, ein Londoner Amtsgericht. Fotos zeigen ihn, wie er sich seinen Weg durch die wartenden Reporter bahnt, im Gerichtssaal dann habe Becker laut und deutlich gesprochen, teilte ein Sprecher mit. Und dass Becker in 19 Anklagepunkten auf "nicht schuldig" plädiert habe.

Die zuständige Londoner Insolvenzbehörde führt strafrechtliche Ermittlungen gegen den 52-Jährigen, da er nicht so mit den Behörden zusammengearbeitet haben soll, wie die Auflagen es vorsehen. Becker war 2017 von einem britischen Gericht für zahlungsunfähig erklärt worden. Eigentlich können Insolvenzverfahren in dem Land bereits nach einem Jahr abgeschlossen werden. Im vergangenen Jahr waren die Insolvenzauflagen gegen Becker jedoch bereits um zwölf Jahre verlängert worden - weil er Transaktionen aus der Zeit vor und nach dem Insolvenzverfahren nicht ordnungsgemäß gemeldet haben soll. Demnach muss sich der Ex-Profi bis zum 16. Oktober 2031 bestimmten Einschränkungen für zahlungsunfähige Personen in Großbritannien unterwerfen.

Doch Becker soll Vermögen in Höhe von mindestens 1,3 Millionen Euro verheimlicht und diverse Konten nicht angegeben haben. Auch eine Wohnung im Londoner Stadtteil Chelsea und zwei Grundstücke in Deutschland sowie Anteile an einer belgischen Firma soll er nicht angegeben haben.

Nächster Termin: 22. Oktober

Sollten sich diese Vorwürfe bewahrheiten, drohen Becker bis zu sieben Jahre Haft, verkündete Richterin Emma Arbuthnot, die das Verfahren an den Southwark Crown Court verwies. Dort soll es am 22. Oktober weitergehen. Sein Mandant werde sich dann "energisch gegen die Vorwürfe verteidigen", sagte Beckers Anwalt Jonathan Caplan.

Im vergangenen Herbst bezeichnete Becker das Insolvenzverfahren gegen ihn als "die schwierigste Zeit" seines Lebens. "Ich möchte meinem schlimmsten Feind nicht wünschen, was ich in den letzten zwei Jahren erlebt habe", sagte er der Bild am Sonntag. "Vielleicht war es aber auch für mein Leben notwendig, weil reinigend. Ich habe doch einige Fehler in der Vergangenheit gemacht."

Nock bleibt Becker unter Auflagen auf freiem Fuß. Er muss an seinem aktuellen Wohnsitz im Londoner Stadtteil Battersea wohnen bleiben und sich spätestens zwei Tage vor einer Auslandsreise bei der englischen Insolvenzbehörde abmelden. Kommende Woche wolle er nach München fliegen, kündigte Becker vor Gericht an.

© SZ/dpa/ick/nas
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