Blutspenden:"Es ist mein Hobby"

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Blutspenden: Das Deutsche Rote Kreuz befürchtet derzeit einen akuten Mangel an Spendenblut.

Das Deutsche Rote Kreuz befürchtet derzeit einen akuten Mangel an Spendenblut.

(Foto: Martin Schutt/dpa)

Die Blutspenden sind stark zurückgegangen, das Rote Kreuz befürchtet einen Engpass. An Leuten wie Rudolf Klett liegt es schon mal nicht, er war schon mehr als 550 Mal spenden in seinem Leben.

Interview von Veronika Wulf

Wegen der Corona-Pandemie, Ferien und mehr Reisen gehen zurzeit besonders wenige Menschen Blut spenden. Gleichzeitig werden Operationen und Behandlungen nachgeholt, die während der Hochphase der Pandemie verschoben worden waren. Das Deutsche Rote Kreuz befürchtet deshalb, dass viel Spendenblut fehlen wird. Rudolf Klett, 71, aus Ofterdingen bei Tübingen hat so oft wie wohl kaum jemand in Deutschland Blut gespendet: Insgesamt 563 Mal hat er sich Vollblut, Thrombozyten (Blutplättchen) oder Blutplasma entnehmen lassen. Am Telefon erreicht man zunächst seine Frau: Klett rufe später zurück, er sei gerade beim Blutspenden.

SZ: Herr Klett, wann sind Sie zum ersten Mal zur Blutspende gegangen?

Rudolf Klett: Moment, ich habe einen Ordner angelegt mit allen Daten, Urkunden und Zeitungsartikeln, der ist inzwischen schon ziemlich voll. Ich war zweimal in Dußlingen beim Roten Kreuz, 1972 und 1973. Seit 12. Juni 1973 gehe ich regelmäßig in die Blutbank in Tübingen, außer wenn ich mal gesperrt bin, weil ich krank war. In den fast 50 Jahren ist die Blutbank fünf, sechs Mal umgezogen, ich bin quasi immer mitgewandert. Blut darf man alle 60 Tage spenden, ich spende jeden Monat Thrombozyten, also Blutplättchen, das geht bis zu 26 Mal im Jahr.

Warum spenden Sie so viel Blut?

Ich will einfach den Leuten helfen. Und es ist mein Hobby.

Ihr Hobby? Macht das etwa Spaß?

Nee, das kann man so nicht sagen, aber mir ging es auch noch nie schlecht danach. Außerdem habe ich eine seltene Blutgruppe, null Rhesus negativ, das haben nur sechs Prozent in Deutschland, das motiviert natürlich zusätzlich. Deshalb wurde ich 1981, als man in Tübingen die Technik hatte, die Blutplättchen herauszuzentrifugieren, gefragt, ob ich auch Thrombozyten spenden kann.

Blutspenden: Rudolf Klett, 71, führt genau Buch: 563 Mal hat er in seinem Leben bereits Blut gespendet, aus Überzeugung.

Rudolf Klett, 71, führt genau Buch: 563 Mal hat er in seinem Leben bereits Blut gespendet, aus Überzeugung.

(Foto: privat)

Insgesamt haben Sie sich bereits mehr als tausend Liter Blut und Thrombozyten abnehmen lassen. Wie viel Geld kam da über all die Jahre zusammen?

Man nennt das Aufwandsentschädigung. Und ich will die Summe nicht nennen, aber es ist auf jeden Fall viel zusammen gekommen. Für eine Blutspende bekommt man 20 Euro, für die Thrombo-Spende waren es früher 50 Mark, heute habe ich 60 Euro bekommen. Aber das dauert auch 70 bis 80 Minuten, je nachdem, wie viele Blutplättchen man hat. Man liegt da auf einer Liege, das Blut wird alle zwei Minuten entnommen, in einem Gerät geschleudert, damit die Blutplättchen abgetrennt werden können, und der Rest geht wieder zurück in den Körper. Eine normale Vollblutspende dauert nur zehn Minuten.

Jeder dritte Mensch braucht im Laufe seines Lebens mal Spenderblut, etwa Krebskranke, Herzkranke, Unfallopfer...

...oder Leute, die zu wenig Blutplättchen haben. Die werden dann durch meine wiederaufgebaut.

Kennen Sie jemanden persönlich, der auf Blutspenden angewiesen ist?

Nein, niemanden. Ich habe auch selbst Gott sei Dank noch nie welches gebraucht.

Als Vielspender wird man immer wieder zu Ehrungen eingeladen, was wurde Ihnen schon alles überreicht?

Gutscheine für den Baumarkt oder eine Weinhandlung, Geschenkkörbe, in denen Getränke, Pralinen, Kaffee und andere Leckereien sind. Also querbeet, aber eine Weltreise kriegt man da nicht, falls Sie das dachten (lacht). Meistens wird man vom Direktor der Uniklinik und einem Vertreter der Stadt beglückwünscht und bekommt eine Urkunde und eine Anstecknadel, auf der die Spendenzahl steht. Im August 2021 war ich der erste 550er.

Trifft man bei solchen Ehrungen immer dieselben Leute?

Ja, das ist schon ein gewisser Stamm, den man alle paar Jahre dort sieht. Immer, wenn wieder ein paar Neue die 50er-Marke erreicht haben, werden alle eingeladen und die Lokalpresse berichtet.

Wie lange wollen Sie noch spenden gehen?

Blut darf man in Tübingen bis 73 spenden, Thrombozyten bis 71 - im Moment, aber ich lasse mir jedes Mal sagen, dass ich biologisch noch keine 71 bin, weil ich fit und gesund bin. Ich spende einfach, so lange ich kann und darf.

Hinweis: In einer früheren Version war die Rede von "weißen Blutkörperchen" bzw. "weißen Blutplättchen", gemeint waren aber Thrombozyten, also Blutplättchen. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

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