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Bill Gates:Der Chef und die Ingenieurin

**FILE PHOTO** Bill And Melinda Gates Divorcing after 27 Years Of Marriage. United States President Barack Obama presen

Bill und Melinda Gates haben kürzlich angekündigt, sich nach 27 Jahren Ehe scheiden zu lassen. Sie trägt seither wieder zusätzlich ihren Mädchennamen und firmiert in den sozialen Netzwerken unter Melinda French Gates.

(Foto: Ron Sachs/imago images/MediaPunch)

Im Zuge der Trennung von Bill und Melinda Gates ist jetzt eine alte Affäre des Microsoft-Gründers ans Licht gekommen. Ist sie der Scheidungsgrund? Oder der Grund für sein Ausscheiden aus dem Verwaltungsrat? Es kursieren diverse Interpretationsmodelle.

Von Hubert Wetzel, Washington

Die Scheidung von Bill und Melinda Gates bringt Einzelheiten aus dem Privatleben des Microsoft-Gründers und Milliardärs ans Tageslicht. Wie das Wall Street Journal nun berichtete, soll eine Affäre, die Gates vor gut 20 Jahren mit einer Angestellten seines Konzerns hatte, der Grund gewesen sein, warum er voriges Jahr aus dem Microsoft-Verwaltungsrat ausgeschieden ist.

Dem Bericht zufolge wurde der Verwaltungsrat von Microsoft in der zweiten Jahreshälfte 2019 in einem Brief von einer Mitarbeiterin darüber informiert, dass sie über mehrere Jahre eine sexuelle Beziehung mit Bill Gates unterhalten habe. Einige Mitglieder des Führungsgremiums, dem Gates damals noch angehörte, leiteten daraufhin eine Untersuchung ein. Daran war auch eine Anwaltskanzlei beteiligt. Im März 2020 legte Gates sein Verwaltungsratsmandat bei Microsoft nieder.

Das Wall Street Journal nennt keine Details. Es schreibt nur davon, dass die Microsoft-Mitarbeiterin eine "Ingenieurin" sei und die Beziehung zwischen ihr und Gates als "unangebracht" eingestuft worden sei. Davon, dass Gates die Mitarbeiterin auf irgendeine Weise unter Druck gesetzt, sie bedrängt oder anderweitig belästigt habe, ist in dem Artikel ausdrücklich nicht die Rede. Das Adjektiv "unangebracht" kann sich rein auf das hierarchische Gefälle zwischen der Software-Ingenieurin und dem Firmengründer beziehen. Schon das barg damals für einen Konzern wie Microsoft jedoch erhebliche Risiken, sowohl was Klagen der betroffenen Person als auch den Imageschaden für das Unternehmen angeht.

Freundschaft mit Jeffrey Epstein

Eine Sprecherin von Gates sagte der Zeitung, Gates habe "vor fast 20 Jahren eine Affäre gehabt", die "freundschaftlich" geendet habe. Gates' Austritt aus dem Verwaltungsrat habe damit nichts zu tun gehabt. Der Milliardär habe sich auf seine philanthropische Arbeit und seine Stiftung konzentrieren wollen, die er zusammen mit seiner damaligen Frau Melinda gegründet hat und, so der Plan, auch weiterhin gemeinsam führen wird.

Ob die angebliche Affäre dazu beigetragen hat, dass Melinda Gates vor einigen Wochen die Scheidung eingereicht hat, ist offen. Aber vermutlich würden derartige Episoden aus dem Privatleben von Gates nicht über Medien an die Öffentlichkeit geraten, wenn es diesen spektakulären Scheidungsfall derzeit nicht gäbe. Bill und Melinda Gates gehören zu den reichsten und prominentesten Menschen der Welt. Vor einigen Tagen hatte das Wall Street Journal bereits berichtet, dass Melinda Gates auch über die Freundschaft beunruhigt war, die ihr Mann zu Jeffrey Epstein gepflegt hatte.

Der Millionär Epstein, der in Amerikas höchsten gesellschaftlichen und politischen Kreisen verkehrte, war tief in die sexuelle Ausbeutung minderjähriger Mädchen verstrickt. Er wurde im Sommer 2019 verhaftet und nahm sich in einer Gefängniszelle in New York das Leben. Bill Gates hatte gesagt, er habe Epstein im Rahmen seiner philantropischen Arbeit kennengelernt und bereue die Freundschaft.

© SZ/nas
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