bedeckt München 14°

SZ-Kolumne "Bester Dinge":Du Parkhausblinker!

(Foto: Florian Gärtner/Imago/Photothek)

Wie deutsche Autofahrerinnen und Autofahrer ihrem Ärger im Straßenverkehr ziemlich kreativ Luft machen.

Von Veronika Wulf

Manchmal muss der Ärger einfach raus. Da es derzeit des Ärgers viel gibt - Corona, Stau, Weihnachtsstress -, kann er schon mal in Form eines Schimpfworts entfahren. Gut, wenn der oder die Gemeinte es nicht hört, etwa weil man in seine Maske hineinnuschelt, weil man vor dem Laptop im Home-Office sitzt und hoffentlich das Mikrofon ausgeschaltet hat, oder eben weil man Auto fährt.

Das eigene Auto ist ein geschützter Raum. Man darf dort ziemlich viel, nackt sein etwa, solange es niemanden stört, wie der Deutsche Anwaltverein eines heißen Sommers mitteilte. Oder eben fluchen, was nachweislich Stress reduziert. Das tun die Deutschen auch, wie eine aktuelle Umfrage des Autokamera-Herstellers Nextbase und des Meinungsforschungsinstituts Yougov ergeben hat. Demnach benutzen mehr als die Hälfte der Autofahrenden Schimpfwörter im Straßenverkehr. Ziemlich klassische sogar: Jeder Fünfte sagt "Arsch(loch)". Gefolgt von "(Voll)Idiot", "(Voll)Depp", "Penner" und einem fast schon niedlichen "Blödmann". Die Befragung förderte aber auch fachspezifischere Ausdrücke zutage wie "Sofa", kurz für "Sonntagsfahrer", "Lenkradbeißer", "Parkhausblinker" oder "Kreisverkehr-Zweimalfahrer".

Ob im Eifer des Straßengefechts Zeit für solch lange Betitelungen bleibt? Fest steht: Die Deutschen sind ziemlich erfinderisch beim Fluchen, und Dampf ablassen ist ja immer gut. Eine andere Umfrage hat im Sommer ergeben, dass die Franzosen und Griechen noch mehr zu verbalem Rowdytum hinter dem Steuer neigen. Vielleicht waren sie aber auch einfach nur ehrlicher bei der Befragung.

Mehr gute Nachrichten lesen Sie hier.

© SZ
Zur SZ-Startseite

SZ-Kolumne "Bester Dinge"
:Konstruktive Zerstörung

Wie die Sprengung eines Trump-Casinos in Atlantic City Jugendlichen helfen soll.

Von Mareen Linnartz

Lesen Sie mehr zum Thema