Bergrutsch nach Wasserrohrbruch Tote bei Zugunglück in Südtirol

Mindestens neun Menschen sind bei einem Zugunglück im Vinschgau ums Leben gekommen. Ein Bergrutsch hatte den Zug entgleisen lassen.

Bei einem Zugunglück in Südtirol in Italien sind nach neuesten Angaben mindestens neun Menschen ums Leben gekommen. Das teilte ein Vertreter der Bahngesellschaft der italienischen Nachrichtenagentur Ansa mit. Zunächst war von sieben, später von elf Toten die Rede gewesen. Nach Angaben von Rettungskräften sind Dutzende Menschen verletzt worden, mindestens fünf von ihnen schwer. Ob auch deutsche Touristen in dem Regionalzug fuhren, war zunächst unklar.

Der Zug war im Vinschgau im Westen der Autonomen Provinz Bozen von herabstürzenden Schlamm-und Gesteinsmassen in einem Tal erfasst und aus den Schienen geworfen worden, berichteten italienische Medien. "Ein Wagen wurde bei dem Felssturz direkt getroffen", sagte der Bozener Rettungshelfer Florian Schrofenegger dem italienischen Fernsehsender Sky TG24. Die Hilfsmannschaften schließen weitere Todesopfer nicht aus. Die Leichen mussten aus den Schlamm- und Geröllmassen geborgen werden.

Ausgelöst hat das Unglück womöglich eine geplatzte Wasserleitung auf einer Obstplantage, die die Erde aufgeweicht hatte.

Geplatzte Wasserleitung

"Die Rettungshubschrauber sind pausenlos im Einsatz", sagte Markus Perwanger vom Studio Bozen des Senders Rai. Zivilschutz und Feuerwehren leisteten Erste Hilfe.

Nach seinen Informationen könnte eine Beregnungsleitung eines Obstanbaugebietes oberhalb der Schlucht über Nacht geplatzt sein und das ausströmende Wasser das Gelände aufgeweicht haben. Das habe möglicherweise eine Mure, also die Schlamm- und Geröllmassen, ausgelöst. Darauf ließen auch erste technische Überprüfungen am Unfallort schließen.

Ersten Angaben zufolge erfassten die Schlamm- und Gesteinsmassen den Regionalzug R108 der Vinschgerbahn um kurz vor neun Uhr auf dem Weg von Mals (Malles) nach Meran (Merano) in einer engen Schlucht zwischen Latsch (Laces) und Kastelbell-Tschars (Castelbello-Ciardes). Die angrenzende Straße SS 38 wurde gesperrt, damit die Rettungsmannschaften zu dem Unfallort gelangen können.

Bäume in Gleisnähe sollen verhindert haben, dass ein Waggon in das Kiesbett der Etsch gedrückt wurde, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa.

Die eingleisige Eisenbahnstrecke, auf der sich das Unglück ereignete, war 2005 wiedereröffnet worden und galt laut Ansa als eine der modernsten des Landes. Der Südtiroler Landeshauptmann Luis Durnwalder inspizierte den Unfallort.