Barmbek Täter von Hamburg war Behörden als Islamist bekannt

  • Die Behörden verdächtigten den Mann, der am Freitag in Hamburg-Barmbek eine Person getötet und mehrere verletzt hat, als Islamisten.
  • Er galt jedoch ebenfalls als psychisch labil, sodass sein Motiv für die Tat nach wie vor unklar ist.
  • Die Ermittler gehen derzeit von einem Einzeltäter aus, bisher gibt es keine Hinweise auf Netzwerke oder Hintermänner.

Der Mann, der am Freitag in einem Supermarkt in Hamburg-Barmbek eine tödliche Messerattacke verübt hat, war den Behörden als Islamist bekannt. In einer Pressekonferenz zum Ermittlungsstand sagte Innensenator Andy Grote, der Täter stamme aus dem arabischen Raum und sei offenbar als Schutzsuchender in die Stadt gekommen. Das Motiv ist noch nicht klar: "Zum jetzigen Zeitpunkt können wir zur Motivlage des Täters sagen, dass es Bezugnahme auf religiöse Beweggründe gibt, islamistische Motive, aber auch eine psychischen Labilität." Es handele sich um eine "Gemengelage", und es sei noch nicht klar, was der vorherrschende Antrieb des Mannes war.

Die Behörden hätten Hinweise auf seine Radikalisierung gehabt, der Verfassungsschutz sei eingeschaltet gewesen. Es habe aber keine Hinweise auf eine unmittelbare Gefährlichkeit gegeben. Der Mann sei "als Islamist, als Verdachtsfall", aber nicht als Dschihadist, also gewaltbereit, geführt worden. Der Staatsanwaltschaft seien keine Vorstrafen bekannt. Ein Verfahren wegen Ladendiebstahls sei wegen Geringfügigkeit eingestellt worden.

Mann beteiligte sich "fast vorbildhaft" an der Passbeschaffung

Der Mann, der in den Vereinigten Arabischen Emiraten geboren worden, aber palästinensicher Volksangehöriger sei, sei ausreisepflichtig gewesen. Im März 2015 sei er nach Deutschland gekommen. Bei seiner Einreise hatte er demnach keine Ausweispapiere bei sich, aber eine Geburtsurkunde. An seiner Identität habe es wegen dieser Urkunde keine Zweifel gegeben, sagte der Hamburger Innenstaatsrat Bernd Krösser. Nachdem das Bundesamts für Migration und Flüchtlinge seinen Asylantrag abgelehnt hatte, habe der Mann keine Rechtsmittel eingelegt. Im Gegenteil habe er sich dann "fast vorbildhaft" an der Passbeschaffung beteiligt und die Behörde sei davon ausgegangen, dass er willens war auszureisen. Noch gestern habe er sich bei der Ausländerbehörde erkundigt, ob seine Passersatzpapiere eingetroffen seien.

Die Ermittler gehen derzeit von einem Einzeltäter aus. Bisher gebe es keine Hinweise auf Netzwerke oder Hintermänner. Die Ermittlungen seien aber noch nicht abgeschlossen.

So lief die Tat ab

Die Polizei gab auch weitere Details zum Tathergang bekannt: Der Täter habe gegen 15 Uhr in dem Supermarkt Lebensmittel gekauft und das Geschäft verlassen, kurz darauf aber wieder betreten. Dann habe er ein Messer aus einem Verkaufsregal gezogen, es aus der Verpackung gerissen und angefangen, auf andere Personen einzustechen. Drei Menschen habe er dort verletzt, eine davon tödlich. Draußen auf der Straße habe er mehrere weitere Personen mit dem Messer oder auf andere Weise verletzt. Er sei von Passanten verfolgt worden, die versucht hätten, ihn zu stoppen. Schließlich habe die Polizei ihn festnehmen können. Nach Angaben von Innensenator Grote gab es sieben Verletzte, die aber inzwischen außer Lebensgefahr seien.

Der Angreifer wird derzeit dem Haftrichter vorgeführt. Bisher habe er keine Aussagen zu seiner Tat gemacht, da er bei der Festnahme verletzt worden sei und unter starken Kopfschmerzen leide.

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Kanzlerin Angela Merkel hat den Angehörigen des Todesopfers ihr tiefes Mitgefühl ausgesprochen. "Ich trauere um das Opfer der grausamen Attacke in Hamburg. Seinen Angehörigen gilt mein tiefes Mitgefühl." Den Verletzten wünsche sie "vollständige Genesung der körperlichen und seelischen Wunden".

Merkel und Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) dankten der Polizei sowie einigen Bürgern für ihre Zivilcourage bei der Ergreifung des Täters.