ADAC-Fahrradreparatur:Da biste platt

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ADAC-Fahrradreparatur: Mit einem kaputten Fahrrad bleibt man künftig nicht mehr allein: Der ADAC bietet jetzt eine Pannenhilfe für die unmotorisierten Zweiräder an.

Mit einem kaputten Fahrrad bleibt man künftig nicht mehr allein: Der ADAC bietet jetzt eine Pannenhilfe für die unmotorisierten Zweiräder an.

(Foto: Imago images/Shotshop)

Von Juni an sollen die 21 Millionen ADAC-Mitglieder in den Genuss von Pannenhilfe für ihre Fahrräder kommen. Eine Zeitenwende in Europas größtem Verkehrsclub - und gut fürs Image.

Von Martin Zips

Es tut sich wieder was beim größten Verkehrsclub Europas. Gerade erst hatten sich Teile des ADAC für ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen stark gemacht. Das war neu. Dann gab der seit einem Jahr amtierende ADAC-Präsident Christian Reinicke die Prämisse aus, für die Fahrt zum Bäcker müsse man nicht zwangsläufig den SUV benutzen, da dürfe man sich selbst als ADAC-Mitglied ruhig mal auf den Fahrradsattel werfen. Eine Zeitenwende! Und jetzt auch noch das: Der ADAC führt für seine Mitglieder eine kostenlose bundesweite Fahrrad-Pannenhilfe ein. Und zwar schon ab Juni, einem Monat, von dem bereits jetzt feststeht, dass er als "Neun-Euro-Ticket-" sowie "Billig-Benzin-Monat" in die bundesdeutsche Umweltgeschichte eingehen wird.

Das ADAC-Angebot, welches in Berlin und Brandenburg zuvor getestet wurde und nun deutschlandweit angeboten werden soll, wurde auf der Hauptversammlung des Vereins am Samstag in Wiesbaden beschlossen. Die Sache scheint durchgerechnet zu sein: 75 Prozent der Fahrradpannen drehten sich um platte Reifen, erklärte ADAC-Vorstand Oliver Weissenberger. Eine Reparatur durch den ADAC-Pannenhelfer erfordere 40 Minuten. Damit dauere sie zwar doppelt so lang wie beim Auto, aber mit ein bisschen Erfahrung könnten das die gelben Engel schon ausgleichen.

Führerschein gilt unter jungen Leuten als eher uncool

Jetzt, da alle Welt vom dringenden Umschwenken in der Energie- und Klimapolitik spricht, von Car-Sharing und E-Bikes, könnte es für einen 119 Jahre alten Automobilverein geradezu fatal sein, weiter an alten Denkmustern festzuhalten. Der Führerschein wird unter jungen Leuten als zunehmend uncool (zu teuer, zu umständlich, zu umweltschädlich) angesehen, auch eine Mitgliedschaft in "Deutschlands Automobilclub Nr. 1" wird nicht mehr als zwingend empfunden für die bundesdeutsche Familien-DNA. Ebenso wenig wie die einst monatlich mit der Post in die Haushalte gelieferte ADAC Motorwelt, die es mittlerweile nur noch als Vierteljahresausgabe in deutsche Supermärkte schafft. Auch der (manipulierte) Autopreis "Gelber Engel" hatte den Verein in Verruf gebracht. Aber man möchte nicht klagen: 21,2 Millionen Mitglieder hat der ADAC ja noch. Allerdings musste er 2020 ein deutliches Minus (von 26 624 Mitgliedern) verzeichnen.

Jetzt geht es darum, den Verein zukunftsfähig machen. "Das Bedürfnis nach Hilfe, Rat und Schutz endet nicht im Bereich der Mobilität", so ADAC-Präsident Reinicke vor 220 Delegierten. Getestet wird daher auch ein Schlüsseldienst - und für Premiummitglieder gibt es eine Gesundheits-App mit telemedizinischer Beratung durch deutschsprachige Ärzte auf Auslandsreisen. Nicht zu vergessen: Die ADAC-Luftrettung! Mehr Angebote, mehr Spezifizierung, mehr Gewinne. Bereits 2020 waren die Beiträge erhöht worden. Gleichzeitig sanken pandemiebedingt die Ausgaben.

Sorgen machen dürfte sich angesichts der neuen Entwicklung - neben den Fahrradhändlern - vor allem der 1979 gegründete "Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club" ADFC mit seinen 213 000 Mitgliedern. Dessen Mitgliederzahlen gingen zuletzt steil nach oben. Einen mobilen Fahrradpannendienst bietet man hier schon seit sechs Jahren an. Vielleicht sollte man künftig auch mal Autos reparieren.

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