Reimraum:Beats und Business

Reimraum: Beats basteln: Göcgel Sinan Dogan weiß, wie es geht.

Beats basteln: Göcgel Sinan Dogan weiß, wie es geht.

(Foto: Ben Mattern/Camo Media)

Der Münchner Produzent Zinobeatz weiß, wie man Hip-Hopper überzeugt. Inzwischen produziert er nicht nur, sondern hat auch einen eigenen Musikverlag gegründet, mit dem er junge Künstler vertritt.

Von Vivian Harris

Verwaltungsarbeit klingt immer furchtbar öde. Es klingt nach sortieren, organisieren und E-Mails hin- und herschieben. Göcgel Sinan Dogan ist jetzt schon fast 20 Jahre administrativ tätig. Der 36-Jährige sortiert und kategorisiert, er schickt E-Mails raus und hofft, dass auch wieder welche zurückkommen. Inzwischen tun sie das. Für Dogan alias Zinobeatz hat sich die Hartnäckigkeit zu Beginn seiner Karriere ausgezahlt: Anfragen schickte der Hip-Hop-Produzent damals rund 100 Stück raus, alle paar Wochen, mit dem Vorschlag, seinen Beat doch für einen Song zu verwenden. Fünf Antworten kamen im Schnitt etwa zurück. Und aus dreien davon wurde meist mehr.

"Mit 17 habe ich zum ersten Mal Musik auf dem Computer gemacht", sagt Dogan, dessen Familie Ende der Achtziger von Ostanatolien nach München zog. Irgendwann habe ihn der Rest einfach nicht mehr gereizt: Saz, Darbuka und andere traditionelle türkische Instrumente brachte er sich schon früh selbst bei. Später, von westlicher Musik inspiriert, kamen Klavier und Gitarre dazu. Deren Grenzen habe er aber schnell ausgetestet, so der Producer. "Ich habe also mein ganzes Wissen auf die digitale Musik übertragen und meine ersten Beats gebaut." Die landeten direkt auf Myspace: "Ich war nie der, der still und heimlich Musik macht", sagt er. "Sobald es einen Beat gab, habe ich Leute angeschrieben - einfach drauflos." Und sein Sound kam gut an: deep und melancholisch mit orientalischem Einfluss. Ziemlich schnell folgten Veröffentlichungen. Mal auf Platten von damals noch unbekannten Künstlern wie Fard oder Pa Sports, aber auch bei Szenegrößen wie Bushido.

"Während der ganzen Zeit habe ich den Geschäftssinn für mich entdeckt", sagt Zino, der sein erstes Geld damit verdiente, auf dem Viktualienmarkt Äpfel zu polieren. Verhandlungen und gute Deals seien immer ein wichtiger Bestandteil seiner Karriere gewesen. Ihm geht es um mehr, als sich musikalisch auszuprobieren. Sein Anspruch war schon immer etwas realistischer: "Ich mag es, meinen typisch orientalischen Sounds in meine Produktionen zu packen. Aber ich mag noch mehr, wenn andere das auch feiern." Sein größter Erfolg: die Single "Qa Bone" von Azet und Raf Camora, die mit seinem Beat Platin-Status erreichte.

Mit seinem eigenen Verlag möchte er auch neuen Talenten helfen

Bei dem Münchner lief bis vor ein paar Jahren also eigentlich alles super: Er kündigte nach mehreren Nummer-eins-Hits mit namenhaften Künstlern wie Kool Savas oder Kurdo seinen Day-Job und wurde von einem Major Label unter Vertrag genommen. Die weiteren Platzierungen, die er sich dadurch erhoffte, blieben aber aus. Und Zino machte schließlich das, was er am besten kann: machen. Er verschaffte sich wieder eigene Projekte, produzierte Alben, verdiente Geld und beendete die Zusammenarbeit mit seinem Label. "Die falsche Illusion von einem Musikverlag hat mich zum Umdenken gebracht", sagt er und gründete deshalb vor gut drei Jahren einen eigenen: Mit dem Produzentenverlag 29th Avenue Publishing möchte Zinobeatz Newcomer so platzieren, wie er es bei sich selbst getan hat. Um ihnen eine reale Chance auf Erfolg zu geben.

Also sortiert er wieder, organisiert und kuratiert: Alle 14 Tage durchforstet er die Beats seiner Producer, um eine exklusive Auswahl an Künstler, Manager und andere Kontakte der letzten Jahre zu schicken. Einen Teil der administrativen Arbeit gibt Zino inzwischen an Warner Chapell Music ab, wo er selbst auch unter Vertrag steht. Das verschafft ihm Sicherheit und noch mehr Zeit für seine eigenen Artists. 50 sind das mittlerweile. Von ihnen wünscht sich Zino die krassesten Beats, klar. Aber auch einen gewissen Geschäftssinn: Kommunizieren sollen sie können und wissen, wie Musik vertrieben wird. Damit, so wie jetzt gerade, internationale Platzierungen anstehen. Noch mehr davon, das ist Zinos Ziel. Auch wenn das für ihn bedeutet, verwalten zu müssen.

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