Wolfratshausen:Starkes Bier und starke Worte

Lesezeit: 2 min

Die Loisachtaler Bauernbühne und Bruder Barnabas haben beim diesjährigen Politiker-Derblecken keine thematischen Probleme, schließlich stehen ja die Kommunalwahlen vor der Tür

Von Michael Korell

Wolfratshausen: In den kommenden Tagen geht es nach der fünften Jahreszeit politisch zur Sache. Auch heuer tritt Bruder Barnabas in Geretsried auf die Bühne, zum zehnjährigen Starkbierjubiläum hat er eine Überraschung angekündigt.

In den kommenden Tagen geht es nach der fünften Jahreszeit politisch zur Sache. Auch heuer tritt Bruder Barnabas in Geretsried auf die Bühne, zum zehnjährigen Starkbierjubiläum hat er eine Überraschung angekündigt.

(Foto: WOR)

Die Fastenzeit ist angebrochen und allerorten hebt das große Derblecken und Politisieren an. Einer, der damit langjährige Erfahrung hat , ist Wiggerl Gollwitzer, Chef der Loisachtaler Bauernbühne, die beim kabarettistischen Geschäft seit Jahr und Tag eine Menge Phantasie an den Tag legt und sich heuer in der besonders glücklichen Lage sieht, dass Kommunalwahlen unmittelbar vor der Tür stehen. An Themen fehlt es deshalb nicht, und so müssen sich vor allem die drei Wolfratshauser Bürgermeisterkandidaten, die seit einigen Wochen ohnehin schon im Rampenlicht stehen, warm anziehen. Peter Plößl, Fritz Meixner und Klaus Heilinglechner können getrost davon ausgehen, dass sie am Freitag in der Loisachhalle nicht ungeschoren davonkommen.

Auch wenn es dabei rustikal zugeht, achtet man bei den Loisachtalern konsequent darauf, nicht unter die Gürtellinie zu gehen. "Mit vulgären Ausdrücken die Lacher des Publikums" zu erhaschen, das habe man wirklich nicht nötig, versichert der Ober-Derblecker. Gollwitzer verspricht eine humorige Veranstaltung auf angemessenem Niveau, wobei er einräumt, dass die Leidensfähigkeit der Adressaten nicht durchwegs gleich ausgeprägt ist. Nicht jeder verträgt nach seiner Erfahrung alles. "Warum ausgerechnet ich?" Diese Frage sei ihm nach den Vorstellungen der vergangenen Jahre immer und immer wieder gefragt worden. Und mal seien die Leute dabei mehr oder weniger zerknirscht. Gollwitzers Devise lautet: Die Leute sollen "getroffen werden, aber nicht betroffen sein". Oder, wie es der Bruder Barnabas vermutlich formulieren würde: Ein guter Hirte schert seine Schafe, aber er zieht ihnen nicht das Fell über die Ohren.

Was den Wolfratshausern recht ist, das ist den Geretsriedern nur billig: Auch hier wird derbleckt, sogar zweimal am Freitag und Samstag, 7. und 8. März. Das Programm ist das gleiche, Grund für die Wiederholung ist, dass es aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt ist, mehr als 400 Gäste auf einmal in den Ratsstubensaal zu lassen. Als Fastenprediger Bruder Barnabas tritt in Geretsried Ludwig Schmid auf die Bühne, der vorab schon angekündigt hat, er werde anlässlich des zehnjährigen Starkbierfest-Jubiläums für die Gäste eine Überraschung bereithalten. Während das Geretsrieder Derblecken von der "Bunkerblasmusik" begleitet wird, setzt man in Wolfratshausen auf die Oktoberfestkapelle"Münchner Zwietracht" , die sich schon im vergangenen Jahr als Stimmungsgarant bewährt hat. Ein zweites Starkbierfest gibt es übrigens auch im Wolfratshauser Ortsteil Farchet, dort sorgt die Stadtkapelle am Samstag, 15. Februar, also unmittelbar vor dem Wahlsonntag, in der Mehrzweckhalle für Unterhaltung. Derbleckt wird auch in einigen kleineren Orten des Landkreises, unter anderem in Ascholding, Egling und Königsdorf (Kasten).

Ergänzt werden diese kabarettistischen Darbietungen durch das traditionelle Fischessen und den politischen Aschermittwoch, eine gern genutzte Gelegenheit für Politiker, in eigener Sache auf den Putz zu hauen, den politischen Gegner zu attackeren, ihn zu verunsichern und die Volksseele in Wallung zu bringen. Vorbild ist seit Beginn der 1950er Jahre die CSU mit ihren hitzigen Großveranstaltungen in Passau. Es war übrigens der Bayerische Bauernbund, der das Politisieren am Aschermittwoch 1919 mit einer Kundgebung begründete. Seither hat das Derblecken seinen festen Platz im Terminkalender der Politiker, ob in Berlin oder als Bürgermeisterkandidat von Bad Tölz, Geretsried oder Wolfratshausen. Anders als beim Derblecken wird dabei an der Gürtellinie nicht unbedingt haltgemacht.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema