Mitten in Wolfratshausen:Museum WOR

Lesezeit: 1 min

Mühselig hat sich die Stadt auf einen Namen für das neue Museum verständigt. Doch nun ist der Schriftzug zu lang - und verträgt sich nicht mit der Werbeanlagensatzung.

Kolumne von Benjamin Engel, Wolfratshausen

Manchmal könnte man die Wolfratshauser für echte Schildbürger halten. Im Vorjahr hatte der Stadtrat mühsam um einen Nachfolgenamen für das frühere Heimatmuseums am Untermarkt gerungen. Nach langer Grübelei einigte man sich auf "Museum Wolfratshausen" - klar, modern und reduziert genug, wie es schien. Doch womöglich hätten die Räte lieber zweimal nachdenken müssen, um festzustellen, dass der kleinste gemeinsame Nenner am Ende nicht die Ideallösung ist. Denn den Kommunalpolitikern kommt nun ihre eigene Werbeanlagensatzung dazwischen. Weil der neue Name nämlich so lang ist, hatte die Verwaltung vorgeschlagen, ihn in zwei Zeilen über der Eingangstür anzubringen. Diese Mehrzeiligkeit widerspricht aber im denkmalgeschützten Ensemble der Altstadt Paragraph 3, Absatz 2 der Vorgaben.

Am Ende wirkten die Räte im Bauausschuss am Mittwoch fast genauso schlau wie vorher. Überzeugen konnten weder Gerlinde Berchtolds (SPD) Idee, die Buchstaben aller Hinweise auf das Kaffeehaus, die Tourist-Info und das Museum einfach kleiner zu machen, um der Werbeanlagensatzung genüge zu tun, noch Josef Prallers (BVW) Vorschlag, einfach nur "Museum" zu schreiben. Fritz Schnaller (SPD) konnte es Renate Tilke ebenso wenig recht machen, als für eine Ausnahmeregelung plädierte, da nur der Schriftzug "Museum Wolfratshausen" ein Mehr an Information verspreche. Der Standort mache die Art des Museums auch nicht deutlicher, fand die CSU-Rätin. Dass eine Abweichung von der Werbeanlagensatzung nicht in Frage komme, darin waren sich außer Schnaller alle einig. Die Stadt könne nichts Dümmeres tun, konstatierte der Zweite Bürgermeister Günther Eibl (CSU), als sich selbst zu bevorteilen.

Der Handlungsspielraum bleibt also ziemlich gering, zumal das Gremium erst ein paar Minuten zuvor hinterleuchtete Motivbeklebungen für die Fenster im ersten Stock des neu entstehenden Geschäftshaus am Untermarkt 7 bis 11 abgelehnt hatte. Sonst drohe die Flößerstadt "zum Las Vegas des Landkreises" zu werden, hatte Eibl gemahnt. Angesichts dieser Sachlage werden die Wolfratshauser Stadträte wohl über einen neuen Namen nachdenken müssen. "Museum WOR" vielleicht.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema