Wolfratshausen Japanische Partnerstadt sagt Austausch aus Amok-Angst ab

Nach den Anschlägen sorgen sich die Eltern um ihre Mädchen. Bürgermeister Klaus Heilinglechner bedauert die Absage.

Die Gasteltern standen schon bereit, das Programm war festgezurrt, nun muss alles abgesagt werden: Die sechs jugendlichen Mädchen und ihre zwei Betreuer aus der japanischen Partnerstadt Iruma, die im Rahmen des Jugendaustausches vom 8. bis 15. August eine Woche in Wolfratshausen verbringen wollten, haben ihren Besuch abgesagt. Grund sind die jüngsten Anschläge und der Amoklauf in Bayern. Die Eltern seien um die Sicherheit ihrer Kinder besorgt, hat Irumas Bürgermeister Tatsuo Tanaka seinem Amtskollegen in der Partnerstadt, Klaus Heilinglechner, in einem Schreiben mitgeteilt.

Darin bezieht sich Tanaka auf "einige Amokläufe", die es in den vergangenen zwei Wochen in Bayern gegeben habe. Zwar habe er auch einen Bericht erhalten, dass in Wolfratshausen alles in Ordnung sei und man nicht mit einem Angriff rechne. Nach Gesprächen mit den Eltern der Jugendlichen, dem stellvertretenden Bürgermeister und dem Vorsitzenden des Vereins für den internationalen Austausch habe er jedoch den Entschluss gefasst, den Besuch abzusagen. "Es ist eine bittere Entscheidung für mich", schreibt Tanaka. Er wolle sich bei den Gastfamilien und Organisatoren "tief entschuldigen". Die Mädchen hätten sich auf den Besuch sehr gefreut, ihre Eltern hätten jedoch angesichts der jüngsten Ereignisse Angst um sie.

"Ich bedauere die Absage, aber ich akzeptiere die Entscheidung der Eltern", sagt Heilinglechner, der das Schreiben am Montag erhalten hat. Das werde er Tanaka in seiner Antwort auch so mitteilen. Zwar könne man sich momentan auf der ganzen Welt nirgends sicher sein, ob etwas passiere, und er zähle Oberbayern nach wie vor zu den sichersten Regionen, sagt Heilinglechner. Allerdings müsse man auch die Eltern verstehen, die sich um ihre Kinder sorgten. Claudia Holzer von der Stadtverwaltung hat Tanakas Schreiben am Montag allen Gasteltern weitergeleitet und sämtliche Programmpunkte abgesagt. Vorgesehen waren unter anderem Ausflüge nach München, in die Bergen und Besuche verschiedener Museen. Finanzielle Ausfälle gibt es laut Holzer nicht. Auch Dietlind Diepen, Vorsitzende des Wolfratshauser Partnerschaftsvereins, bedauert die Absage. Man müsse die Entscheidung jedoch akzeptieren, sagte sie. Beim Gegenbesuch der Wolfratshauser Delegation im Herbst in Iruma werde die Sicherheitslage in Bayern sicher ein Gesprächsthema sein.

Von der kann auch das Ensemble der "Tokyo Opera Association" berichten, das am Sonntag in der Loisachhalle ein Gastspiel hatte - vor wenig Publikum. Sowohl Diepen als auch Heilinglechner haben sich die japanische Oper angesehen und waren nach eigenem Bekunden begeistert. "Ich bedauere, dass die Vororganisation seitens des Veranstalters so mangelhaft war", sagt Diepen. "Die Oper hätte mehr Zuschauer verdient gehabt."