Umstrittener Wenzberg Hoffnung auf Aufarbeitung bleibt

Nach der Ickinger Entscheidung, den Namen Wenzberg beizubehalten, gibt es Forderungen, sich weiter mit der Nazi-Vergangenheit des Orts zu beschäftigen.

Von Katharina Schmid

Die Entscheidung ist gefallen, die Diskussion hält weiter an. Vergangenen Montag stimmte der Ickinger Gemeinderat in einer Sondersitzung mit nur einer Gegenstimme für die Beibehaltung des Straßennamens "Wenzberg", nach den Liegenschaften des Architekten und Nationalsozialisten Paul Wenz und dessen Familie benannt. Für eine Umbenennung würden sich keine juristisch und historisch haltbaren Argumente finden. Wenz sei lediglich "nominelles" Mitglied der NSDAP gewesen. So lautete die Begründung zur Empfehlung des Arbeitskreises (AK), welcher der Gemeinderat gefolgt war.

Die Meinungen zu der nach langer Debatte getroffenen Entscheidung sind jedoch gespalten. Viele Ickinger seien froh, dass das Thema endlich vom Tisch sei, so der Eindruck von Gemeinderat Christian Mielich (SPD). Andere würden ihn ansprechen und fragen, wie es nur zu diesem Ergebnis habe kommen können. Mielich, der über lange Zeit für die Umbenennung des Wenzbergs plädiert hatte, stimmte am Montag entgegen dieser Haltung für die Beibehaltung des Namens.

Als Architekt hat Paul Wenz das heutige Geretsrieder Rathaus gebaut.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Wegen der Ergebnisse des AKs hätten Anwohner nun die Möglichkeit, juristisch gegen eine Umbenennung vorzugehen. Deshalb habe er "kapitulieren müssen". "Wenz war Nazi, er ist freiwillig eingetreten, er hat Positionen angenommen, ihm sind Ämter zugefallen, er hat fürs Regime gebaut, er war also nicht nur ein kleiner Mitläufer, sondern ein gescheiter. Und er ist mit ein Grund, warum es eine Kollektivschuld des deutschen Volkes gab", sagt Mielich. Deshalb vertrete er auch weiter die Meinung, dass der Wenzberg bei seiner Benennung Mitte der 1950er Jahre nie diesen Namen hätte erhalten dürfen. Die Aufgabe des AK jedoch sei es gewesen, herauszufinden, inwieweit die Familie Wenz in nationalsozialistische Verbrechen involviert gewesen sei. "Und da war zu wenig zu finden." Dennoch werde er nicht locker lassen und weiterhin vehement für die Umbenennung der Kinderkrippe "Am Wenzberg" eintreten. Auch sei er unglücklich damit, dass der AK hinter verschlossenen Türen gearbeitet habe und damit Details für die Öffentlichkeit verschlossen bleiben.

Die Ickinger Historikerin Sybille Krafft bedauert die am Montag getroffene Entscheidung. Dennoch gelte es nun, nach vorne zu schauen und das Beste daraus zu machen. "Das Positive daran ist, dass wir als Ickinger uns mit der NS-Vergangenheit unseres Ortes auseinandergesetzt haben." Sie hoffe, dass damit der Auftakt für eine weitere und intensive Beschäftigung mit der Vergangenheit Ickings gesetzt sei. Die beiden Leiter des Arbeitskreises, Marita Krauss und Erich Kasberger, seien renommierte Historiker und hätten "sicher gut recherchiert". Das Ergebnis sei dann "eine Frage der Bewertung", sagt Krafft weiter. Wichtig sei es nun, durch eine gute Beschilderung Angebote zur geschichtlichen Information zu machen.

Else Wenz-Viëtor und Paul Wenz im Jahr 1955.

(Foto: Archiv Schweiger)

Alfred von Hofacker, ehemals für die SPD im Gemeinderat und Sohn eines Widerstandskämpfers gegen das NS-Regime, beklagt, dass in der gesamten Diskussion nie die Frage nach der Bedeutung von Mitläufern im Nationalsozialismus gestellt worden sei. "Wenz war kein Verbrecher und er hatte jüdische Freunde, aber er war fest ins System eingebunden, er vertrat das System", argumentiert von Hofacker. Deshalb wäre eine Umbenennung ein wichtiges Signal gewesen. Er habe die Diskussion von Beginn an interessiert verfolgt, jedoch auch von Anfang an beobachten müssen, dass der Gemeinderat sehr früh die Weichen gestellt habe, "alles beim Alten zu lassen und lediglich Schilder zur Information aufzustellen".

Von Hofacker bedauert vor allem, dass das Interesse der Ickinger an der Debatte um den Wenzberg seiner Beobachtung nach eher gering war. "Ich war überrascht, wie wenig Zuhörer am Montag in der Sitzung waren." Er sei überzeugt, dass die Ickinger die Vergangenheit ihres Ortes noch aufzuarbeiten hätten. "Das wird aber wohl nicht auf Ebene des Gemeinderats passieren." Er hoffe auf die Schulen.

Verena Reithmann, Gemeinderätin der Unabhängigen Bürgerliste Icking, die am Montag als einzige gegen die Beibehaltung des Namens Wenzberg gestimmt hatte, war gestern nicht für keine längere Stellungnahme zu erreichen. Sie spricht jedoch von einer "sehr persönlichen Überlegung", die sie dazu bewogen habe, ihre Stimme gegen den Beschluss einzusetzen.

Christoph Kessler, der mit einem offenen Brief die Diskussion angestoßen hatte, beklagt, dass mit der Debatte hinter verschlossenen Türen und der schnellen Entscheidung des Gemeinderats jede weitere Diskussion abgeschnitten worden sei. Ihm fehle eine "Bewertung aus heutiger Sicht" und er stellt die Frage, "ob es sich eine Gemeinde leisten kann, dass jemand als überzeugter Nazi weiterhin durch Benennung einer zentralen Straße im Bewusstsein der Bevölkerung bleibt".