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Öffentliche WCs:"Durch die beste Reinigung nicht zu kompensieren"

WC Toiletten

Die öffentliche Toiletten-Anlage am Tölzer Bürgergarten unterhalb des Rathauses ist bereits saniert - weitere sollen nun ebenfalls ertüchtigt werden.

(Foto: Manfred Neubauer)

Bad Tölz will mit mehr als einer halben Million Euro seine Toilettenanlagen sanieren - das ist schließlich auch fürs Stadtimage wichtig

Von Klaus Schieder

Vor ein paar Jahren noch waren die öffentlichen Toiletten in Bad Tölz eine ziemlich anrüchige Angelegenheit. Dann begann die Kurstadt, ihre WC-Anlagen für viel Geld peu à peu zu sanieren - unter anderem am Bürgergarten unterhalb des Rathauses, am Zentralparkhaus und im Stadtfriedhof. Schließlich wollte man gerade Touristen, aber auch Einheimischen nicht zumuten, dass sie sich dort wegen übler Gerüche die Nase zuhalten müssen. Kämmerer Hermann Forster gab am Dienstag im Haupt- und Finanzausschuss des Stadtrats nun einen Überblick über jene Toiletten, die noch hergerichtet werden müssen. Kostenpunkt: fast 570 000 Euro.

Trotz der bisherigen Renovierungen gingen im Rathaus in jüngster Zeit immer wieder mal Beschwerden ein über den Zustand der zehn WC-Anlagen, die von der Stadt betrieben werden. "Vor allem zur Sauberkeit", sagte Forster. Einige Toilettenhäuser seien allerdings schon so alt, dass sich der ortsübliche Geruch in ihnen festgesetzt habe. Ihr baulicher Zustand sei "problematisch und auch durch die beste Reinigung nicht zu kompensieren", so der Stadtkämmerer. Hinzu komme, dass die öffentlichen Örtchen gerade in der Corona-Pandemie stark frequentiert wurden. Und dann gebe es auch noch Besucher, die das WC nie so verließen, wie sie es vorgefunden haben, so Forster. "Das sind Zeitgenossen, die scheren sich wenig. Es ist wirklich frappierend, was da abgeht, und es ist ärgerlich - das muss man schon sagen."

Eine neue WC-Anlage möchte Bad Tölz am Wohnmobil-Stellplatz zwischen Königsdorfer Straße und Isarpromenade errichten. Bislang gibt es dort ein eher verstecktes Haus mit Toilette gleich neben der Bahn der Eisstockschützen, das vor allem von den Campern benutzt wird, mitunter aber auch von Spaziergängern auf der Promenade. Forster hat etwa 288 000 Euro für ein modernes WC-Modul veranschlagt, das an einem anderen Platz als neben der Eisstockschützenbahn stehen soll. Wo genau, muss noch mit dem Wasserwirtschaftsamt wegen der Nähe zur Isar geklärt werden. Auch das betagte Toilettenhaus im Franziskanergarten steht auf Forsters Liste. Das werde zwar selten aufgesucht und sei auch nicht verdreckt, "aber uralt". Für rund 188 000 Euro will die Stadt dort "ein WC-Einschubmodell" in das Holzhaus einbauen. Am Zentralen Busbahnhof am Isarkai soll die gesamte Anlage für etwa 66 700 Euro instand gesetzt werden: neue Fenster und Türen, neue Fliesen, neuer Kunstharzboden, neue Sanitärausstattung. Auch das WC am Kalvarienberg soll hergerichtet werden. Vorgesehen sind dort ebenfalls neue Fenster und Türen, außerdem ein neuer Anstrich. Die Kosten betragen dafür etwa 15 000 Euro.

Baustellen-Radtour mit dem Bürgermeister

Das Taubenloch an der Isar ist kürzlich hergerichtet worden. Viele Besucher wünschen sich auch in diesem Park eine WC-Anlage.

Die Stadträte zeigten sich im Hauptausschuss mit diesen Maßnahmen einverstanden. Zwar gebe man in Bad Tölz "horrende Summen" für die Sanierung der WC-Anlagen aus, meinte Peter von der Wippel (FWG). "Aber das ist dringend notwendig, es hat keinen Sinn, an dieser Stelle zu sparen." Für Karsten Bauer (CSU) sind die Ausgaben von mehr als einer halben Million Euro ebenfalls gut investiertes Geld. "Saubere WCs sind eine gute Werbung für unsere Stadt", betonte er. Auch wenn er sich wie von der Wippel sicher sei, dass man für solche Sanierungen kaum Beifall bekomme - dafür aber Kritik, wenn der Zustand der Toiletten zu wünschen übrig lasse.

Bauer hatte noch eine Idee: Nach der Sanierung sei das "Taubenloch" an der Isar gut besucht, die Gäste hielten sich nun auch länger in dem kleinen Park auf. Vielleicht könne man dort eine WC-Anlage schaffen, sagte Bauer, "kombiniert mit einer Bewirtungsmöglichkeit, wo man sich Getränke und eine Wurtsemmel kaufen kann". Willi Streicher (SPD) erzählte, dass er "selten so oft auf etwas angesprochen" worden sei wie auf eine Toilette im Taubenloch. Von den Leuten habe er gehört, "dass es dafür nicht mehr gelangt hat, nachdem die Stadt schon so viel Geld in den Park investiert hat", berichtete Streicher.

Den Vorstoß von Bauer unterstützte auch Richard Hoch (Grüne) - nicht zuletzt "wegen des Spielplatzes, wo Kinder und Eltern länger verweilen". Außerdem forderte er eine bessere Beschilderung des Wegs zu den WC-Anlagen im Stadtgebiet. Seine Anregung, noch eine öffentliche Toilette am Amortplatz zu bauen, wo bis vor Kurzem ein Kiosk stand, lehnte Stadtkämmerer Forster jedoch ab: "Wir können jetzt nicht alle 100 Meter ein WC errichten." Was das Taubenloch angehe, so müsse sich der Stadtrat für den nächsten Haushalt "überlegen, was er machen will und in welchem Zeitraum"

© SZ vom 10.06.2021
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