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Tagesstätte der Caritas:Ein Hort der Wärme und des Miteinanders

In der Tagesstätte des Sozialpsychiatrischen Diensts der Caritas in Geretsried treffen sich Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen. Hier finden sie Zuwendung, Aufmerksamkeit und ein offenes Ohr. Der SZ-Adventskalender unterstützt die Einrichtung mit einer Spende.

Günter S. (Namen aller Besucher geändert) ist glücklich, wenn ihn jemand anlächelt. "Das reicht mir schon", sagt der stille Mann, der auch gerne lächelt. Nach mehreren Schlaganfällen fiel der 56-Jährige in eine schwere Depression. Er sei kurz davor gewesen, sich das Leben zu nehmen, erzählt er: "Aber das ging nicht, ich habe ja Verpflichtungen." Er meint seine Frau und seine Kinder. Er habe dann selbst gemerkt, dass es so nicht weiter gehen könne.

SZ Adventskalender 2013

Mit dem speziell umgebauten Bus holen die Mitarbeiter der Tagesstätte Menschen ab, die gehbehindert sind oder wegen ihrer Erkrankung nicht mehr alleine zu den Treffen kommen können. Im Sommer muss er abgelöst werden.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Während seine Frau arbeitet, muss Günter S. nicht mehr allein zu Hause sein, sondern kann in die Tagesstätte "Ausblick" der Caritas in Geretsried kommen. Hier ist er unter Menschen, hier hat er etwas zu tun. Alles, was angeboten werde, mache er mit, berichtet er, und es klingt, als sei das sein Anker. "Mir geht es zur Zeit viel besser", sagt er. "Ich habe mir viel Mühe gegeben, dass ich die Folgen der Schlaganfälle aus dem Weg räumen konnte. Jeder Mensch hilft dabei."

Die Tagesstätte gehört zum Sozialpsychiatrischen Dienst der Caritas und richtet sich an Menschen, die ihre seelische Gesundheit aktiv unterstützen wollen. An diesem Freitag vor dem ersten Advent sind etwa 20 Besucher gekommen. Um 10 Uhr gibt es Brunch mit Semmeln und Brezen und einem Buffet, das die Besucher selbst hergerichtet haben. Auch das Einkaufen für die Mittagsmahlzeiten, die es an den anderen Tagen der Woche gibt, erledigen einige Besucher, gekocht wird ebenfalls gemeinsam. Daniela Volk, Sozialpädagogin und eine der fünf hauptamtlichen Mitarbeiterinnen, sagt: "Jeder, der kommt, trägt zum Gelingen bei." Ihre Beiträge leisten die Besucher je nachdem, was sie können und gerne tun.

33 Stunden in der Woche hat die Tagesstätte geöffnet. Der Besuch dort gibt den Tagen Struktur und den Menschen Halt. Oder, wie Besucher Hermann F. sagt: "Wir sitzen nicht zu Hause herum und kommen auf schlechte Gedanken." Der 80-Jährige gehört zu den ältesten Besuchern. Auch er litt unter schweren Depressionen. "Wenn wir herkommen, haben wir ein Ziel, wir wissen, was wir tun und der Tag ist ausgefüllt", erklärt er, und dann trägt er das ganze Wochenprogramm der Tagesstätte vor: Vom Basteln über Nordic Walking hin zum Gesprächskreis "Über Gott und die Welt" mit dem katholischen Diakon Michael Baindl. Er selbst singt gerne im Chor, vor allem Volkslieder, momentan üben die Sänger für die Weihnachtsfeier. Auch an Heiligabend und Silvester hat die Tagesstätte geöffnet, weil das besonders schwierige Tage sind für Menschen, die krank und einsam sind und die oft niemanden haben, mit dem sie feiern könnten.

Am Donnerstag hat die Kreativgruppe Adventskränze gebunden - für die Tagesstätte und für zu Hause. Für Susanne B. ist diese Gruppe besonders wichtig, die von einer Honorarkraft geleitet wird. "Gestern habe ich eine Adventskranz gemacht und mit heimgenommen. Da war ich ganz stolz", berichtet die 49-Jährige. Ihre Depression begann mit dem Tod der Mutter vor bald 30 Jahren. Die Kreativgruppe fertigt Dekorationsartikel, aber auch Geburtstagsgeschenke für die Besucher und Dinge wie Tischkärtchen.

Susanne B. häkelt und strickt besonders gerne. Aber sie bastelt nicht nur. Im Zuverdienstprojekt hat sie auch einen kleinen Nebenjob. Der Sozialpsychiatrische Dienst bietet Arbeitsplätze zum Beispiel im Kinderladen im Caritaszentrum an. In der Tagesstätte werden für wenig Geld Wäsche und Hemden gemangelt und gebügelt. Dieser Bügelservice freut sich ebenso über Privatkunden wie der Hausmeisterservice.

Wer eine psychische Krankheit hat, verliert häufig seinen Arbeitsplatz. Wieder arbeiten zu können, ist für die meisten Menschen, die der Sozialpsychiatrische Dienst betreut, ein riesiger Fortschritt, und nur selten komme es vor, dass jemand wieder eine reguläre Beschäftigung finde, sagen Volk und Grimm. Wie die Frau, die lange Besucherin der Tagesstätte war und nun wieder eine Arbeitsstelle hat. "Weil ich hier war, bin ich gesund geworden", sagte sie Grimm bei einem spontanen Besuch vor wenigen Tagen.

Für andere ist es schon ein Erfolg, überhaupt in die Tagesstätte kommen zu können. Volk und Grimm berichten von einem Mann, der wegen einer schweren Angsterkrankung lange nicht einmal in der Lage war, aus dem Bett aufzustehen. Als er das geschafft hatte, dauerte es ein Jahr, bis er sein Zimmer in einer stationären Einrichtung verlassen konnte. Nun kommt er zweimal pro Woche in die Tagesstätte und war sogar schon einmal bei einer der kurzen Reisen der Tagesstätte dabei. "Er war so glücklich, dass er mitkonnte auf die Freizeit, so stolz, dass er das geschafft hatte", sagt Grimm.

Angststörungen gehören zu den häufigsten Erkrankungen, an denen die Besucher leiden. Andere haben Zwangserkrankungen, manche sind schizophren oder haben Psychosen. Sie kommen über stationäre Einrichtungen, Ärzte oder die sozialpsychiatrische Beratungsstelle der Caritas in die Tagesstätte, manche auch durch Mundpropaganda. Alle sind freiwillig da, was Hermann F. betont: "Man wird hier zu nichts gezwungen."

Um Besucher abholen und wieder nach Hause bringen zu können, die gehbehindert sind oder wegen ihrer psychischen Erkrankung nicht selbständig kommen können, verfügt die Tagesstätte über einen geleasten Kleinbus. Mit dem Fahrzeug werden auch die Kurzurlaube unternommen. Der Bus muss im Sommer abgelöst werden. Er wurde speziell für die Bedürfnisse der Besucher umgebaut, hat zum Beispiel eine Einstiegshilfe für Besucher, die einen Rollator brauchen. Um den Bus endgültig erwerben zu können, könnte die Tagesstätte Spenden aus dem Adventskalender gut gebrauchen.