Kunstpreis:Ein Tölzer Bub

Kunstpreis: "Es ist gar nicht so leicht, eine Person zu spielen, die im Publikum sitzt und vielen Leuten bekannt ist": Stefan Murr als und mit Hubert Aiwanger.

"Es ist gar nicht so leicht, eine Person zu spielen, die im Publikum sitzt und vielen Leuten bekannt ist": Stefan Murr als und mit Hubert Aiwanger.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Schauspieler Stefan Murr hat den Bezug zu seiner Heimatstadt und zu seinem Dialekt nie verloren. Neben Engagements im Film und am Theater produziert er Hörbücher und tritt regelmäßig am Münchner Nockherberg auf.

Von Sophia Coper, Bad Tölz

Beruflich mag Stefan Murr in fremde Rollen schlüpfen, ein Stückchen Heimat hat er aber eigentlich immer dabei. Ob auf der Theaterbühne oder am Filmset - seinen bairischen Einschlag verleugnet er nicht. "Ich empfinde Dialekte als bereichernd. Gerade in unserer grenzenlosen Welt ist es doch schön, wenn man weiß, wo man herkommt", erklärt der gebürtige Tölzer.

Seit mehr als 20 Jahren ist Murr Teil der deutschen Medien- und Kulturszene. Neben Engagements am Münchner Volkstheater und den Kammerspielen ist er regelmäßig in Film- und Fernsehproduktionen zu sehen. Seine bislang wohl größten Rollen sind die des Stefans in der Heimatfilm-Reihe "Marie fängt Feuer" sowie die des SZ-Journalisten Bastian Obermayer in der Miniserie "Die Ibiza-Affäre". Für sein Schaffen bekommt Murr den Kunstpreis des Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen verliehen.

"Wie die Jungfrau zum Kinde bin ich zum Schauspielen gekommen", erinnert sich Murr. In die Theater-AG am Tölzer Gabriel-von-Seidl-Gymnasium sei er anfangs nur eingetreten, um den eher dürftigen Notendurchschnitt auszugleichen. Als ihm jedoch nach einem Auftritt geraten wurde, den Beruf ernsthaft in Erwägung zu ziehen, "war die Saat gesät", sagt er.

Nach dem Zivildienst studierte er an der renommierten Münchner Schauspielschule Otto Falckenberg, doch zu der Leidenschaft fürs Metier mischten sich früh auch Zweifel. "Ich führe gern ein bodenständiges Leben. Heimat, Familie und Freunde sind mir wichtig", erklärt er, in das enge Korsett eines Schauspielers habe er sich nicht pressen wollen. Nach einer längeren Aus- und Bedenkzeit entschied sich Murr für die Bühne; bereut habe er den Schritt nicht. "Ich arbeite unglaublich gerne. Wenn ich am Set bin, umgeben von Regie, Maske und Kostüm — da lege ich mich rein wie in eine warme Badewanne", schwärmt er.

Murrs Karriereweg zeichnet sich durch Vielfalt aus. Obgleich er vor allem vor der Kamera reüssiert, steht er weiterhin auf der Theaterbühne. Zudem schreibt und produziert er gemeinsam mit dem Schauspielkollegen Heinz-Josef Braun eine Kinderhörbuchreihe, in der die beiden Märchenerzählungen nach Bayern versetzen. "Mir macht die Mischung aus allen Bereichen am meisten Spaß", so Murr. "Klar, ich bin Schauspieler, aber die Abwechslung reizt mich. Gerade deswegen freue ich mich über die Verleihung eines Kunstpreises", sagt er, die Bezeichnung berücksichtige alle Facetten seiner Arbeit.

Vielen ist Murr vom Münchner Nockherberg her bekannt. Seit 2009 verkörpert der Tölzer beim alljährlichen Starkbieranstich unterschiedliche Politiker, zuletzt 2023 den Parteichef der Freien Wähler, Hubert Aiwanger. "Es ist gar nicht so leicht, eine Person zu spielen, die im Publikum sitzt und vielen Leuten bekannt ist", schildert er die Auftritte, in denen Kabarett, Schauspiel und Musical zusammenfließen. Ob er auch als Landrat Josef Niedermaier (FW), der ihn für den Kunstpreis vorgeschlagen hat, auftreten würde? "Wenn er sich genug leistet und wir das vom Kostüm her hinbekommen, spiele ich ihn sehr gerne", sagt Murr lachend.

Kunstpreis: Stefan Murr vor zehn Jahren in seiner Heimatstadt Bad Tölz.

Stefan Murr vor zehn Jahren in seiner Heimatstadt Bad Tölz.

(Foto: Manfred_Neubauer)

Auffällig an der künstlerischen Biografie des Schauspielers ist der bayerische Fokus. "Allein der Sprache wegen gelte ich in der Branche als der Bayer", sagt Murr ohne Bedauern. In die Ferne habe es ihn nie ernsthaft gezogen, seit mehr als 20 Jahren lebt er in München. "Den Heimatbezug wollte man mir am Anfang abgewöhnen, aber ich bin nicht der Typ, der ohne Grund irgendwo hingeht. Mir ist das Gefühl wichtig, im Fall der Fälle immer schnell meine Familie erreichen zu können. Ich brauche diese Sicherheit. Gerade in dieser unsicheren Branche."

Murr stattet seiner Heimatstadt regelmäßig Besuch ab, und die Verleihung des Kunstpreises ist dafür ein besonders schöner Anlass. "Mein Vater freut sich natürlich über jede Art von Ehrung, aber dass sein Sohn einen Preis in Tölz entgegennimmt, hat etwas Einzigartiges." Ihm gehe es da ähnlich: "Egal, wo ich arbeite, ich bin immer stolz sagen zu können: Ich bin ein Tölzer Bub."

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: