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Starnberg/Münsing:Ohne Schiff und Steg

An Bord des neuen Schiffs können sogar Elektrofahrräder aufgeladen werden. Wann es ablegen kann, ist bislang unklar.

(Foto: Arlet Ulfers)

Als frühere Pilotkommune der Energiewende hätte sich Münsing gefreut, Namenspate für den ersten elektrischen Dampfer am See zu sein, geht aber leer aus

Von Jessica Schober und Benjamin Engel, Starnberg/Münsing

Die Entscheidung für den Namen des neuen Ausflugsdampfers am Starnberger See ist gefallen: So wie sein Vorgänger wird auch das elektrisch betriebene Schiff, das heuer am Südufer in den Linienverkehr einsteigen soll, "Berg" heißen. Der Berger Bürgermeister Rupert Steigenberger findet das gut. "Ich freue mich sehr, dass unsere Gemeinde wieder namensgebend war", sagt der Freizeitruderer, "besonders weil ich nun bald beim Rudern vom See aus den Namen meiner Heimat auf dem Schiff sehen kann."

Um die Benennung des Schiffes hatte es Rangeleien gegeben. Beworben hatte sich neben Possenhofen und Tutzing auch die Gemeinde Münsing. Bürgermeister Michael Grasl (FW) nimmt die Entscheidung mit Gelassenheit. "Wir hätten uns halt gefreut, als ehemalige Pilotkommune der Energiewende Oberland Pate eines E-Bootes zu werden", sagt er. Mit dem Ammerlander Dampfersteg hat die Gemeinde im Jahr 2018 eine ihrer zwei Schiffsanlegestellen verloren. Damit habe die Kommune leider trotz des größten Uferanteils aller acht See-Gemeinden etwas an Gewicht verloren, sagt Grasl. Für ihn hätte man das Schiff auch nach einer bekannten Persönlichkeit wie Kaiserin Sissi oder Graf Pocci nennen können. Jetzt freue er sich mit der Berger Nachbarkommune.

"Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen", teilt Finanz- und Heimatminister Albert Füracker mit. Er wolle die Tradition fortführen, dass neue Schiffe den Namen einer der See-Gemeinden tragen. "Die neue Berg ist ein Rekordschiff: Als deutschlandweit erstes Seenschiff dieser Größe wird es zu 100 Prozent elektrisch und mit Ökostrom betrieben", so der Minister. Während die anderen Dampfer das Kürzel "MS" im Namen führen, heißt es "EMS" - Elektromotorschiff.

Die EMS Berg hat neben Wlan, Fahrstuhl und Panoramadeck auch breitere Durchgangswege als ihre Vorgängerin, sodass nun Fahrräder an Bord mitgenommen werden können. "Das hatten sich die Passagiere gewünscht, die im Süden des Sees radeln und ihre Fahrräder bislang nur auf der MS Bernried mitnehmen konnten", sagt Michael Grießer, Geschäftsführer der Bayerischen Seenschifffahrt. Elektrofahrräder können an Bord sogar nachgeladen werden. Die Akkus der EMS Berg mit 1600 Kilowattstunden reichten für einen Tageseinsatz mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 20 Kilometern pro Stunde, am Abend werde das Schiff an einem eigenen Anleger aufgeladen. Dafür wurde eigens eine neue Anlage gebaut.

Der Innenausbau kam aufgrund verspäteter Materiallieferungen langsamer voran als geplant. Bis zuletzt wurde an Treppenaufgängen gespachtelt, nun ziert ein historisches Foto mit einem Ernte-Motiv vom Haus der Bayerischen Geschichte die Innenwände. Automaten halten Getränke und Snacks bereit. Äußerlich fügt sich die Berg ins Bild der weiß-blauen Flotte ein, eine Edelstahl-Reling umzäunt das von einer Aussichtsplattform gekrönte Oberdeck.

Wann die für 300 Menschen ausgelegte EMS Berg ablegen kann, ist noch unklar. Öffnungsschritte sind laut Grießer nur nach Absprache mit dem Freistaat Bayern möglich. Solange üben die Kapitäne noch das Rangieren mit dem Schiff. Anders als bei Verbrennungsmotoren zieht der E-Motor ohne Verzögerung an. Statt Motorenbrummen höre man nur Wasserplätschern, schwärmt der Starnberger Betriebsleiter Markus Färber. "Es ist ein tolles Gefühl, als würde man lautlos übers Wasser schweben." Badegäste und Ruderer werden sich wohl noch daran gewöhnen müssen, dass nun ein Schiff auf dem See unterwegs ist, das man kaum hört.

© SZ vom 04.05.2021
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