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Stadtzentrumsgestaltung in Geretsried:Hochpunkt Nummer zwei

Der Sparkassen-Neubau soll "Volumen und Prägnanz" haben, so hat der Gestaltungsbeirat es vorgegeben.

(Foto: HP Ingenieure / oh)

Die Sparkasse plant an der Egerlandstraße in Geretsried einen siebengeschossigen Neubau mit Arkade zum Karl-Lederer-Platz hin. Für die Stadtentwicklung ist dieses Gebäude mit "Prägnanz" als Gegenstück zum Krämmel-Bau erwünscht

Der zweite "städtebauliche Hochpunkt" am Rand des neuen Geretsrieder Stadtzentrums zeichnet sich ab: Die Sparkasse plant, an der Ecke Karl-Lederer-Platz/Egerlandstraße einen Neubau mit sieben Geschossen statt der bisherigen drei. Dies war der Wunsch des städtischen Gestaltungsbeirats und die Vision des Architekten Klaus Kehrbaum, der die Sparkasse überhaupt erst auf die Idee gebracht hatte, den Sechzigerjahrebau abzureißen und dort neu zu bauen. Der Begriff "städtebaulicher Hochpunkt" stammt von Kehrbaum. Der Münchner Architekt begleitet nicht nur seit Jahren die Stadt bei ihren Zentrumsplanungen, er hat auch das maßstabsetzende Wohn- und Geschäftshaus der Krämmel-Gruppe, den sogenannten "Puls G", entworfen. Für die Sparkasse plant das Münsinger Büro HP Ingenieure.

Sparkassen-Vorstand Christian Spindler sagte im Sommer 2018: "Wir haben die Pläne gesehen, wie das Geretsrieder Zentrum künftig aussehen soll, und da war für uns klar: Wir wollen nicht die graue Maus am Eck sein." Heute ergänzt er, es wäre noch besser gewesen, die Idee zum Neubau wäre schon zwei Jahre früher aufgekommen. Denn nun werde es mit dem Verfahren langsam eng.

Derzeit ist der Vorhabenbezogene Bebauungsplan Nr.115/7 mit der Änderung für das Grundstück Egerlandstraße 51 - die Sparkasse - im Rathaus ausgelegt. Interessenten können sich ein Bild von den Entwürfen machen und dazu Stellung nehmen. Aus Sicht der Stadt, also des Stadtrats und des Bauamts, spielt das Gebäude der Sparkasse "eine wesentliche Rolle für die Entwicklung der Stadt". Das hat auch der Gestaltungsbeirat so gesehen, der explizit eine markante Neubebauung befürwortet hat: "Volumen" und "Prägnanz" wurden im April dieses Jahres gefordert. Im Stadtrat war gar der Ruf nach acht Geschossen laut geworden - wozu Spindler freilich gleich Nein gesagt hatte. "Sieben Geschosse sind schon mehr, als wir ursprünglich vorhatten", sagte er im April.

Arkade ohne Stützen

Nun ist ein abgestuftes Gebäude geplant: Im Eckbereich sollen sieben Geschosse errichtet werden, auf der Seite der Egerlandstraße Richtung Rewe fünf. Einen eigenen Charakter soll die Seite am Karl-Lederer-Platz, also gegenüber dem C&A, bekommen: Dort ist dem Erdgeschoss und ersten Stock vorgelagert eine offene Arkade vorgesehen.

Der Gestaltungsbeirat aus externen Fachleuten - vor allem Architekten -, Lokalpolitikern und Verwaltungsmitarbeitern hatte ausdrücklich eine Arkade vorgeschlagen, allerdings mit Stützen, "um das Gebäude wie in der Egerlandstraße fest mit dem öffentlichen Bewegungsraum zu verbinden". Spindler erklärt, der Sparkassen-Vorstand habe sich Entwürfe und Modelle mit und ohne Stützen angesehen und die offene Version einfach schöner gefunden: "Ein bissel transparenter." Das neue Gebäude wird im Erdgeschoss und ersten Stock von der Sparkasse genutzt. Außerdem ist im Parterre wieder ein 70 bis 80 Quadratmeter großes Ladengeschäft vorgesehen. In den oberen Stockwerken entstehen 27 Wohnungen zwischen 40 und 100 Quadratmetern Größe, "hauptsächlich Zwei- und Dreizimmerwohnungen", sagt Spindler.

Ein noch nicht ganz gelöstes Problem sind die Parkplätze. Die Sparkasse baut eine eigene Tiefgarage, die an jene unter der Egerlandstraße angeschlossen wird. Die dort möglichen 27 Plätze reichten aber nicht, erklärt der Vorstandssprecher, es seien noch einmal so viele nötig; die Sparkasse verhandle gerade darüber, Stellplätze abzulösen.

Wenn alles nach Plan läuft, soll im April 2020 abgerissen und Mitte des Jahres mit dem Neubau begonnen werden. Währenddessen kommt die Sparkasse in der Beletage des "Puls G" unter, das war von Anfang an das Angebot der Krämmel-Gruppe. Die Sparkasse hat versucht, ihr Bauvorhaben parallel zu jenem der Baugenossenschaft (BG) zu legen, die auf der anderen Seite der Egerlandstraße die Häuser mit den Nummern 58 bis 74 abreißt, um einen modernen Wohn- und Geschäftskomplex zu errichten. Allerdings will die BG bereits im November mit den Abbrucharbeiten beginnen. Die Fertigstellung ist dort für Ende 2022 vorgesehen; bei der Sparkasse für Ende 2021. Eine Hoffnung, wie Spindler sagt, denn das gerade laufende Bebauungsplanverfahren werde schon noch "spannend". Die Unterlagen, die dazu im Rathaus eingesehen werden können, informieren über Aspekte wie Grundwasser, Verkehr, Lärm- und Naturschutzschutz.

Auslegung des Bebauungsplans im Rathaus Geretsried, Schautafel im Flur vor Zimmer 18; einzusehen im Internet unter www.geretsried.de/Menüpunkt "Aktuelles aus Geretsried"; bis 25. November

© SZ vom 31.10.2019

Die Sparkasse in der Egerlandstraße soll abgerissen werden und einem Neubau weichen.

(Foto: Harry Wolfsbauer)
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