Kaum Sturmschäden, wenig Borkenkäfer:Ein gutes Jahr für den Tölzer Stadtwald

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Kaum Sturmschäden, wenig Borkenkäfer: Der Wald am Tölzer Blomberg befindet sich in einem guten Zustand. Anders als in den Jahren zuvor gab es 2021 kaum Probleme mit Stürmen oder dem Borkenkäfer.

Der Wald am Tölzer Blomberg befindet sich in einem guten Zustand. Anders als in den Jahren zuvor gab es 2021 kaum Probleme mit Stürmen oder dem Borkenkäfer.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Stadtförster Florian Weber zeigt sich zufrieden mit dem Zustand der Bäume am Blomberg und im Farchet. Die gestiegenen Holzpreise bescheren zudem Mehreinnahmen aus dem Verkauf gefällter Festmeter.

Von Klaus Schieder

Florian Weber stellte die Zusammenfassung gleich an den Anfang seines Jahresberichts: "2021 war ein gutes Jahr für den Wald in unserer Region", sagte der Stadtförster von Bad Tölz am Donnerstagabend im Haupt- und Finanzausschuss des Stadtrats. Anders als in den Vorjahren gab es kaum Schäden durch Stürme oder den Borkenkäfer, und das nasskalte Frühjahr brachte auch genug Niederschläge für die Bäume. Rund 370 Hektar Wald besitzt die Stadt Bad Tölz, vor allem am Blomberg und im Farchet. Allerdings warnte Weber davor, sich von dem guten Zustand täuschen zu lassen. "Der Klimawandel schreitet voran", sagte der Stadtförster. Dies habe er etwa in manchen Waldgebieten in Franken gesehen, "da steht nichts mehr". Deshalb sei es die Aufgabe auch im Tölzer Forst, "den Wald relativ schnell umzubauen" - mit Laubbaumarten, die dem künftigen Klima besser zu trotzen vermögen. Am Blomberg, sagte er, gebe es noch viele Nadelhölzer.

Auf der einen Seite muss Weber darauf achten, den Stadtwald zu pflegen und klimagerecht aufzuforsten, andererseits darf er die ökonomische Seite nicht außer Acht lassen - also die Erlöse durch den Holzeinschlag. Voriges Jahr gab es mit rund 150 Festmetern vergleichsweise wenig Schadholz, beispielsweise durch Windwurf bei den Stürmen im Januar und Februar oder durch Käferbefall. Insgesamt wurden 2250 Festmeter Holz gefällt, teils durch Waldarbeiter der Stadt, teils durch Unternehmen. Gut 600 Festmeter wurden zu Jahresbeginn am unteren Stallauer Blomberg geschlagen, knapp 600 dann im Herbst im Gebiet Kothlacke am Übergang vom Blombergweg zum Zwiesel.

Wegen des zunehmenden Trends zum Bauen mit Holz und - angesichts der politischen Lage - auch zum Heizen mit Holz stiegen die Preise enorm an. Früher habe man 45 oder 46 Euro für den Festmeter bekommen, nun 54,60 Euro, teilte Weber mit. Der Gesamterlös für Stammholz und für eher minderwertiges Industrie-, Brenn- und Hackschnitzelholz stieg damit auf 123 029 Euro. Davon entfielen 66 086 Euro auf die Stadt, 56 953 Euro auf Unternehmen. 2020 habe er noch von historisch niedrigen Holzpreisen gesprochen, rekapitulierte der Stadtförster: "Jetzt kann ich fast von historischen hohen Preisen reden." Und diese Tendenz dürfte stabil bleiben oder sogar noch zunehmen. Außerdem bekam die Stadt noch 3840 Euro aus dem waldbaulichen Förderprogramm des Freistaats für 128 Festmeter Fichtenschadholz.

Kaum Sturmschäden, wenig Borkenkäfer: Seinen Jahresbericht legte Stadtförster Florian Weber im Haupt- und Finanzausschuss des Tölzer Stadtrats vor.

Seinen Jahresbericht legte Stadtförster Florian Weber im Haupt- und Finanzausschuss des Tölzer Stadtrats vor.

(Foto: Privat/OH)

Das Wetter hat auch heuer den Tölzer Stadtwald bislang verschont. Die teils starken Winde im Januar und Februar hätten nur vereinzelt zu Windwurfschäden geführt, sagte Weber. Wegen der guten Preise seien weitere Holzeinschläge am Stallauer Blomberg durch Unternehmen vorgesehen. Richard Hoch (Grüne) wollte wissen, ob nach dem Ausbau des Zwieselwegs weitere Maßnahmen auf Forstwegen geplant seien. Allenfalls kleinere, erwiderte der Stadtförster. So müsse ein städtisches Grundstück am Kleinbach auf dem Weg von der Waldherr Alm hinab zur Gassenhofer Alm nach einem starken Platzregen repariert werden. Stadtrat Hoch hatte noch eine andere Frage: Ob das geschlagene Holz nicht direkt an die Tölzer Stadtwerke geliefert werden könne, etwa für deren Heizkraftwerk? Dem stünden die Verträge der Stadtwerke mit der Waldbesitzervereinigung Wolfratshausen entgegen. "Das Holz der kurzen Wege" - etwa vom Blomberg gleich ins Heizkraftwerk - wäre "schon nett", räumte Weber ein: "Aber wir sind keine Lieferanten für Heizholz."

Unwetterschäden beseitigen, problematische Bäume fällen, den neuen Entdeckerpfad am Blomberg verkehrssicher machen - solche Aufgaben nehmen die beiden Waldarbeiter der Stadt mehr in Anspruch als Aufforstung und Pflege. Einer von ihnen ist Ende 2021 gegangen: Josef Hartmann hat sich nach 25 Dienstjahren in den Ruhestand verabschiedet. "Der Sepp hat den Wald immer behandelt, als wäre es sein eigener", lobte Weber. Nachfolger ist Josef Schönherr aus Arzbach.

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