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Stadtrat Wolfratshausen:Hallenbad-Plan gescheitert

Der Stadtrat lehnt eine finanzielle Beteiligung an einem interkommunalen Hallenbad einstimmig ab. Landrat Niedermaier kritisiert das Votum.

Im nördlichen Landkreis wird es auf absehbare Zeit kein gemeinsames Hallenbad aller Nachbarkommunen geben. Dies folgt aus einem Beschluss des Wolfratshauser Stadtrats, in dem am Dienstagabend kein einziges Mitglied für eine weitere Beteiligung an einem solchen Projekt gestimmt hat. Der Beschluss umfasst sowohl die Pläne für den Standort Geretsried als auch für einen Neubau in Ascholding.

Das Geretsrieder Hallenbad.

Mit seinem Votum verhindert der Stadtrat Wolfratshausen ein interkommunales Hallenbad. "Das Thema ist gestorben", sagt Landrat Josef Niedermaier.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Zur selben Zeit beschlossen die Räte in Eurasburg, dass sich ihre Gemeinde nicht an einem kleineren Gemeinschaftshallenbad, sondern lediglich an einer großen Lösung mit Wolfratshausen beteiligen wolle.

Während der Beschluss in Eurasburg einstimmig und ohne größere Diskussion fiel, ging dem Wolfratshauser Votum eine eineinhalbstündige Debatte sowohl über den eigenen Bedarf an einem Hallenbad als auch über Planungskosten und Verfahrensfragen voraus. Bürgermeister Helmut Forster, Mitglieder seiner Bürgervereinigung und die CSU verweisen darauf, dass insbesondere die Wolfratshauser Schüler kein Hallenbad bräuchten, weil es in dem kleinen Lehrschwimmbecken in Weidach pro Jahr 292 Stunden Schwimmunterricht gebe und die zwei Volksschulen ansonsten an einem Wandertag in ein Spaßbad führen.

Dem widersprach vor allem die SPD. Im Weidacher Becken könnten Kinder allenfalls Grundfertigkeiten erwerben, aber nicht die nötige Sicherheit für offene Gewässer, sagte Renato Wittstadt. Außerdem könne die Stadt auf ihre Schulen einwirken, künftige Angebote zu nutzen. Forsters Argument, dass Schüler auf dem Weg zum auswärtigen Schwimmunterricht zu viel Zeit im Bus verbringen würden, konterte die SPD damit, dass es den Schulen in Königsdorf und Eurasburg momentan auch gelinge, ihre Schüler nach Geretsried zu bringen.

400 000 Euro zusätzliche Planungskosten

Eine Beteiligung an einem auswärtigen Hallenbad bedeute mangels Geld das Aus für das Weidacher Lehrschwimmbecken, sagte Peter Plößl (CSU). Seine Frage, ob eine Beteiligung an einer vorbereitenden Arbeitsgruppe etwas koste, beantwortete Forster mit "natürlich" und verwies auf Angaben der Stadt Geretsried, wonach eine größere Planung ihres ohnehin beschlossenen Neubaus auch 400 000 Euro mehr Planungskosten verursachen werde.

Davon müsste Wolfratshausen den größten Teil übernehmen, warnte Forster. Fritz Schnaller (SPD) bezweifelte das und warb vehement dafür, zwei Räte in die vom Landrat vorgeschlagene Arbeitsgruppe zu entsenden - wenn es sein müsse, auch unter der Bedingung, das der Stadt dadurch keine Kosten entstehen, womit er Gaby Reith (Grüne) auf seine Seite zog.

Josef Praller, Peter Ley und Ludwig Gollwitzer (BVW) rieten davon ab, da es ehrlicher und fairer sei, den Nachbarn gleich abzusagen, wenn man ohnehin kein Geld ausgeben wolle. Manfred Fleischer verlangte namens der CSU "eine klare Position" und per Geschäftsordnungsantrag eine Abstimmung gleich über das ganze Vorhaben.

"Das Thema ist gestorben"

Über diesen Antrag wurde zwar nicht formell entschieden, doch der Bürgermeister folgte ihm trotzdem und stellte eine Finanzierungsbeteiligung der Stadt an einem Hallenbad in Geretsried oder Ascholding zur Abstimmung. In dieser Form ohne Summen und Details wollte auch die SPD nicht für das Hallenbad stimmen.

Damit ist ein Neubau in Ascholding unter Wolfratshauser Beteiligung ebenso gescheitert wie das vom Landrat Ende Juli vorgeschlagene und grob auf zehn Millionen Euro geschätzte gemeinsame Hallenbad für den Nordlandkreis. Eine ebenfalls diskutierte mittlere Lösung ohne Wolfratshausen und Icking für 8,5 Millionen Euro will Eurasburg nicht mittragen.

"Das Thema ist damit gestorben", sagt Landrat Josef Niedermaier (FW) in einer ersten Reaktion. Er bedauere es, dass "eine große Chance mit dem Kostenargument runtergebügelt" worden sei. Die Entscheidung der Stadträte müsse er respektieren. Allerdings müssten die nun den Bürgern und Rettungsorganisationen erklären, dass es nach dem absehbaren Ende des Ascholdinger Bads sehr viel weniger Möglichkeiten zum Schwimmen und Üben geben werde.

Bürgermeister Forster wehrte sich am Tag nach der Abstimmung gegen stete Versuche, Wolfratshausen den Schwarzen Peter zuzuschieben, wie sich beim Eurasburger Beschluss gezeigt habe.

© SZ vom 15.09.2011

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