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Schulzentrum Geretsried:Und wieder teurer

Die neue Dreifachturnhalle gehört auch zum Schulzentrum Geretsried. Am Montag feierten Landrat Josef Niedermaier und die Mitglieder des Kreisbauausschusses im Anschluss an die Sitzung das Richtfest.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Momentan liegt die Kostenschätzung für die Sanierung bei 49,5 Millionen Euro. Damit ist das Ende der Preissteigerung aber noch nicht erreicht.

Die Zahlen liegen auf dem Tisch. Mit Stand heute belaufen sich die Gesamtkosten für die Sanierung und den Umbau des Schulzentrums Geretsried auf 49,5 Millionen Euro. Damit ist das Ende der Fahnenstange aber noch nicht erreicht. Denn das Projekt zieht sich laut Planung noch bis zum Jahr 2026 hin. Je nachdem, wie hoch die jährlichen Preissteigerungen ausfallen werden, liegen die endgültigen Kosten zwischen gut 51 Millionen Euro und 55 Millionen Euro.

Das rund 25 000 Quadratmeter große Schulzentrum (Realschule und Gymnasium) an der Adalbert-Stifter-Straße in Geretsried wurde Anfang der 1970er-Jahre errichtet. Die Generalsanierung zieht sich etwas über zehn Jahre hin und ist in mehrere Bauabschnitte gegliedert. Im August hatte der Kreisbauausschuss die Verwaltung und die Architekten aufgefordert, bis zur nächsten Sitzung im September eine genaue Kostenaufschlüsselung vorzulegen. Denn als der Beschluss für die Maßnahme am 19. Juli 2016 im Kreistag fiel, war noch von 37,5 Millionen die Rede. Einige Monate später, im Februar 2017, lagen die Kosten bereits bei 38,7 Millionen Euro.

Diese Mehrungen sind inzwischen Programm. Nicht nur der Baukostenindex, der die Kosten für die Bauleistungen (Arbeit und Material) beziffert, habe dazu geführt, dass das Bauvorhaben teurer werde, sagte Hauptamtsleiter René Beysel in der Sitzung am Montag. Allein knapp 1,7 Millionen Euro seien "schlechten Vergaben" geschuldet. Diesen "Mehrkosten-Rucksack" müsse man wohl oder übel hinnehmen.

Den Löwenanteil bei der Kostensteigerung tragen allerdings die Umplanungen beim pädagogischen Konzept der beiden Schulen. Zum einen wurde den Bitten der Schulleitungen Rechnung getragen, sogenannte Lerninseln an Realschule und Gymnasium zu erschaffen. Das Konzept fördert selbständiges und gemeinsames Arbeiten und geht weg vom klassischen Frontalunterricht. Zu den Neuerungen gehört auch ein "Lernhaus" an der Realschule. In diesem wird ein pädagogisches Konzept umgesetzt, wobei Schüler unterschiedlicher Jahrgangsstufen gemeinsam betreut werden. Das Lernhaus ist für das Jahr 2021 geplant.

Aber auch die Rückkehr vom achtstufigen (G 8) zum neunjährigen Gymnasium (G 9) machte Anpassungen durch das Architekturbüro Drescher und Kubina nötig. Sie hat zur Folge, dass mehr Klassen an beiden Geretsrieder Schulen erwartet werden. Ausgangslage waren bei der Genehmigung vor drei Jahren 29 Klassen an der Realschule und 32 am Gymnasium. Mittlerweile gehen die Schulleitungen von 30 Klassen an der Realschule und 39 am Gymnasium aus.

Freude kam bei den Mitgliedern des Kreisbauausschusses angesichts dieser Zahlen nicht auf. Thomas Gründl (CSU) fragte nach, wie es mit staatlichen Zuschüssen aussehe. Denn die Anträge bei der Regierung von Oberbayern seien auf Basis der ersten Schätzung in Höhe von 37,5 Millionen Euro gestellt worden. Das sei für die bislang umgesetzten Maßnahmen in der Tat so, bestätigte Beysel. Gewerke für etwa zwölf Millionen Euro seien vergeben worden. "Dafür kriegen wir nichts mehr." Doch für die noch folgenden vier Bauabschnitte könnten Anträge gestellt werden.

Das Umkrempeln des Schulkonzepts habe zu dieser Kostenexplosion geführt, stellte Nikolaus Trischberger (CSU) fest. Er monierte, in der Gesamtbetrachtung nicht die Kosten für das sogenannte Interimsgebäude zu vergessen. Beysel gab ihm recht: Dieses Gebäude, das seit 2016 steht, habe 3,2 Millionen Euro gekostet. Weil es sich um eine Zwischenlösung handeln sollte - das Haus sollte ursprünglich nur bis 2024 genutzt werden -, gab es keine finanzielle Förderung seitens der Regierung von Oberbayern. Inzwischen steht fest, dass das Interimsgebäude dauerhaft genutzt werden soll. "Gedanklich muss man diese Kosten also auch noch dazuzählen."

Wegen des "Mehrkosten-Rucksacks" hat das Hauptamt sein Budget für dieses Jahr aufgezehrt. Um flüssig zu bleiben, stellt der Kreiskämmerer der Abteilung eine halbe Million Euro zur Verfügung. Der Ausschuss stimmte dem zu.