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Penzberg:Das nächste marode Hallenbad

Wellenbad Penzberg

Sieht gut aus, aber der Teufel steckt wie so oft im Detail. Das Penzberger Wellenbad muss dringend saniert werden. Weil das mehr als 13 Millionen kosten soll, ist ein Neubau im Gespräch.

(Foto: Manfred Neubauer)

Eine Sanierung des Wellenbads würde 13 Millionen Euro kosten. Bürgermeisterin Elke Zehetner denkt über einen Neubau nach.

40 Jahre hat das Wellenbad auf dem Buckel. Und wie so viele Schwimmbäder aus den 1970er-Jahren ist die Penzberger Einrichtung hoch defizitär, weil energetisch nicht auf dem neuesten Stand. Die Bausubstanz ist schlecht und das Dach nicht für hohe Traglasten ausgelegt. Seit etwa acht Jahren diskutiert der Stadtrat, was mit dem Wellenbad passieren soll. Zunächst war eine mehr oder weniger aufwendige Sanierung im Gespräch. Nun ist sogar von einem Neubau die Rede. Denn die Sanierung wird mittlerweile auf mehr als 13 Millionen Euro geschätzt. Ein Neubau, der wieder 40 Jahre seinen Zweck erfülle, könne daher sinnvoller sein, sagt Bürgermeisterin Elke Zehetner (parteifrei)

. Bei einer Sanierung wisse man nämlich nie, was einen erwartet. Im gut 20 Kilometer entfernten Geretsried ist man nach vielen Diskussionen und schwierigen Entscheidungen soweit, die Pläne für ein neues Hallenbad voranzutreiben. Das Projekt und die Querelen um das geplante interkommunale Hallenbad sind Elke Zehetner nur zu gut bekannt, stammt sie doch selbst aus Geretsried. Über Summen und Kosten in Penzberg mag sie derzeit noch gar nicht reden. Diese Debatte befinde sich im Stadium der Nichtöffentlichkeit, sagt sie auf Anfrage. Zwei Jahre sei sie Bürgermeisterin in Penzberg. In dieser Zeit habe sie das Hickhack um den neuen Brunnen auf dem Stadtplatz sowie um die neue Straßenkreuzung Seeshaupter Straße/Am Schloßbichl mit zwei Petitionen an den Landtag miterleben müssen. "Da stellt sich schon die Frage, wie gehen wir mit dem Thema Sanierung oder Neubau um?"

Gefühlt handle es sich beim Wellenbad um eine saubere Einrichtung, sagt Zehetner. Aber die Optik täuscht: Neben der mangelnden Traglast des Daches ist das Wasser beim Drei-Meter-Sprungbrett nicht tief genug, der Brandschutz weist Mängel auf und der Wellenbetrieb, das Alleinstellungsmerkmal des Bades, musste dieses Jahr repariert werden. Der Hauptknackpunkt ist das jährliche Defizit, das bei einer Million Euro liegt. "Nur weil wir Energie in die Umwelt blasen", sagt Zehetner.

Mittlerweile obliegt dem Stadtrat nicht mehr die Entscheidungsgewalt über das Wellenbad. Das Bad wurde den Stadtwerken übertragen. Auch wenn Penzberg finanziell nicht schlecht dasteht, wollten die Räte auf Nummer sicher gehen für den Fall, dass die Stadt 46 Millionen Euro Gewerbesteuer an das Pharmaunternehmen Roche zurückerstatten muss. Weil das Landratsamt Weilheim-Schongau den Penzbergern deshalb bei Kreditaufnahme auf die Finger klopft, um die Leistungsfähigkeit der Kommune zu gewährleisten, war die Auslagerung des Wellenbads ein logischer Schritt. Die Stadtwerke können Geld aufnehmen, um Sanierung oder Neubau zu finanzieren.

Am Mittwoch sollte im Zweckverband eine Entscheidung fallen. Die Sitzung wurde auf Bitten der Stadtratsfraktionen vertagt auf den 30. November. Sie hätten Klärungsbedarf, heißt es. Sanierungen seien mit mehr Risiken behaftet, sagt Josef Vilgertshofer, Vorstand des Kommunalunternehmens Stadtwerke Penzberg. Das Wellenbad mit hohem finanziellen Aufwand repariert zu haben, dass es dann zehn oder 15 Jahre wieder läuft, könne weniger sinnvoll sein, als ein Neubau, der wieder 40 Jahre seinen Dienst tue. Vilgertshofer verweist darauf, dass es mit einer reinen Kreditaufnahme nicht getan sei. Zins und Tilgung schlagen mit fünf Prozent zu buche. Bei einem Darlehen über zehn Millionen seien das 500 000 Euro, bei 20 Millionen bereits eine Million. "Das muss bedacht werden", sagt er. Die Stadtwerke verfügten über keine Rücklagen. Defizite müsste wiederum die Stadt ausgleichen.

Auch wenn er es nicht aussprechen mag, scheint Vilgertshofer einen Neubau zu präferieren. Er geht von einer Bauzeit von zwei Jahren aus, was wiederum bedeutet, dass nach dem Abriss die Penzberger für diesen Zeitraum auf eine Schwimmmöglichkeit verzichten müssten.

Die entscheidende Frage, die die Stadträte und Verantwortlichen umtreibt, ist: Was für ein Bad will sich Penzberg leisten? Ein schlichtes Familienbad oder ein bisschen mehr Ausstattung und Komfort mit Lehrschwimmbecken, Wellenbetrieb, größerer Sauna, Rutsche, Sprungturm, Außenbecken und Gastronomie?

Sowohl Zehetner als auch die meisten Stadtratsfraktionen würden dazu gerne die Penzberger befragen: Die Bürgermeisterin möchte ein Ratsbegehren mit detaillierter Fragestellung, welchen Betrag die Bürger bereit seien für welche Hallenbad-Lösung auszugeben. CSU und SPD tendieren indes zu einer Bürgerbefragung. Die Fraktionssprecher Christine Geiger (CSU) und Adrian Leinweber (SPD) möchten ein Meinungsbild abfragen. "Eine Befragung mit Ja oder Nein bringt in dem Fall nichts", sagt Leinweber, die wie Geiger einen Neubau bevorzugt. Dorle Niebling-Rößle, Fraktionssprecherin der Bürger für Penzberg, hält eine Befragung hingegen nicht zwingend für nötig. Sie könnte sich auch einen "gemäßigten" Neubau vorstellen.