Gutachten:7400 Autos mehr am Tag

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Gutachten: Der Kreisverkehr an der Penzberger Möbelcentrale ist schon jetzt in Stoßzeiten stauanfällig. Nimmt der Verkehr in den kommenden Jahren zu, könnte ein Ausbau Abhilfe schaffen.

Der Kreisverkehr an der Penzberger Möbelcentrale ist schon jetzt in Stoßzeiten stauanfällig. Nimmt der Verkehr in den kommenden Jahren zu, könnte ein Ausbau Abhilfe schaffen.

(Foto: Manfred Neubauer)

Eine Prognose für 2035 zeigt: Der Verkehr auf Penzbergs Straßen wird deutlich zunehmen - nicht nur durch die Erweiterung des Roche-Geländes.

Von Alexandra Vecchiato, Penzberg

Penzberg wächst. Und mit diesem Wachstum geht eine Zunahme des Straßenverkehrs und des dadurch bedingten Lärms einher. Allein durch die geplante Erweiterung des Roche-Werksgeländes werden täglich etwa 1100 Kraftfahrzeuge mehr im Stadtgebiet unterwegs sein. Dies geht aus einem Gutachten hervor. Im Detail stellte Gutachter Harald Spath vom Münchner Büro "Gevas" seine Berechnungen den Mitgliedern des Penzberger Bauausschusses vor. Auch wenn ein Ausbau von Verkehrsknotenpunkten laut dem Experten nicht zwingend sei, empfahl er zumindest die Kreuzung Nonnenwaldstraße, Wölfl- und Kastnerhofstraße zu ertüchtigen. Auch der Kreisverkehr an der Seeshaupter Straße sollte ausgebaut werden.

Spath hatte seine Prognose bereits im April vorgestellt. Nun legte er mehrere Szenarien nach, die auch einen "Worst-worst-case" abbilden. Bis zum Jahr 2035 rechnet der Gutachter mit einer Verkehrszunahme von 6300 Kraftfahrzeugen auf Penzbergs Straßen - wohlgemerkt, ohne die Roche-Erweiterung um etwa 14 Hektar. Spath rechnet dafür mit einem Plus von 4000 Fahrzeugen bedingt durch die geplante Wohnbebauung. Die Erweiterung des Industrieparks Nonnenwald - die Stadt schafft dort zusätzliche Gewerbeflächen - zieht laut Prognose 1200 Kfz nach sich. Bei einer Nachverdichtung auf dem bestehenden Roche-Areal ist mit zusätzlichen 1100 Fahrzeugen zu rechnen.

Doch dabei bleibt es nicht, wenn das Biotech-Unternehmen sein Werksgelände vergrößert. Laut Spath müsse in diesem Fall mit weiteren 1100 Kraftfahrzeugen pro Tag bis zum Jahr 2035 gerechnet werden. Das sind insgesamt täglich 7400 Fahrzeuge mehr, die sich überwiegend auf die Zubringerstraßen zu Roche konzentrieren würden: Zu den 14 000 Kfz, die momentan täglich auf der Seeshaupter Straße fahren, kämen weitere 1200 pro Tag hinzu. Die Nonnenwaldstraße, auf der derzeit täglich zwischen 5000 und 6000 Fahrzeuge unterwegs sind, müsste nochmals etwa 1500 aufnehmen. Momentan sind um die 4000 Kfz in Wölfl unterwegs. Spath rechnet dort mit einem Plus von 600 bis 700 Autos und Lastwagen.

Der Gutachter erklärte dem Gremium, welche Grundlagen er für seine Berechnungen herangezogen hat. So beruft er sich unter anderem auf Angaben der Firma Roche, dass der Anteil der Roche-Mitarbeitenden mit Wohnsitz in Penzberg bei circa 27 Prozent liege. Auch rechnet das Werk vor, dass die Erweiterung 1057 neue Mitarbeiter zur Folge habe. Die Mitarbeiter von auswärts würden hauptsächlich folgende Routen zu ihrer Arbeitsstätte im Nonnenwald nehmen: knapp 42 Prozent kämen über die Seeshaupter Straße (von und zur Autobahn); 17 Prozent über die Bichler Straße; sechs Prozent über Reindl und lediglich drei Prozent über die Sindelsdorfer Straße. Spath betonte, dass sich die Verkehrszunahme drastisch erhöhen würde, falls Roche seine Mobilitätsstrategie nicht weiter ausbauen würde. Dazu zählen unter anderem eine verbesserte Busanbindung, Shuttle-Services, aber auch die Möglichkeit zum Homeoffice. Das Unternehmen selbst strebe eine Anwesenheitsquote von 60 Prozent an, erklärte Spath. "Das ist nicht zu ambitioniert. Normal sind 85 Prozent."

Auch wenn ein Ausbau der Verkehrsknotenpunkte im "besten Fall" nicht zwingend notwendig sei, sollte die Stadt darüber nachdenken, sagte Spath. Er schlug eine abknickende Vorfahrt oder einen Kreisverkehr an der Abzweigung der Nonnenwaldstraße vor. Je nach tatsächlicher Entwicklung könnte es beim Kreisel an der Seeshaupter Straße eng werden. Da dieser bereits jetzt zu Stoßzeiten nicht wirklich funktioniere, müsse man über einen zweistreifigen Ausbau nachdenken, bestätigte Bürgermeister Stefan Korpan (CSU).

Verkehr zieht aber auch Lärm nach sich. Wie sich dieser entwickeln wird, untersuchte Johann Storr vom Augsburger Büro "Bekon". In seinem Schallgutachten zählt er Gebäude auf, die möglicherweise einen Anspruch auf Schallschutzmaßnahmen haben (zu finden auf der Homepage der Stadt Penzberg). Betroffene Häsuer sind etwa an der Bahnhofstraße, Grube, Reindl oder Wölfl. Für einen ausreichenden Schallschutz muss die Stadt sorgen. Die Übernahme der Kosten dafür wird allerdings in einem städtebaulichen Vertrag mit Roche geregelt.

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