Großer Zuspruch Bürgermeisterin wird rot

Unter Genossen: Bei der Wiederholung der Aufstellungsversammlung verspricht Elke Zehetner ihrem Ortsverein unter anderem Solidarität und die Wahrung sozialdemokratischer Werte.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Die Penzberger Rathauschefin Elke Zehetner ist seit 9. Mai offizielles Mitglied der SPD. Der Ortsverein dankt es ihr und ernennt sie mit 82 Prozent erneut zur Spitzenkandidatin bei der Kommunalwahl.

Von Petra Schneider, Penzberg

Die Penzberger SPD ist am Donnerstag gestärkt aus der Wiederholung der Aufstellungsversammlung hervorgegangen: Bürgermeisterin Elke Zehetner ist in die Partei eingetreten. Eine Satzungsänderung, die eine erneute Kandidatur der bislang parteifreien Bürgermeisterin wasserdicht machen sollte, war damit nicht nötig. Die Genossen honorierten Zehetners Parteieintritt mit großem Applaus und einem Wahlergebnis, das noch über dem Votum der ersten Nominierung lag: Hatten vor zwei Wochen 78 Prozent für Zehetner gestimmt, votierten am Donnerstag 82 Prozent für die Neu-Genossin. Einen Gegenkandidaten gab es nicht. Andreas Vetter, der bei der ersten Aufstellungsversammlung gegen die amtierende Bürgermeisterin angetreten war und Anfang des Jahres auf eine Lücke in der Satzung des Ortsvereins hingewiesen hatte, gratulierte Zehetner und überreichte eine Schachtel Pralinen. Für ihn sei eine erneute Kandidatur nicht in Frage gekommen - der Ortsverein habe sich für Zehetner ausgesprochen, das habe er akzeptiert.

Dass die Bürgermeisterin erst nach den jüngsten Diskussionen und entgegen ihrer Ankündigung nicht bereits 2014 in die Partei eingetreten ist, begründete sie so: "Ich nehme das Parteibuch gerne, aber den Zeitpunkt bestimme ich." Sie habe stets vorgehabt, der SPD beizutreten, wollte aber die Aufstellungsversammlung am 6. Mai abwarten. Denn sie habe sehen wollen, was bei der SPD mehr zähle: politische Erfahrung oder Parteibuch. Das Ergebnis von 78 Prozent sei klar ausgefallen. Am 9. Mai ist sie eingetreten, wie im Parteibuch vermerkt ist, das ihr Kreisvorsitzender Dominik Streit überreichte. Zehetner sei "im Herzen" schon immer eine Sozialdemokratin gewesen, sagte Streit. Er freue sich sehr, "dass wir heute eine satzungskonforme Nominierung haben."

Auch bei den Genossen war die Erleichterung groß: Beinah beflügelt wirkten die rund 80 Bürger, die in die Stadthalle gekommen waren. Von den 64 Wahlberechtigten gaben 63 ihre Stimme ab: 52 für Zehetner, sechs Nein-Stimmen, fünf Enthaltungen. Immer wieder wurden Geschlossenheit und Stärke beschworen und an die Solidarität der Genossen appelliert - "auch an die, die sich beim ersten mal gegen die Elke ausgesprochen haben", wie Altbürgermeister Hans Mummert sagte. Die Penzberger SPD will nun geeint in den Kommunalwahlkampf einsteigen, "Diskussionen hinter uns lassen, um Schaden von der Partei abzuwenden", wie Ortsvorsitzender Bayram Yerli sagte. Eine anhaltende Weigerung Zehetners, in die SPD einzutreten, hätte die Partei geschwächt und eine Satzungsänderung nötig gemacht. Denn bislang fehlt beim Penzberger Ortsverein ein Passus, dass auch parteifreie Kandidaten antreten dürfen. Eine entsprechende Satzungsänderung wäre am Donnerstag aber ohnehin nicht möglich gewesen, weil man die dafür vorgeschriebene Ladungsfrist von zwei Wochen unterschritten hätte. Eine Überarbeitung der Ortsvereinssatzung werde es aber geben, kündigte Yerli an: Am 17. Juli sollen bei einer Mitgliederversammlung Änderungen diskutiert werden. Der Ortsvorsitzende entschuldigte sich für "Unannehmlichkeiten" nach der ersten Wahl. "Das hätte nicht passieren dürfen." Aus den Statuten der Bundes-SPD sei aber die Regelung "nur schwer herauszulesen". Zehetner verzichtete auf eine Wiederholung ihrer Grundsatzrede. Nach den Diskussionen im Anschluss an die erste Nominierung sei sie "auf Tauchstation gegangen", sagte sie. 78 Prozent Zustimmung, am nächsten Tag dann die Nachricht, dass die Wahl womöglich ungültig sein könnte - "ihr könnt euch alle vorstellen, wie's mir da gegangen ist." Aber die Partei sei für sie eingestanden, sagte Zehetner, die den Genossen Solidarität und die Wahrung sozialdemokratischer Werte versprach. "Ich habe inhaltlich kein Problem mit der SPD", erklärte die Bürgermeisterin. Sie stehe aber für eine Politik, "die nicht nur am Parteibuch orientiert ist".